Äpfel ernten ist eine Kunst für sich: Nur reife Äpfel werden gepflückt, mit einem Blick auf Klasse 1 oder 2 geschätzt und vorsichtig in die Beuge gelegt. Zu reif dürfen sie aber nicht sein, dann sind sie nicht mehr knackig. Die Äpfel, die noch nicht groß oder rot genug sind, bleiben bis zur nächsten Pflückung hängen. Routiniert sammeln die Erntehelfer von Dieter Mainberger in Kressbronn die roten Gala-Äpfel von den Zweigen, langsam bewegt sich der kleine Traktor mit dem Hänger voller Apfelkisten durch die Plantage.

Video: Corinna Raupach

Ostbauer Dieter Mainberger ist Vorsitzender des Kreisbauernverbands und er ist vorsichtig optimistisch, was die Ernte angeht. „Wir hatten immer ein Wachstumswetter“, sagt er. Das trockene Frühjahr habe den Äpfeln nicht geschadet. „Nach der Blüte betreibt der Apfel die ersten 50 Tage Zellteilung und da brauchen die Bäume eher warmes Wetter“, erklärt er. Das Wasser werde erst später wichtig, und da sei immer wieder Regen gefallen. Dass es in den vergangenen Tagen nachts kühler und tagsüber warm war, brachte noch die richtige Farbe.

Rund um die Apfelernte

Die Temperaturdifferenz bei kühlen Nächte und warmen Tagen bringt Farbe in die Äpfel.
Die Temperaturdifferenz bei kühlen Nächte und warmen Tagen bringt Farbe in die Äpfel. | Bild: Corinna Raupach

Lediglich der späte Frost habe einigen Lagen mit Jonagold geschadet. „Wenn die nur Frostnasen haben, gehen sie noch als Klasse 2, das hat auf den Geschmack keinen Einfluss“, sagt er. Sind die Früchte aber stark verformt, werden sie als Mostobst verkauft und daran verdient der Obstbauer kaum noch. „Manchmal kann weniger aber auch mehr sein“, sagt Mainberger: Viel Obst bedeutet viel Arbeit, hohe Lohnzahlungen und unter Umständen einen niedrigen Preis.

Wie Äpfel welcher Klasse aussehen

So sieht ein Klasse-1-Tafelapfel aus.
So sieht ein Klasse-1-Tafelapfel aus. | Bild: Corinna Raupach
Mit einer Frostzunge kann der Apfel noch als Klasse 2 verkauft werden.
Mit einer Frostzunge kann der Apfel noch als Klasse 2 verkauft werden. | Bild: Corinna Raupach
Frostzungen und Verformungen sind Frostschäden.
Frostzungen und Verformungen sind Frostschäden. | Bild: Corinna Raupach

Corona-Krise bereitet mehr Sorgen als das Wetter

Viel mehr Sorgen hat Dieter Mainberger in dieser Saison die Corona-Krise gemacht. „Es war immer die Frage, ob wir genügend Erntehelfer herbekommen“, sagt er. Seine Leute kommen aus Rumänien. „Die hatten erst Angst, zu kommen. Und wenn sie erst 14 Tage in Quarantäne gemusst hätten, wären wir mit der Ernte in Verzug gekommen. Aber jetzt sind sie hier“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mainberger findet es richtig, alle Arbeitskräfte aus dem Ausland auf Corona zu testen. „Wir haben ja eine Verantwortung für unsere Leute, wenn sich hier jemand infizieren würde, das wäre schlimm.“ Er hat seine acht Arbeitskräfte in zwei Gruppen eingeteilt. „An dem Zügle dürfen immer nur die gleichen Leute arbeiten, da kann keiner von der anderen Gruppe mal einspringen“, sagt er und deutet auf den kleinen Traktor.

Jetzt hofft der Obstbauer, dass sich der Verkauf so gut anlässt wie das Wetter. „Die Erdbeersaison war gut, die für Kirschen und Zwetschgen auch. Ob das mit Corona zu tun hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls sind die Leute gern in die Hofläden gekommen.“

Video: Corinna Raupach

Ob der Trend zum Kauf in der Region anhält?

„Es gab eine große Nachfrage in der Corona-Phase, die Leute wollten sich gesünder ernähren“, sagt Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee in Bavendorf. Allerdings bezweifelt er, dass der Trend anhält. „Der Deutsche ist trotz aller Bekundungen kein stark ausgeprägter Regionalkäufer“, sagt er. Das Marktumfeld für den Bodenseeapfel sei aber günstig. „Europaweit wird eher eine mäßige Ernte erwartet, da spielt die Trockenheit eine Rolle und in Osteuropa gab es starke Fröste“, sagt Büchele. Da schaffen es auch Tafeläpfel der Klasse zwei manchmal ins Regal des Lebensmittelhandels.