Obwohl sämtliche Weinfeste am Bodensee dieses Jahr coronabedingt ausgefallen sind, können sich die Winzer im Kreis nicht beklagen. 2020 lief für die regionalen Weingüter besser denn je. Doch ohne Alternativen hätten die Winzer diese Kurve vielleicht nicht bekommen – dieser Meinung ist zumindest Peter Krause.

„Unser Onlinehandel hat großen Zulauf bekommen“

Zu Beginn der Corona-Pandemie habe der Meersburger Winzer zwar erst einmal „blöd aus der Wäsche geschaut“, doch ab April lief das Geschäft dann immer besser. „Unser Onlinehandel hat in diesem Monat großen Zulauf bekommen“, erzählt Krause. Der Meersburger spricht von einer Online-Umsatzsteigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber der Zeit vor Corona.

Peter Krause, Winzer aus Meersburg, hat in der Corona-Zeit mit seinem Onlineshop einen Aufschwung erlebt: „Wir konnten unseren Umsatz dort um mehr als 100 Prozent steigern.“
Peter Krause, Winzer aus Meersburg, hat in der Corona-Zeit mit seinem Onlineshop einen Aufschwung erlebt: „Wir konnten unseren Umsatz dort um mehr als 100 Prozent steigern.“ | Bild: privat

„Auf einmal waren die Menschen zuhause, haben wieder viel gekocht. Und zu einem guten Essen trinkt man eben auch gerne guten Wein“, erklärt sich der Winzer diesen Umschwung. Als Krause dann nach einigen Wochen wieder seinen Weinverkauf in Meersburg neben seinem Lokal „Letzter Heller“ öffnen durfte, kamen viele Kunden vorbei.

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„Besonders unsere Stammkunden haben uns in der ersten Zeit über Wasser gehalten, aber wir haben auch einige neue Kunden dazugewonnen“, sagt Krause. Dadurch habe er 2020 – im Vergleich zum Vorjahr – deutlich mehr Wein verkauft. „Wir sehen uns tatsächlich als Gewinner der Krise. Es gibt ganz andere Branchen, in denen es nicht so gut gelaufen ist.“

Die vielen Flaschen Wein, die Peter Krause dieses Jahr verkauft hat, trösten ihn immerhin ein wenig über die Tatsache hinweg, dass das Weinfest in Meersburg dieses Jahr ausgefallen ist.

„Das Weinfest ist wichtig für uns, das brauchen wir.“
Peter Krause

„Das Weinfest ist wichtig für uns, das brauchen wir eigentlich schon“, sagt Peter Krause. „Als krönenden Abschluss für die Saison und um das finanzielle Polster für den Winter aufzuhübschen.“ Aber unter den gegebenen Umständen sei ein solches Fest nicht zu verantworten.

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Winzerverein Hagnau blickt „positiv in alle Richtungen“

Auch für den Winzerverein Hagnau begann das Jahr nicht wie geplant. Als die Gastronomie schließen musste, fiel ein Großteil der Einnahmen weg. „Deswegen haben wir bei unseren Stammkunden Werbung gemacht und sie per Mail angeschrieben“, sagt Tobias Keck, Geschäftsführer des Hagnauer Winzervereins.

Tobias Keck, Geschäftsführer Winzervereins Hagnau: „Wir bei unseren Stammkunden Werbung gemacht und sie per Mail angeschrieben.“
Tobias Keck, Geschäftsführer Winzervereins Hagnau: „Wir bei unseren Stammkunden Werbung gemacht und sie per Mail angeschrieben.“ | Bild: Reiner Jäckle

Zahlreiche Kunden hätten darauf reagiert und Wein über den Versandhandel bestellt. „So ist der Absatz nicht komplett weggebrochen und nach einigen Wochen durfte die Gastro auch wieder öffnen“, erzählt Keck.

Veranstaltungen wie das Hagnauer Weinfest konnten zwar nicht stattfinden, doch trotzdem habe der Verein keinen großen Verlust davongetragen. „Als die ersten Touristen an den See kamen, konnten wir viel vor Ort verkaufen und auch die Weinproben liefen gut“, so Keck.

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Zwar konnten letztere nur mit maximal 30 Teilnehmern stattfinden, doch so waren die Proben an der frischen Luft stets ausgebucht. Wie Keck erzählt, sei der Winzerverein – was die Corona-Pandemie betrifft – bisher „mit einem blauen Auge“ davongekommen. „Wir blicken positiv in alle Richtungen und hoffen, dass die Feste nächstes Jahr wieder stattfinden können.“

Zu Beginn der Krise „am Boden zerstört“

Dieselben positiven Gedanken hat Winzer Thomas Geiger aus Meersburg-Riedetsweiler. Was am Anfang der Corona-Pandemie für ihn noch schlimm war, hat sich mittlerweile zum Guten gewendet. Rückblickend sagt Geiger: „Als die Krise begonnen hat, war ich am Boden zerstört.“ Denn kaum eine Woche, bevor er seine Besenwirtschaft öffnen wollte, kam der Lockdown. „Alles, was vorbereitet war, war umsonst“, erzählt er.

Die Besenwirtschaft von Thomas Geiger in Meersburg-Riedetsweiler blieb dieses Jahr coronabedingt ohne Besucher.
Die Besenwirtschaft von Thomas Geiger in Meersburg-Riedetsweiler blieb dieses Jahr coronabedingt ohne Besucher. | Bild: Reinhold Adolph

In den ersten Wochen verkaufte er kaum eine Flasche Wein. Kleine Läden, die er sonst beliefert, mussten geschlossen bleiben, ebenso wie die Gastronomie. Dann kam die Wende: Supermärkte aus der Umgebung fragten bei Geiger an, ob er Wein liefern könne. Zusätzlich habe der Winzer einen Teil des Umsatzes durch den Onlinehandel kompensiert.

Thomas Geiger, Winzer aus Meersburg-Riedetsweiler: „Ich jammere nicht. Wir haben in der Corona-Zeit Glück im Unglück gehabt.“
Thomas Geiger, Winzer aus Meersburg-Riedetsweiler: „Ich jammere nicht. Wir haben in der Corona-Zeit Glück im Unglück gehabt.“ | Bild: privat

„Als im Mai die Gastronomie wieder öffnen durfte, lief es wieder so gut wie in den Vorjahren“, sagt Geiger. Dennoch habe er etwa 30 Prozent mehr Wein übrig als 2019.

Winzer Thomas Geiger bei der Arbeit.
Winzer Thomas Geiger bei der Arbeit. | Bild: privat

Sonst wäre ein Großteil dieses Überschusses auf dem Meersburger Weinfest, dem Unterstadtfest oder dem Wetterkreuzfest verkauft worden. Dieses Jahr nicht. Geiger erklärt, dass er den Wein nun über den Winter im Weinkeller lagert. „Dort bewahre ich ihn auf, hole ihn im Frühjahr wieder heraus und verkaufe ihn dann.“

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