Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland sinkt weiter. Auch im Bodenseekreis ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Erreichte die Inzidenz Ende November einen Höchstwert von 876,5, liegt sie inzwischen (Stand 15. Dezember) bei 374,9. Deutet das auf eine Trendwende in der vierten Corona-Welle hin?

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht eine allmähliche Stabilisierung der Lage in der Corona-Pandemie. „Der Rückgang der Fallzahlen ist echt“, schrieb er am Montag auf Twitter. Dieser Trend dürfe durch Weihnachten nicht gefährdet werden. Da die Fallzahlen weiterhin viel zu hoch seien, müsse die Boosterkampagne verstärkt werden.

Wie schätzt man vor Ort die Lage ein?

„Wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann dass wir verlässlich nur mit Momentaufnahmen arbeiten können. Prognosen über manifeste Entwicklung wären Spekulation“, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Bei den Fallzahlen sei immer auch zu berücksichtigen, „dass die Zahl der gemeldeten Infektionsfälle auch von der Testdichte abhängt und es sich immer nur um einen Ausschnitt der Wirklichkeit handelt“.

Wie lässt sich der Rückgang erklären?

„Hierfür können wir keine belastbare Erklärung anbieten“, erklärt das Gesundheitsamt im Bodenseekreis. Die Annahme wäre plausibel, dass die verschärften Beschränkungen der Corona-Verordnung und ein erhöhtes individuelles Schutzverhalten sowie der verbesserte Impfstatus in der Gesamtbevölkerung durch Boosterimpfungen sowie nachgeholte Grundimmunisierungen eine Rolle spielen. „Systematisch erfasste und analysierte Daten, um dies zu belegen, haben wir nicht“, betont Kreissprecher Robert Schwarz.

Robert Schwarz, Kreissprecher
Robert Schwarz, Kreissprecher | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Bei den deutschlandweiten Fallzahlen hatten Experten zuletzt auch von einer merklichen Untererfassung gesprochen. Gesundheitsämter und Krankenhäuser würden bei der Meldung von Fällen teilweise nicht mehr hinterherkommen, so die Aussage. Robert Schwarz sagt dazu: „Hierauf haben wir bei uns keine Hinweise. Positive Infektionsbefunde bekommen wir von den Laboren gemeldet. Einen Analyse- und Erfassungsausfall gibt es in unserem Bereich nicht.“

Was erwarten das Landratsamt mit Blick auf die Feiertage?

„Die Feiertage sind aus drei Gründen von Bedeutung“, erläutert Robert Schwarz. Menschen besuchen sich gegenseitig und halten sich länger Zeit gemeinsam in geschlossenen Räumen auf. „Weil es sich in der Regel um nahestehende Menschen handelt, ist das persönliche Schutzverhalten bei diesen Begegnungen meist deutlich geringer als im sonstigen Alltag“ sagt der Kreissprecher.

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Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus übertragen werde, sei also recht hoch. Diese neuen Fälle würden erst mit einigen Tagen Verzögerung auffällig. Hinzu kommt: „Während solcher Feiertage und der Urlaubszeit zwischen den Jahren suchen die Menschen erfahrungsgemäß weniger häufig die ärztlichen Praxen auf und es wird seltener getestet. Somit werden wir unmittelbar in dieser Zeit weniger Fälle gemeldet bekommen als üblich. Jedoch werden viele davon dann mit Verzögerung diagnostiziert, gemeinsam mit den neuen ‚Feiertags-Fällen‘.“

Es wäre also nicht überraschend, wenn die Zahl der Fallmeldungen ab dem Jahreswechsel und einige Tage danach wieder spürbar anstiege, so die Einschätzung des Landratsamts. Allerdings habe sich die Fallzahlenentwicklung oft schon als unberechenbar erwiesen.

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„Die genannten Effekte fallen in eine Phase, die möglicherweise kritisch ist für die Frage, ob Omikron gegenüber den anderen Varianten durchsetzungsfähig ist. Wenn das der Fall ist und wie angenommen damit die Infektiosität steigt, kommt es darauf an, welche Erkrankungslast die neue Variante mit sich bringt – also, ob mit einer starken Verbreitung auch die Fälle mit schweren Verläufen zunehmen.“ Hier könne man auf noch keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen.