Seit Ende Dezember sind mobile Impfteams in Pflege- und Altenheimen unterwegs, um dort unter anderem Bewohner gegen das Coronavirus zu impfen. Doch nicht alle der etwa 14 500 Bürger in der Altersgruppe der über 80-Jährigen im Bodenseekreises leben in entsprechenden Heimen. Und auch Bewohner von Seniorenresidenzen werden nicht vor Ort geimpft.

Keine Impfung in Seniorenresidenz und Termine gibt es nur einzeln

Auf SÜDKURIER-Nachfrage im Augustinum in Meersburg gibt der Vorsitzende des Bewohner-Beirats, Henning Walentowitz, Auskunft. Vergeblich habe er versucht, statt einer Impfung im Haus zumindest einen gemeinschaftlichen Impftermin für die betagten Senioren zu organisieren, um dann in einem gemieteten Kleinbus nach Friedrichshafen ins Kreis-Impfzentrum zu fahren. Auch diese Möglichkeit bestehe nicht, habe ihm das Landratsamt mitgeteilt. Termine seien nur individuell zu bekommen.

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Schon die Organisation eines Termins im Kreisimpfzentrum ist schwierig

Viele Senioren leben in den eigenen vier Wänden, auch außerhalb altersgerechter Wohnanlagen. Sie organisieren, selbst hochbetagt, ihren Alltag mehr oder weniger selbstständig, arrangieren sich dabei teilweise mit nicht unerheblichen körperlichen Einschränkungen wie einer hochgradigen Behinderung des Sehvermögens oder einer ausgeprägten Einschränkung der Mobilität.

Können sie nicht auf die Hilfe von Angehörigen zurückgreifen, stellt sie bereits die Organisation eines Impftermins vor eine große Herausforderung. Das Internet und die komplizierte Anmeldung auf der Plattform www.impfterminservice.de ist für die wenigsten unter Ihnen eine Option und auch das mehrfache Anrufen der Telefon-Hotline 116 117 zur Terminvergabe kann zur Zumutung werden.

„Große praktische Herausforderungen“ für einige Menschen

Gibt es von Seiten des Landratsamts eine Lösung für dieses Problem? „Hierfür gibt es noch keine Lösung“, sagt Pressesprecher Robert Schwarz. Er versichert: „Es ist allen Beteiligten bewusst, dass die derzeit möglichen Angebote einige Menschen vor große praktische Herausforderungen stellen.“ Das Organisieren eines bundes-, landes- und kreisweiten Impfangebots innerhalb kürzester Zeit sei eben eine Mammutaufgabe.
Aktuell, so fügt Schwarz an, gehe es primär darum, trotz limitiertem Impfstoffangebot die Impfkampagne zum Laufen zu bringen. „Eine persönliche Einzelbetreuung vieler Tausend Bürgerinnen und Bürger kann aus diesem Grund zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwartet werden“, sagt er.

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Appell an bürgerschaftliche und nachbarschaftliche Hilfe

Auch die Frage, ob mobile Impfteams Hochbetagten in deren Wohnungen impfen, wird verneint. Im Augenblick liege der eindeutige Schwerpunkt darauf, den etwa 1700 Menschen in Pflegeheimen plus Personal ein Impfangebot zu machen, informiert das Landratsamt.

Wer es schafft, einen der zunächst wenigen Termine im Kreisimpfzentrum in Friedrichshafen zu ergattern, muss die Anfahrt selbst organisieren. Eine Abholung, etwa für gehbehinderte Impflinge, ist bislang nicht möglich. Das Landratsamt lässt wissen, dass auch in diesem Fall an die bürgerschaftliche und nachbarschaftliche Hilfe appelliert werden müsse.

„Wir sind aktuell dabei, auch gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, zu sondieren, welche Hilfestellungen von kommunaler Seite möglich sein könnten. Das muss aber erarbeitet werden und ist mit vielen Detailfragen verbunden“, so Robert Schwarz. „Das wird dann zum Tragen kommen, wenn wir in größerer Zahl Impfdosen zur Verfügung haben.“ Denn auch solche praktischen Hilfestellungen würden nicht dazu führen, dass jemand schneller zu einer Impfung kommt.

Gemeinde Langenargen macht Senioren ein Hilfsangebot

Hauptamtsleiter Klaus-Peter Bitzer ist in Langenargen trotzdem schon vorher aktiv geworden. Mit einem Informationsschreiben inklusive Einverständniserklärung zur Weitergabe persönlicher Daten hat er allen über 80-Jährigen seiner Gemeinde angeboten, für sie einen Termin und den Transport mit dem gemeindeeigenen, sozialen Fahrdienst zu organisieren.

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Wobei sich Annette Hermann, die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, bei der Umsetzung des gut gemeinten Angebots ausgebremst sieht. Auch sie kann nur über den Impfterminservice oder die Hotline Termine organisieren. Ihre Versuche blieben bislang auf beiden Kanälen erfolglos. Jetzt ist Hermann damit beschäftigt, die enttäuschten Senioren telefonisch um Geduld zu bitten.

Rotes Kreuz arbeitet an Mobilitätsangebot

Das DRK bemüht sich derzeit um ein Mobilitätsangebot. „Das Deutsche Rote Kreuz hat das Problem erkannt und arbeitet an einer Lösung“, teilt Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon auf Anfrage mit.

Bis diese und ähnliche Lösungen stehen, muss nach individuell organisierter Anreise zumindest die Strecke vom Parkplatz bis zur Messehalle im Zweifelsfall mit dem Rollator zurückgelegt werden. Für Impflinge mit einer Gehbehinderung etwa steht am Eingang des Kreisimpfzentrums ein Rollstuhl bereit.