Wenn es um den Vorwurf eines schweren Verbrechens wie versuchten Mord geht, werden auch düstere und intime Seiten einer Beziehung ausgeleuchtet. So war es auch gestern vor dem Schwurgericht Ravensburg. Am zweiten Verhandlungstag gegen einen 63-jährigen Mann aus dem östlichen Bodenseekreis äußerte sich die 58-jährige Ehefrau zum familiären Zusammenleben und den Folgen der 15 Hammerschläge in der Mainacht. Heftig bestritt sie ein außereheliches Verhältnis: „Es gab, gibt und wird keine neue Beziehung geben. Das ist mir wichtig“, sagte die Frau, die bis heute unter den Verletzungsfolgen leidet. Die beiden Menschen, die fast 30 Jahre verheiratet sind, vermieden rund zwei Stunden jeden Blickkontakt im Gerichtssaal.

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„Er konnte ihr nichts recht machen.“

Ausführlich berichtete die resolut wirkende Frau über ihre Ehe und das schleichende Ende der einst guten Beziehung. Ja, er sei lange Jahre immer für die Familie dagewesen. Aber dann habe man sich auseinandergelebt und nach Knie-OP und Schlaganfall kaum noch miteinander gesprochen, zumal sie neben dem Beruf noch einen Nebenjob angenommen habe und wenig zuhause war. Sein Rauchen habe sie gestört. Und er habe sich zwar „bemüht, im Haushalt zu helfen, aber sauber und sauber sind zwei Paar Stiefel“, bemerkte sie mit spitzem Unterton. Und wie war das mit einem anderen Mann? Da habe sich nach der Fasnet „ein bisschen was entwickelt“. Sie habe sich in den Anderen verliebt. Aber „es gab, gibt und wird keine neue Beziehung geben“, erklärte sie laut, „und was wir geschrieben haben, ist nicht, was wir getan haben“. Ihr Ehemann muss jedoch etwas geahnt haben, denn er fragte mehrmals: „So komm‘sch wieder von Deim Freund“. „Na klar“, soll sie geantwortet haben. Verteidiger Gerd Pokrop (Friedrichshafen) will da wissen, ob das ihren Mann nicht verletzt haben könne. Darauf keine Antwort. Bei einem familiären Krisengipfel, an dem auch die drei erwachsenen Kinder teilnahmen, sei über eine halbjährige „Auszeit“ gesprochen worden und der Vater erklärte sich bereit, zu seinem Schwiegervater zu ziehen. Ein Sohn: „Er wirkte aber schwer bedrückt“. Von beleidigenden Kraftausdrücken der Mutter berichten die Kinder einhellig und zu hören ist: „Er konnte ihr nichts recht machen.“ Und: „Sie hackte ständig auf ihm rum“.

Ganze Familie „kaputt gemacht“

Zu dem Gewaltausbruch des Vaters wollte sich keines der Kinder äußern. Das Opfer aber leidet bis heute darunter. Auf einem Ohr hört die Frau nichts mehr. Der Geruchssinn ist weg und Ärzte reden über Implantate am Kopf. Aber als am schlimmsten empfindet sie, dass die Tat die ganze Familie „kaputt gemacht hat“. Nur ein Sohn ist noch für sie da. Sonst Funkstille. Dabei rechtfertige „doch nichts diese Tat“. Der Mann auf der Anklagebank hört alles schweigend an und äußert sich nicht dazu. Der Prozess wird am 13. November fortgesetzt.