Diakoniestation Friedrichshafen: Ernsthafte Probleme bei Betretungsverbot

Die berufsbezogene Impflicht hat Pflegedienstleiter Stefan Kluth von der evangelischen Diakoniestation in Friedrichshafen „viele schlaflose Nächte“ gekostet. 16 Prozent der Pflegefachkräfte sind nicht geimpft, das sind fünf von 30 Mitarbeitern. Gespräche und Impfangebote habe es genügend gegeben. In der derzeitigen Lage sei es schwierig zu argumentieren, da sich geimpfte und nicht geimpfte Menschen mit dem Coronavirus anstecken, so Kluth. Er berichtet, dass die nicht-geimpften Pflegefachkräfte empört seien, dass sie eine solche Pflicht auferlegt bekommen. Bei einer allgemeinen Impfpflicht wäre wesentlich mehr Bereitschaft zur Impfung, sagt der Pflegedienstleiter.

Stefan Kluth, Pflegedienstleiter der Diakoniestation, hatte angesichts der Impfpflicht einige schlaflose Nächte.
Stefan Kluth, Pflegedienstleiter der Diakoniestation, hatte angesichts der Impfpflicht einige schlaflose Nächte. | Bild: Gisela Keller

Bis zum Stichtag, 15. März, mussten die nicht immunisierten Mitarbeiter über ein Online-Portal erfasst und an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Dies sei sehr kompliziert und zeitaufwändig gewesen. Nun ist das Gesundheitsamt am Zug. Doch es herrscht laut Stefan Kluth Ungewissheit, wann es Rückmeldung gibt und wie weiter verfahren wird, dadurch entsteht eine große Planungsunsicherheit. „Es ist ja nicht so, dass wir Pflegefachkräfte im Überschuss haben. Wenn unsere nicht-geimpften Mitarbeiter tatsächlich ein Betretungsverbot auferlegt bekommen, haben wir ein ernsthaftes Problem, die Versorgung unserer pflegebedürftigen Kunden aufrecht zu erhalten.“

Sozialstation Bodensee: Keine Aufnahme mehr von Neukunden

Die Versorgung der Bestandspatienten ist für alle Einrichtungen der Sozialstation Bodensee gesichert, wobei einzelne Standorte temporär Unterstützung durch Fachkräfte von anderen Stationen benötigen, wie Geschäftsführer Wolfgang Jauch mitteilt. Mit Ausnahme von Palliativversorgungen werde die Sozialstation allerdings keine Neukunden mehr aufnehmen und keine zusätzlichen Leistungen bei den Bestandskunden mehr übernehmen können. „Wir können die Sicherstellung einer Versorgung aktuell nicht garantieren, da wir jederzeit mit Betretungsverboten rechnen müssen. Was zur Folge einen Versorgungsengpass nach sich ziehen würde“, so Jauch. Aktuell seien rund zehn Prozent aller Mitarbeiter nicht geimpft, wobei sich auch einige aktuell noch im Genesenen-Status befinden.

Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation Bodensee, berichtet, dass auch mit die Einführung der Impfpflicht ...
Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation Bodensee, berichtet, dass auch mit die Einführung der Impfpflicht „Impfverweigerer“ nicht überzeugt werden konnten. | Bild: Sportkreis Bodensee/Gunthild Schulte-Hoppe

Auch durch die Einführung der Impfpflicht konnten Impfverweigerer nicht erreicht beziehungsweise überzeugt werden. Die meisten Mitarbeiter warten laut Wolfgang Jauch die Maßnahmen ab, die durch die Einführung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht folgen werden. Seit Verbreitung der Omikron-Variante, bei der die Mitarbeiter ungeachtet ihres Impfstatus gleichermaßen erkranken, ist Wolfgang Jauch der Auffassung, dass eine Impfung ohne spürbare Wirkung des Impfstoffes nicht vermittelbar sei. Insbesondere wenn es darum gehe, dass auf dieser Basis verdiente, zum Teil langjährige Mitarbeiter ohne Impfschutz in absehbarer Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Helios-Spital Überlingen: Keine Einschränkungen im Betrieb

„Die übergroße Mehrheit unseres Personals ist immunisiert“, teilt Leonie Schweighardt von der Unternehmenskommunikation für das Helios-Spital in Überlingen mit. Die Impfbereitschaft sei bereits vor Bekanntwerden der einrichtungsbezogenen Impfpflicht hoch gewesen. Das Helios-Spital verfüge über eine gute, stabile Personalausstattung.

