Weihnachtsfeiern sind in Betrieben institutionalisierte Veranstaltungen, bei denen Leitung und Belegschaft das vergangene Betriebsjahr abschließen. Je nach Größe des Betriebs ist dabei vom gemeinsamen, festlichen Abendessen, bis hin zu einer Motto-Veranstaltung mit Live-Band und mehreren Hundert Mitarbeitern alles möglich. Für die Mitarbeiter sind es Feste der Wertschätzung, ein Dankeschön für ihre geleistete Arbeit und ihren Beitrag zum Betriebserfolg.

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Die Wertschätzung seiner Mitarbeiter zeigt Peter Krause, Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Salemer Gabelstapler-Unternehmens, schon im Eingangsbereich seiner Firma. “Der Erfolg des Unternehmens liegt in der Summe der Erfolge seiner Mitarbeiter“ steht auf einer aufgestellten Tafel mit den Porträtfotos und Namen seiner Mitarbeiter.

Weihnachtsfeier wird als Betriebsausflug nachgeholt

Mit der Absage der Weihnachtsfeier in diesem Jahr entschied Krause, die Feier als Betriebsausflug im Sommer nachzuholen. Nicht nur das, “ich werde nächstes Jahr auch Einladungen von Kunden und Lieferanten an meine Mitarbeiter weitergeben“. Eigentlich stand eine Einladung nach Österreich zum Austria-Ring oder auch von einem Lieferanten aus Bologna auf dem Plan. Zukünftig will der Unternehmensführer den einen oder anderen Mitarbeiter solch ein Ereignis ermöglichen.

Trotz der Corona-Pandemie liefen die Geschäfte erfreulicherweise gut. Er ist zufrieden und dankbar, dass sie so gut – und vor allem gesund – durch das Jahr 2020 gekommen sind. Wichtig ist ihm vor allem, dass auch seine Mitarbeiter zufrieden sind. “Das Wichtigste ist, jeden Mitarbeiter so zu nehmen wie er ist.“ Er sei stolz, in jedem Bereich gute Mitarbeiter zu haben, “sonst wäre die Firma nie so weit gekommen“. Auf seine Belegschaft lässt er nichts kommen. “Du als Unternehmer hast gewonnen, wenn sich Menschen komplett mit der Firma identifizieren.“

Wertschätzung elementar bei der ZF Friedrichshafen

Bei einer Belegschaft von 17 Mitarbeitern mag der direkte Kontakt noch einfach sein, aber wie sieht es bei größeren Firmen aus? “Das Thema Wertschätzung ist ein umfangreiches Thema, das viele Bereiche des Lebens und auch der beruflichen Zusammenarbeit berührt“, antwortet ein Sprecher des global tätigen Unternehmens ZF Friedrichshafen.

Wertschätzung sei in vielen Formen elementarer Bestandteil der Mitarbeiterführung. “Dazu gehören regelmäßige dokumentierte Mitarbeitergespräche ebenso wie kontinuierliches konstruktives Feedback über die Arbeitsleistung.“

Ein ZF-Mitarbeiter bei der Getriebemontage. Die Weihnachtsfeiern müssen bei dem Weltkonzern coronabedingt ausfallen. Die Wertschätzung der Mitarbeiter soll einem Unternehmenssprecher zufolge auf anderen Ebenen vermittelt werden.
Ein ZF-Mitarbeiter bei der Getriebemontage. Die Weihnachtsfeiern müssen bei dem Weltkonzern coronabedingt ausfallen. Die Wertschätzung der Mitarbeiter soll einem Unternehmenssprecher zufolge auf anderen Ebenen vermittelt werden. | Bild: ZF/Felix Kästle

Auch während der Corona-Zeit würden diese Grundsätze weiterhin gelten. Durch die verstärkte Nutzung digitalisierter Formate für die Zusammenarbeit sei es wichtig, “die Wertschöpfung in der Form des kontinuierlichen Feedbacks auch auf diesem Wege sicherzustellen“.

