Die Zahl der Corona-Infizierten steigt seit Tagen an. Am Donnerstag vermeldete das Landratsamt 110 neue Infektionsfälle, die 7-Tages-Inzidenz liegt im Bodenseekreis bei 130,88. Ein Grund für diesen Anstieg ist auch ein Ausbruch innerhalb der Klinik Tettnang, der Anfang vergangener Woche bekannt wurde. Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten dort auf 108 angestiegen. 78 Mitarbeiter wurden mittlerweile positiv getestet, 30 der 37 verbliebenen Patienten in Tettnang haben sich ebenfalls angesteckt. Das bestätigte Susann Ganzert, Pressesprecherin des Medizin Campus Bodensee (MCB), zu dem die Klinik Tettnang gehört.

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Mindestens drei Infektionsherde in Tettnang

Zwei weitere angesteckte Patienten aus Tettnang sind verstorben. „Klar ist mittlerweile, dass es mindestens drei Infektionsherde gab“, so Ganzert. Zwei Patienten und ein Mitarbeiter schleppten nach derzeitigen Erkenntnissen das Virus in das Krankenhaus – trotz einer Maskenpflicht im ganzen Haus. Warum sich so viele weitere Menschen anstecken konnten, werde laut Ganzert derzeit untersucht. „Wir arbeiten in dieser Frage eng mit dem Gesundheitsamt zusammen. Aber auch unser hausinternes Hygieneteam versucht, die Kontakte der Erkrankten nachzuvollziehen“, erklärt sie. Abschließende Ergebnisse gebe es allerdings noch nicht.

Maskenpflicht in der Klinik wird verschärft

Unklar ist nun, ob die Klinik Tettnang wie geplant am 21. Dezember wieder den normalen Betrieb aufnehmen kann. „Das werden wir in den nächsten Tagen entscheiden“, erklärt die Pressesprecherin. Am Sonntag sollen ihren Angaben zufolge noch einmal alle Patienten auf das Coronavirus getestet werden. Zudem gilt seit heute im ganzen Haus die Pflicht, eine FFP-2-Maske zu tragen. „Besucher können diese gegen ein kleines Entgelt bei uns erwerben“, sagt Ganzert.

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Auch am Klinikum Friedrichshafen verschärft sich die Lage zusehends.
Auch am Klinikum Friedrichshafen verschärft sich die Lage zusehends. | Bild: Mommsen, Kerstin

25 Corona-Patienten werden im Klinikum Friedrichshafen behandelt

Auch am Klinikum Friedrichshafen verschärft sich die Lage zusehends. Auf den beiden Corona-Stationen werden insgesamt 25 Patienten versorgt. „Zwei davon müssen invasiv beatmet werden, vier nicht-invasiv“, erklärt die Pressesprecherin auf Nachfrage dieser Zeitung. Unklar sei, ob in den nächsten Tagen noch Corona-Patienten aus Tettnang nach Friedrichshafen verlegt werden müssten.

Aufnahmen aus der Intensivstation des Medizin Campus Bodensee.
Aufnahmen aus der Intensivstation des Medizin Campus Bodensee. | Bild: CHRIS WERNER

Nur noch wenige freie Intensivbetten im Bodenseekreis

Klar ist aber auch, dass die beiden „normalen“ Intensivstationen, die für Nicht-Corona-Infizierte vorgesehen sind, sehr voll sind. Nach Angaben des Intensivregisters Divi sind derzeit im gesamten Bodenseekreis noch drei Intensivbetten frei, in Ravensburg sind es 14, in Sigmaringen vier. „Wir können noch weitere Corona-Patienten auf unseren Corona-Stationen versorgen“, erklärt Ganzert. Sollten die Kapazitäten nicht mehr ausreichen, gibt es Kooperationen mit den Kliniken in Sigmaringen und Ravensburg.

Die Zentrale Notaufnahme des Klinikums Friedrichshafen hat viel mehr Patienten als üblich, auch weil die Tettnanger Notaufnahme geschlossen ist.
Die Zentrale Notaufnahme des Klinikums Friedrichshafen hat viel mehr Patienten als üblich, auch weil die Tettnanger Notaufnahme geschlossen ist. | Bild: MCB/Klinikum Friedrichshafen
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MCB erwartet einen Höhepunkt an den Feiertagen

Angesichts der steigenden Infektionszahlen im Bodenseekreis geht der MCB davon aus, dass die Anzahl der stationären Corona-Patienten weiter steigen wird. „Wir erwarten den Höhepunkt an den Feiertagen“, erklärt Susann Ganzert. Alle planbaren Eingriffe und Operationen, die nicht unbedingt nötig sind, wurden mittlerweile verschoben. „Wir brauchen jetzt unsere ganze Kraft, um die aktuelle Lage zu schaffen“, so Ganzert. Denn auch die Notaufnahme in Friedrichshafen erlebt wegen der Schließung der Klinik Tettnang in diesen einen wahren Ansturm. Ärzte und Pflegekräfte werden also auch in den nächsten Wochen nicht zur Ruhe kommen können.

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