Mögliche Ausfälle durch ein Verhängen von Tätigkeitsverboten gegenüber nicht geimpften beziehungsweise genesenen Mitarbeitern durch das Gesundheitsamt könne man abfangen und kompensieren – so, wie dies auch bei geplanten oder unplanbaren Abwesenheitszeiten durch Urlaub, Fortbildungen oder Krankheit getan werde. „Wir werden den Klinikbetrieb uneingeschränkt fortführen können“, so Schweighardt.

Das Helios-Spital in Überlingen kann mögliche Ausfälle durch ein Verhängen von Tätigkeitsverboten gegenüber nicht geimpften ...
Das Helios-Spital in Überlingen kann mögliche Ausfälle durch ein Verhängen von Tätigkeitsverboten gegenüber nicht geimpften beziehungsweise genesenen Mitarbeitern abfangen. | Bild: Hilser, Stefan
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Den Beschäftigten des Helios-Spitals werden weiterhin Impfangebote unterbreitet. „Wir engagieren uns nach Kräften, um Vorbehalten und Ängsten vor der Impfung mit Aufklärungen, Informationen, persönlichen Arzt-Mitarbeiter-Gesprächen zu begegnen. Daran halten wir fest, denn für eine Impfung ist es nie zu spät“, sagt Leonie Schweighardt. Das Impfangebot mit dem Novavax-Impfstoff hätten einige Mitarbeiter bereits angenommen.

Pflegeheim St. Franziskus Markdorf: Impflicht wird als ungerecht empfunden

Zum Stichtag sind im Pflegheim St. Franziskus alle Mitarbeiter geimpft beziehungsweise genesen. „90 Prozent sind vollständig geimpft beziehungsweise geimpft und genesen. Die restlichen Mitarbeiter sind nur genesen“, teilt Spitalverwalter Ralf Scharbach mit. Kündigung habe es aufgrund der Impfpflicht keine gegeben, einige Mitarbeiter hätten sich nach Ankündigung der einrichtungsbezogenen Impflicht zu einer Impfung entschieden.

Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf, geht davon aus, dass der eh schon knappe Arbeitsmarkt durch die ...
Ralf Scharbach, Geschäftsführer des Spitalfonds Markdorf, geht davon aus, dass der eh schon knappe Arbeitsmarkt durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht noch mehr verknappt wird. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, so Ralf Scharbach, werde die Omikron-Welle alleine nicht bewältigt werden können. „Es muss aber vorausschauend auf den nächsten Herbst geachtet werden“, sagt er. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht wird von vielen Beschäftigten im Gesundheitswesen als ungerecht empfunden, zumal die vulnerablen Gruppen keiner Impfpflicht unterliegen. Eine allgemeine Impfpflicht würde laut Schabach auch die Akzeptanz der Impfpflicht bei den Mitarbeitern im Gesundheitswesen erhöhen. Dieser Meinung sind auch die Pflegefachkräfte Nathalie Herr und Uwe Walter. „Entweder alle oder keine“, sagt Walter. Nathalie Herr findet, dass jeder selbst entscheiden sollte, ob er sich impfen lässt oder nicht. „Es geht vor allem um das Wohl der Bewohner“, sagt Herr.

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Stiftung Liebenau: Personalsituation bei Überprüfung berücksichtigen

Die Situation bei der Stiftung Liebenau ist seit Wochen angespannt – auf Ebene der Mitarbeiter, ebenso auf Leitungsebene. Die berufsbezogene Impfpflicht sei bei vielen Gespräch unter Mitarbeitenden ein wichtiges Thema, teilt Susanne Droste-Gräff von der Pressestelle mit. Die Impfquote sei im Gesamtdurchschnitt „erfreulicherweise hoch“ und liegt um die 90 Prozent. Auch mit Einführung des neuen Impfstoffes Novavax habe sich die Impfbereitschaft nicht verändert. Es gab auch vereinzelte Kündigungen, wie Droste-Gräff berichtet.

Bei der Stiftung Liebenau, hier ein Bild aus dem Haus der Pflege St. Iris in Eriskirch, sind rund 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft.
Bei der Stiftung Liebenau, hier ein Bild aus dem Haus der Pflege St. Iris in Eriskirch, sind rund 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft. | Bild: Felix Kaestle

Die Stiftung Liebenau appelliert an die Gesundheitsämter und auch an die Politik, dass bei den Prüfungsverfahren die Personalsituation in den einzelnen Häusern vor Ort berücksichtigt wird. „Der ohnehin schon dünnen Personaldecke in Pflege und Betreuung ist das nicht zuträglich“, so Droste-Gräff. Noch fehle ein klares Bild von den Konsequenzen. „Wir wissen nicht, wie die Gesundheitsämter im Einzelfall entscheiden werden. Was uns aktuell besonders trifft, sind hingegen hohe Ausfallquoten durch Corona-Infektionen und Quarantänevorschriften“, so die Sprecherin.