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Weihnachtsfeiern würden im Unternehmen “üblicherweise nicht zentral, sondern individuell auf Team- oder Abteilungsebene organisiert“. Hingegen würde “die offizielle Rentnerweihnachtsfeier für ehemalige Mitarbeiter in Friedrichshafen mit etwa 800 bis 1000 Teilnehmern zentral organisiert“. Diese werde jedoch in diesem Jahr nicht stattfinden können.

Ehrenamtliches Engagement braucht Dankesgesten

Das Thema Wertschätzung trägt jedoch nicht nur in Unternehmen zum Erfolg bei, auch im weiten Bereich des ehrenamtlichen Engagements ist es ein wichtiges Thema. Zum Beispiel lädt Jürgen Stukle als Bürgermeister von Frickingen alljährlich Bürger, die sich außerhalb von Vereinen und Institutionen für das Gemeinwesen ehrenamtlich engagieren, zu einem gemeinsamen Abendessen ein.

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Die Ehrenamtlichen berichten dann von ihrem Engagement für die drei kleinen Museen der Gemeinde, während der Salemertal Konzerte oder in der Altenbetreuung. Da dieses Jahr dieser bunte Abend nicht stattfinden konnte, erhalten die Ehrenamtlichen ein kleines Präsent mit einer persönlichen Karte vom Bürgermeister.

Einmal im Jahr bedankt sich Bürgermeister Jürgen Stukle (vorne links) im Namen der Gemeinde Frickingen bei den ehrenamtlich engagierten Bürgern, die nicht in einem Verein oder einer Institution organisiert sind, für deren Einsatz mit einem gemeinsamen Abendessen. Hier ein Bild von einer früheren Veranstaltung.
Einmal im Jahr bedankt sich Bürgermeister Jürgen Stukle (vorne links) im Namen der Gemeinde Frickingen bei den ehrenamtlich engagierten Bürgern, die nicht in einem Verein oder einer Institution organisiert sind, für deren Einsatz mit einem gemeinsamen Abendessen. Hier ein Bild von einer früheren Veranstaltung. | Bild: Mardiros Tavit

Persönlicher Kontakt ist auch für Josef Kessler, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Frickingen wichtig. Doch auch seine Wehr kann dieses Jahr keine Weihnachtsfeier abhalten. „Schade deswegen, weil wir uns seit Anfang Corona nur bei den Einsätzen sehen“, und da würde nur das Nötigste miteinander gesprochen.

Auch er sehnt sich sich nach einer Zusammenkunft mit den Kameraden. „Wär schon mal wieder schön.“ Kessler und seine stellvertretenden Kommandanten werden „allen Feuerwehr-Mitgliedern ein kleines Weihnachtspräsent überreichen“.

Feuerwehren brauchen Gelegenheit zu Kameradschaft

Gemeinsame Zusammenkünfte außerhalb des Dienstes sind bei allen Wehren wichtige Bestandteile der Kameradschaft. In der Meersburger Wehr wird nach der Jahresübung üblicherweise der sogenannte „Sturmwachttrunk„ gefeiert. „Es ist das Highlight des Jahres“, erzählt Sebastian Kolbe, Pressesprecher der Meersburger Feuerwehr. Und in diesen Tagen wäre die alljährliche Weihnachtsfeier zusammen mit den Partnerinnen und Partnern der Feuerwehrkräfte angesetzt. Wegen der Corona-Pandemie ist alles abgesagt.

