Seit drei Wochen werden beim Stuckateurbetrieb Bechinger in Markdorf die Mitarbeiter regelmäßig auf Corona getestet. „Das ist kein Hexenwerk“, sagt Manuela Bechinger, die als gelernte Arzthelferin die Tests abnimmt. Wichtig sei ihr, die Testungen unkompliziert in den Arbeitsalltag zu integrieren, sodass die Mitarbeiter keine zusätzlichen Termine ausmachen müssen. Inzwischen seien die sechs Mitarbeiter froh, dass die Tests gemacht werden. „Ein negatives Ergebnis gibt ein befreiendes Gefühl.“

Hände desinfizieren gehört dazu: Mitarbeiter Bekim Kryeziu und Manuela Bechinger sind sich über die Wichtigkeit der regelmäßigen Corona-Tests bewusst.
Hände desinfizieren gehört dazu: Mitarbeiter Bekim Kryeziu und Manuela Bechinger sind sich über die Wichtigkeit der regelmäßigen Corona-Tests bewusst. | Bild: Bechinger GmbH

Immerhin seien die Handwerker seit Beginn der Pandemie ständig an der Front. „Wir müssen zu den Kunden, egal ob wir wollen oder nicht“, betont Bechinger. Wie Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis, ist sie der Meinung, dass das Handwerk systemrelevant ist und somit eine priorisierte Impfung die logische Konsequenz wäre. Was die Kosten der Schnelltests anbelangt, sagt Bechinger, dass sie – ebenso wie andere Betriebe – in Vorleistung gehe. „Es ist notwendig, also machen wir es.“

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Kreishandwerkerschaft setzt auf Selbsttests

Die Bereitschaft, sich freiwillig testen zu lassen, schätzt der Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführer als sehr hoch ein. „Die Mitarbeiter wollen sich selbst, ihre Familien und ihren Betrieb schützen“, sagt Wolfgang Künze. Er bemängelt allerdings, dass die Handwerksbetriebe sich vollkommen selbst überlassen und ein Stück weit hilflos seien. „Viele haben bei uns angerufen und sich nach Tests erkundigt“, schildert er. Für Schnelltests brauche es eingewiesenes Personal. Das heißt, für 30 Mitarbeiter müssten drei bis vier Personen zu diesem Zweck abgestellt werden. „Jetzt setzen wir auf Selbsttests“, so Künze.

Für Künze ist das Handwerk ganz klar systemrelevant. Deshalb sei es nur gerechtfertigt, Handwerker bei der Impfung ebenso wie Lehrer, Erzieher und Pflegekräfte zu priorisieren. Auch die aktuelle Finanzierung der Tests ist dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft ein Dorn im Auge.

„Die Betriebe auf den Kosten für die Test sitzen zu lassen, geht gar nicht“, sagt Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis.
„Die Betriebe auf den Kosten für die Test sitzen zu lassen, geht gar nicht“, sagt Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis. | Bild: Claudia Wörner

Handwerkskammer: Verantwortung wird auf Betriebe abgewälzt

Das jetzt beschlossene verpflichtende Testangebot belaste die Handwerksbetriebe zusätzlich in einer für sie ohnehin schwierigen Lage, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. „Der Beschluss ist lediglich der Versuch, die beim Staat liegende Verantwortung für die Pandemiebekämpfung auf die Wirtschaft zu verlagern und die Verantwortung auf die Betriebe abzuwälzen.“ Dazu zählt Mehlich auch die Beschaffung von Tests in ausreichender Menge. Dabei sei es Aufgabe des Staates, alles für den Gesundheits- und Infektionsschutz der Bevölkerung zu tun und auch die entstehenden Kosten dafür zu übernehmen.

Insbesondere Monteure sind offen für Tests

Daniela Hörmann vom Team Hörmann Gebäudetechnik und Energiesysteme in Friedrichshafen ist der Meinung, dass regelmäßige Corona-Tests für mehr Sicherheit sorgen. „Ich weiß, dass ich aktuell niemanden anstecken kann, sei es während der Fahrt mit Kollegen in einem Auto oder auf der Baustelle“, beschreibt Hörmann.

Seit zwei Monteure und ein Auszubildender erkrankt gewesen seien, gehe man noch sensibler mit dem Thema um. „Letztendlich sind die Tests zwar freiwillig, aber die Mitarbeiter und insbesondere unsere Monteure sind offen und nutzen sie gern“, sagt Hörmann. Bereits seit drei Wochen erfolgen die Selbsttests bei der Firma Hörmann am Montagvormittag sowie bei Bedarf auch bei einem „ungutem Gefühl“.

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Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeiterinnen und Kunden

Absolut hinter den Corona-Tests steht auch Annette Beine, Obermeisterin der Frisörinnung im Bodenseekreis. Schon vor der Testpflicht seien sie und ihre Mitarbeiterinnen auf Nummer sicher gegangen.

„Ich habe eine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Mitarbeiterinnen und meinen Kunden“, betont Annette Beine, Obermeisterin der Friseurinnung im Bodenseekreis, die sich hier gerade selbst testet.
„Ich habe eine Fürsorgepflicht gegenüber meinen Mitarbeiterinnen und meinen Kunden“, betont Annette Beine, Obermeisterin der Friseurinnung im Bodenseekreis, die sich hier gerade selbst testet. | Bild: Anna für Haare

Montags nutzen sie Beine zufolge das kommunale Testangebot in Eriskirch. „Am Donnerstag machen wir einen weiteren Selbsttest im Betrieb“, erklärt die Innungsobermeisterin, der es bereits vor der Testpflicht wichtig war, auch andere Frisörbetriebe für das Thema zu motivieren. Stark machen möchte sie sich ebenfalls für eine priorisierte Impfung der Beschäftigten im Handwerk.