Frisches Obst und Gemüse, selbstgemachtes Brot oder einen Wein von Direktvermarktern aus der Region bequem mit dem Smartphone von zu Hause aus bestellen: Das bietet die App „Marktfee.app“ für regionale Produkte von kleineren Lebensmittelhändlern.

Anbieter aus der Region unterstützen

Besonders in der Corona-Zeit soll die Anwendung für Mobilgeräte helfen, Lebensmittelhändler und Erzeuger aus der Region zu unterstützen, indem sie ihre Produkte unkompliziert digitalisieren können. Zudem soll die App dazu beitragen, die regionale Versorgungsstruktur sicherzustellen.

Bei Knoll‘s Obstbau und Brennerei in Überlingen-Lippertsreute und in der Hofkäserei Heggelbach kann in der Marktfee.app online eingekauft werden. Allerdings nutzen nur wenige diese Möglichkeit. Daher möchte Stephan Ryffel, Inhaber der Käserei, sein Angebot bald löschen.
Bei Knoll‘s Obstbau und Brennerei in Überlingen-Lippertsreute und in der Hofkäserei Heggelbach kann in der Marktfee.app online eingekauft werden. Allerdings nutzen nur wenige diese Möglichkeit. Daher möchte Stephan Ryffel, Inhaber der Käserei, sein Angebot bald löschen. | Bild: Michael Baldenhofer

Noch nicht viele Betriebe registriert

Mehr als 300 landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg sind bereits registriert. Im Landkreis Konstanz und dem Bodenseekreis sind es bisher sieben. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Direktvermarkter, Bäcker oder Metzgereien daran beteiligen“, sagt Michael Baldenhofer, Geschäftsführer und Regionalmanager des Vereins Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee (ILE Bodensee). Dieser unterstützt zusammen mit der Bio-Musterregion Bodensee das neue Vermarktungsportal.

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So funktioniert die Bestellung

Das Prinzip ist einfach. Die Anbieter registrieren sich und laden ihr Sortiment in der App hoch. Anschließend sind diese für den Nutzer einsehbar und können in den virtuellen Warenkorb gelegt werden. Die ausgewählten Lebensmittel werden vom Erzeuger zusammengestellt und vom Kunde vor Ort abgeholt. Alternativ können die Produkte auch geliefert werden. Eine weitere Option: Direkt in der App bargeldlos über ein Online-Bezahlsystem bezahlen.

Ein Vorteil für den Verbraucher ist, dass beispielsweise Risikopatienten für den Einkauf nicht in den Laden gehen müssen. Oder jemand bestellt in der App und kann beispielsweise Nachbarn, Freude oder Familienangehörige beauftragen, mit einem Bestellcode die Ware abzuholen.

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Bisher geringe Nachfrage

Von der Einkaufsmöglichkeit mit der App hat bei Knolls Obstbau und Brennerei im Überlinger Teilort Lippertsreute allerdings noch keiner Gebrauch gemacht. Der Betrieb bietet in seinem Online-Sortiment unter anderem Obst, Edelbrände, Speiseöle aus eigener Herstellung und Apfelchips an. „Im Moment haben wir noch keine Nachfrage, da die App noch nicht wirklich beworben wurde. Deswegen haben wir noch keine Erfahrung damit“, berichtet der gleichnahmige Inhaber Joachim Knoll.

Das Ehepaar Knoll hat ihre Edelbrände wie „Knoll‘s Sauerkirsch“ oder „Knoll‘s Golden Delicious“ in ihrem Sortiment in der App aufgeführt.
Das Ehepaar Knoll hat ihre Edelbrände wie „Knoll‘s Sauerkirsch“ oder „Knoll‘s Golden Delicious“ in ihrem Sortiment in der App aufgeführt. | Bild: Jan Ganschow

Der Regionalmanager von ILE Bodensee, Michael Baldenhofer, hat eine Erklärung dafür. Er habe zwar mit Rainer Grimminger von der Bio-Musterregion Bodensee einen Aufruf an mehr als über 500 mögliche Interessenten wie Direktvermarkter, den Verein Bodenseebauer, Mitglieder von Gutes vom See, Bäcker, Metzger und deren Innungen, Handwerkskammern und die Gemeinden geschickt, aber erst ab 15 bis 20 teilnehmenden Betrieben werden die Verbraucher über die Nutzung der App informiert.

Michael Baldenhofer, Geschäftsführer des Vereins Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee, sagt: „Da sich bisher allerdings nur sieben Betriebe registriert haben, wurde noch keine Werbung dafür gemacht. „Wenn ein Verbraucher sie herunterlädt und feststellt, dass das Angebot nicht zufriedenstellend ist, wird sie gleich wieder deinstalliert.“
Michael Baldenhofer, Geschäftsführer des Vereins Integrierte Ländliche Entwicklung Bodensee, sagt: „Da sich bisher allerdings nur sieben Betriebe registriert haben, wurde noch keine Werbung dafür gemacht. „Wenn ein Verbraucher sie herunterlädt und feststellt, dass das Angebot nicht zufriedenstellend ist, wird sie gleich wieder deinstalliert.“ | Bild: Hfr

Einfache Einrichtung des digitalen Sortiments

Die Anwendung befindet sich also noch im Aufbau. Mit der Einrichtung des Produktsortiments hat auch die Spitalkellerei Konstanz begonnen.

Die Spitalkellerei Konstanz ist bereits in der Marktfee.app registriert.
Die Spitalkellerei Konstanz ist bereits in der Marktfee.app registriert. | Bild: Scherrer, Aurelia

Diese sei aber noch nicht abgeschlossen, sagt Wolfgang Schäfer, Angestellter. Bereits verfügbar sind Rosé- und Rotweine sowie Weißweine und Sekt vom Bodensee. Die App biete Betrieben eine gute Möglichkeit, die Produkte zu digitalisieren, da sie übersichtlich und leicht zu bedienen sei, erzählt Schäfer.

Blick auf den Weinberg „Konstanzer Sonnenhalde“ der Spitalkellerei Konstanz.
Blick auf den Weinberg „Konstanzer Sonnenhalde“ der Spitalkellerei Konstanz. | Bild: Lukas Ondreka

Da sie noch recht unbekannt ist, ging auch bei der Hofkäserei Heggelbach in Herdwangen-Schönach im Landkreis Sigmaringen wie bei Knolls Obstbau und Brennerei noch keine Bestellung über die App ein. „Marktfee.app ist somit unbrauchbar für uns“, sagt Stephan Ryffel, Inhaber der Käserei. Da er den Lieferdienst selbst organisieren müsste, bietet die App für ihn keinen Mehrwert. Die Herausforderung sei nicht, eine App zu entwickeln.

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Die App löst logistisches Problem nicht

Weitaus schwieriger sei, wie die Ware zum Kunden komme, zum Beispiel Kühlwaren wie sein Käse, betont Ryffel. Daher ist seiner Ansicht nach eine Lösung für die Logistik das größere Problem, das mithilfe der App gelöst werden könnte und ihm für seinen Betrieb weitaus nützlicher erscheint.



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