25 Kilogramm wiegt die Ausrüstung der Atemschutzträger bei den Freiwilligen Feuerwehren. Die beiden Truppmitglieder müssen im Einsatz in Feuer und Rauch sich aufeinander absolut verlassen können. Vertrauen ist hier besonders wichtig, weswegen die Kameradschaft außerhalb von Einsätzen und Proben bei den Wehren intensiv gepflegt werden. Auf diesem Foto sind Mitglieder der Feuerwehr Heiligenberg zu sehen.
25 Kilogramm wiegt die Ausrüstung der Atemschutzträger bei den Freiwilligen Feuerwehren. Die beiden Truppmitglieder müssen im Einsatz in Feuer und Rauch sich aufeinander absolut verlassen können. Vertrauen ist hier besonders wichtig, weswegen die Kameradschaft außerhalb von Einsätzen und Proben bei den Wehren intensiv gepflegt werden. Auf diesem Foto sind Mitglieder der Feuerwehr Heiligenberg zu sehen. | Bild: Mardiros Tavit

Dieses Beisammensein und die Pflege der Kameradschaft sei den Kameraden sehr wichtig, berichtet Kolbe. „Ich kenne Kameraden, die haben am Abend des Sturmwachttrunks zuhause Gulasch mit Spätzle zubereitet“, die traditionelle Speise an diesem Festabend. Schlimm sei es dieses Jahr für Kameraden, die alleine seien, keine Familie hätten. „Die Feuerwehr ist für sie eine wichtige Anlaufstelle.“ Doch habe es dieses Jahr keine Kameradschaftsabende, keine Weißwurst-Frühstücke oder Grillabende gegeben.

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Als einen kleinen Ersatz und als Geste des Dankes für ihren Einsatz, erhalten alle Meersburger Feuerwehrleute vom Kommandanten Hartmut Schucker eine von Johannes Brugger zusammengestellte Fotopräsentation und je eine Flasche Meersburger Weißherbst. Auch dies sei ein Symbol. „Unser Bürgermeister gibt nach seiner Ansprache beim Sturmwachttrunk den Befehl: Weißherbst Marsch.“

Business-Coach: „Wertschätzung ist nicht nur für die Weihnachtsfeier“

Tanja Herrmann-Hurtzig arbeitete viele Jahre in Personalabteilungen verschiedener Firmen, zuletzt als Personalleiterin, bevor sie sich als Business-Coach selbstständig machte.

Betriebs-Weihnachtsfeiern können zurzeit nicht stattfinden. Welche Funktionen haben diese Feiern?

Weihnachtsfeiern sind ein Dankeschön des Unternehmens zum Jahresende an die Mitarbeiter. Gemeinsam feiert man die Erfolge des vergangenen Jahres und lässt es zusammen ausklingen. Für viele Mitarbeiter ist dies eine wichtige Wertschätzung durch die Unternehmensleitung.

Aber der Betrieb geht dieses Jahr auch ohne Weihnachtsfeiern weiter. Heißt das, dass die Feier gestrichen und Geld gespart werden kann?

Davon rate ich ab. Das Geld sollte anders als Wertschätzung des Mitarbeiters investiert werden. Das können kleine Aktionen sein. Wichtig dabei ist, das vergangene Jahr abzuschließen und einen positiven Blick in die Zukunft aufzuzeigen. Vor allem die persönliche Ansprache ist hierbei wichtig. Wir sind alle Menschen und keine Nummern. Es gilt als Vorgesetzter, den einzelnen Mitarbeiter zu sehen und ihm persönlich zu danken. Als Chef kann man zum Beispiel einen persönlichen Satz unter die Weihnachtskarte für den jeweiligen Mitarbeiter schreiben. Eine kleine Geste, die zeigt, ich nehme mir Zeit für dich, du bist mir wichtig.

Reicht es, dass einmal im Jahr die Wertschätzung der Mitarbeiter gefeiert wird? Was ist mit den anderen elf Monaten?

Wertschätzung ist nicht nur für die Weihnachtsfeier. Wertschätzung sollte eine Führungskraft dem Mitarbeiter grundsätzlich entgegenbringen. Das fängt damit an, dass die Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen vorfinden und ein angenehmes Arbeitsklima herrscht. Das persönliche Gespräch ist ein ganz wichtiger Teil der Wertschätzung. Menschen wollen gesehen und mit Namen angesprochen werden. „Nicht geschimpft, ist schon genug gelobt“ ist schon seit vorgestern out.