Der Erntehelfer-Prozess geht in eine neue Runde. Inzwischen steht der Termin für das Berufungsverfahren fest. Das Landesarbeitsgericht hat den Prozess auf den 8. Dezember terminiert, erklärt ein Sprecher des Gerichts auf Nachfrage.

Darum geht es im Rechtsstreit

18 georgische Saisonarbeiter hatten einen Obstbauer aus dem Bodenseekreis auf Lohnnachzahlung verklagt. Das Urteil vor dem Ravensburger Arbeitsgericht war im Juni ergangen. Der Landwirt habe den Arbeitern nach Auffassung des Gerichts von Mitte Mai bis Mitte Juni 2021 nicht den Mindestlohn gezahlt, befand das Gericht. Das hätte er jedoch tun müssen. Auch wenn der Obstbauer die Erntehelfer zum Beispiel wegen schlechten Wetters nicht über die gesamte Zeit eingesetzt habe, schulde er ihnen für die Zeit ohne tatsächliche Arbeit Lohn. Schließlich hätten sie ihm wie vereinbart ihre Arbeit angeboten.

Der Landwirt hatte den Arbeitern im Verfahren pauschal vorgeworfen, nicht rechtzeitig an den vereinbarten Sammelstellen gewesen zu sein oder sich eher in der Stadt aufgehalten, als auf den Feldern gearbeitet zu haben. Einen Vergleich hatte er abgelehnt, gegen das Urteil des Arbeitsgerichts schließlich Berufung eingelegt. Jetzt wird in der nächsten Instanz über den Rechtsstreit verhandelt. Der Prozess findet erneut in der Region statt. Das Landesarbeitsgericht wird in den Räumen des Ravensburger Arbeitsgerichts verhandeln. Das sei so üblich, so der Sprecher. Vor Ort würden voraussichtlich keine Zeugen mehr gehört. Es ist ein Verhandlungstag angesetzt.

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Die georgischen Erntehelfer hatten im Sommer 2021 miserable Zustände auf dem Obsthof beklagt. Dies wurde öffentlich, weil einer der Saisonarbeiter die Unterkunft gefilmt hatte, schließlich schaltete sich sogar der deutsche Botschafter in Tiflis ein und das Landratsamt Bodenseekreis veranlasste Kontrollen, bei denen rund 30 Mängel festgestellt wurden. Der Inhaber gab damals an, die Probleme „sofort behoben“ zu haben. Die Georgier verließen aufgrund der Wohn- und Arbeitsbedingungen nach rund vier Wochen den Obsthof am Bodensee, es folgte die Auseinandersetzung um ausstehende Lohnzahlungen. Eine Güteverhandlung war zuvor gescheitert.