Die Entscheidung fiel in Stuttgart erst vor wenigen Tagen, nun dürfen Baumärkte in Baden-Württemberg wieder öffnen. Die Regale, sagt Uwe Beck, der Leiter des Obi-Marktes in Überlingen, seien bis an den Rand gefüllt. Import- und Saisonware sei vor einem halben Jahr schon bestellt worden, hätte sich gar nicht mehr stoppen lassen. Er sei also vorbereitet. Da die Entscheidung allerdings erst vergangene Woche fiel, habe bei ihm und seiner Belegschaft „ein Wechselbad der Gefühle“ vorgeherrscht. Nun freue er sich. Auch bei seinen Mitarbeitern sei Aufbruchstimmung erkennbar.

1,5 Millionen Euro Umsatzverlust

„Wir sind gottfroh, dass wir endlich wieder loslegen können“, sagt auch Josef Schneider, Geschäftsführer des gleichnamigen Baumarktes in Markdorf. Er hoffe, dass er einen Teil seines Umsatzrückgangs aus dem Lockdown der vergangenen drei Monate wieder aufholen kann. Rund 1,5 Millionen Euro Umsatzrückgang, so Schneider, habe er zu verkraften.

Uwe Beck, Marktleiter: „Es ist nicht ungeschickt, wenn sich die Leute im eigenen Garten verwirklichen können und sich in ihrer Freizeit nicht alle am See drängeln.“
Uwe Beck, Marktleiter: „Es ist nicht ungeschickt, wenn sich die Leute im eigenen Garten verwirklichen können und sich in ihrer Freizeit nicht alle am See drängeln.“ | Bild: Cian Hartung

Josef Schneider und Uwe Beck gehen davon aus, dass die Baumärkte jetzt als „systemrelevant“ gelten, dass sie den Lebensmittelmärkten also gleichgestellt werden und unabhängig von den Inzidenzen offen bleiben. Ihre Märkte seien, sagen Beck und Schneider übereinstimmend, wichtig für die Psyche der Menschen. Schneider: „Man kann die Leute nicht ewig einsperren, man muss sie wenigstens etwas schaffen lassen.“ Beck: „Es ist nicht ungeschickt, wenn sich die Leute im eigenen Garten verwirklichen können und sich in ihrer Freizeit nicht alle am See drängeln.“

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Antonia Kurz und Laura Fehling besuchten am ersten Tag nach dem Lockdown, am Montag, den Obi-Markt. Darauf angesprochen, was die Marktleiter zur tieferen Wirkung eines Einkaufsbummels sagten, meinte Fehling scherzhaft: „Das glaube ich auch. Mal sehen, wie‘s uns geht, wenn wir hier raus gehen.“

Click und Collect: So unterschiedlich sind die Erfahrungen

Wie viele Kunden gleichzeitig im Baumarkt?

Wie viele Personen in den Markt dürfen, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Laut Josef Schneider müssen in Märkten ab 800 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Kunde 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Laut Beck ist für die Baumärkte die maximale Kundenzahl noch nicht festgelegt, das sei bislang „ein ungeschriebenes Gesetz“. Sicherheitshalber habe er aber einen Mitarbeiter an der Türe postiert, der die Kunden zählt und ihm bei 100 ein Signal gibt. „Und dann“, so Beck, „schaue ich mir das Geschehen im Markt an, sodass die Abstände jederzeit eingehalten werden können“.

Josef Schneider, Geschäftsführer: „Man kann die Leute nicht ewig einsperren, man muss sie wenigstens etwas schaffen lassen.“
Josef Schneider, Geschäftsführer: „Man kann die Leute nicht ewig einsperren, man muss sie wenigstens etwas schaffen lassen.“ | Bild: Schneider

So eng wie in manchen Discountern, die in den vergangenen Monaten vom Verkauf ihrer Hartware profitierten, ist Beck sich sicher, werde es auf den 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche im Obi jedenfalls nicht werden. Auch Josef Schneider, der noch einen Stahlhandel betreibt und gesamt auf rund 12 000 Quadratmeter kommt, ist überzeugt davon, dass die maximale Kundenzahl nie erreicht werden wird.