Auf dem Weg ins Restaurant noch schnell ins Corona-Testzentrum für einen Abstrich? Seit Juli ist das nur noch unter bestimmten Umständen kostenlos möglich – oder gegen Bezahlung von mindestens drei Euro. Denn die kostenlosen Bürgertests sind am 30. Juni ausgelaufen. Anspruch auf kostenlose Tests haben nur noch bestimmte Gruppen, unter anderem Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und Besucher von Krankenhäusern. Wer sich anlasslos testen lassen will, zahlt sogar den gesamten Preis selbst. Zudem erstattet der Bund den Teststellen nur noch 9,50 Euro anstatt 11,50 Euro pro Test.

Beide Maßnahmen waren zum Teil stark kritisiert worden – unter anderem von Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), da die Bürgertests so nicht mehr abzurechnen seien. Kommunale Spitzenverbände wie der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatten das Ende der kostenlosen Tests ebenfalls kritisiert, da so ein erstes Frühwarnsystem wegfalle. Doch wie sehen es die Verantwortlichen im Bodenseekreis?

Bleiben jetzt mehr Fälle unentdeckt?

Germar Büngener, Vorsitzender der Kreisärzteschaft im Bodenseekreis, geht davon aus, dass sich nun weniger Menschen lassen. Die Folge: „Ich vermute, dass durch eine insgesamt geringere Anzahl an durchgeführten Test auch eine geringere Zahl an erkannten Patienten resultieren wird, was die Dunkelziffer erhöhen wird und damit der Ausbreitung größeren Raum verschafft“, erklärt er. Er vermutet daher, dass sich dadurch wieder mehr Menschen infizieren werden.

Germar Büngener, Vorsitzender der Kreisärzteschaft im Bodenseekreis, in seiner Praxis in Friedrichshafen.
Germar Büngener, Vorsitzender der Kreisärzteschaft im Bodenseekreis, in seiner Praxis in Friedrichshafen. | Bild: Mario Wössner

Andreas Kirsner, der eine Hausarztpraxis in Oberteuringen betreibt, fürchtet hingegen keine negativen Folgen. „Meiner Wahrnehmung nach wurde der Schnelltest in der Bevölkerung zuletzt vor allem als Freitestung aus der Quarantäne oder bei einem anstehenden Besuch in Kliniken und Pflegeheimen nachgefragt und genutzt“, erklärt er. Und dafür bleibe der Test weiterhin kostenfrei. Dass man beispielsweise für Schnelltests für freiwillige Besuche von Veranstaltungen in Innenräumen künftig drei Euro selbst zahlen muss, anstatt sie aus Steuergeldern zu finanzieren, findet er richtig.

Als „insgesamt zeitlich nicht machbar“ bezeichnet Hausarzt Andreas Kirsner aus Oberteuringen den bürokratischen Mehraufwand ...
Als „insgesamt zeitlich nicht machbar“ bezeichnet Hausarzt Andreas Kirsner aus Oberteuringen den bürokratischen Mehraufwand durch die neue Verordnung. (Archivbild) | Bild: Sonja Ruess

Kritik an bürokratischem Mehraufwand

Kritisch sieht Kirsner etwas anderes. Es lohne sich für Praxen seit dem 1. Juli nicht mehr, Schnelltests anzubieten, da die Vergütung um zwei Euro gesenkt worden und der bürokratische Aufwand gestiegen sei – wegen der Nachweispflicht gegenüber Kostenstellen wie der Kassenärztlichen Vereinigung. Zudem müssten nun eine Barkasse und Kasseneingangsprotokolle geführt sowie Wechselgeld bereitgehalten werden. „Insgesamt zeitlich nicht machbar“, sagt er. Allerdings seien für die Tests bei asymptomatischen Personen ohnehin eher die Testzentren zuständig.

Eine solche Station betreibt Martina Wabro beim Fähranleger in Meersburg. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagt sie über die Entscheidung der Politik. Und zwar aus mehreren Gründen. Für Betreiber wie sie sei die Situation unklar und bedeute viel Mehraufwand – ebenso für die Getesteten. Denn wer sich gratis oder für drei Euro testen lassen will, muss einen Nachweis bringen. Zum Beispiel eine Kinokarte als Beleg, den positiven Test eines Angehörigen oder ein ausgefülltes Formular über den Besuch im Krankenhaus mit dessen Stempel.

„Ich denke, das ist kontraproduktiv, da viele Positive so gar nicht mehr erfasst werden“, sagt Martina Wabro, die eine ...
„Ich denke, das ist kontraproduktiv, da viele Positive so gar nicht mehr erfasst werden“, sagt Martina Wabro, die eine Teststelle in Meersburg betreibt, über die neue Verordnung. | Bild: Arndt, Isabelle

Wabros Mitarbeiter müssen alles kontrollieren, teilweise sogar Belege für die Abrechnung der Tests aufheben. Sie seien verunsichert, ob sie alles richtig machen. „Und die Leute nehmen es sehr unterschiedlich auf, wenn sie verschieden behandelt werden. Manche reagieren sehr verärgert“, berichtet sie. Wer zum Beispiel nur einen positiven Schnelltest von zuhause hat, muss trotzdem drei Euro bezahlen. „Manche drehen daher einfach um und gehen wieder. Ich denke, das ist kontraproduktiv, da viele Positive so gar nicht mehr erfasst werden“, befürchtet Martina Wabro.

Schließen weitere Teststellen im Kreis?

Ihre Station will sie zunächst trotz allem weiterbetreiben – mindestens bis Anfang August. Dann kann sie die Tests von Juli abrechnen, vermutlich bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg. Deren Sprecher Kai Sonntag begrüßt das Ende der kostenlosen Tests grundsätzlich. „Aber die jetzige Regelung ist für die Umsetzung in der Praxis nicht geeignet.“ Problem sei die Abrechnung der einzelnen Tests. Bis zum 15. Juli wolle die KV jedoch detaillierte Vorgaben zu Abrechnung und Dokumentation bekannt geben. Je nach Aufwand bei der Belegpflicht, will Martina Wabro dann entscheiden, wie es mit ihrer Teststelle weitergeht. Andere Stationen in der Umgebung hätten hingegen bereits geschlossen.

Anzahl der Tests ging schon vor Juli zurück

Lars Gäbler, Pressesprecher des Landratsamtes, sagt dazu: „Es ist daher durchaus denkbar, dass weitere Teststellen schließen.“ Denn der Betrieb der Teststellen in der Region hänge auch von der Bereitschaft der Bevölkerung, sich kostenpflichtig testen zu lassen, ab.

„Es ist durchaus denkbar, dass weitere Teststellen schließen“, sagt Lars Gäbler, Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis.
„Es ist durchaus denkbar, dass weitere Teststellen schließen“, sagt Lars Gäbler, Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis. | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Doch auch bereits vor Ende der kostenlosen Abstriche für jedermann sei die Anzahl der Tests im Kreis zurückgegangen. Im Mai seien es rund 47.000 gewesen – rund Dreiviertel weniger als noch zu Jahresbeginn. Am 10. August würden die Zahlen für den Juli vorliegen, dann könne man sehen, wie sich die neue Testverordnung tatsächlich auswirkt.

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