„Neu renovierte, exklusive 3-Zimmer-Wohnung mit Balkon. 550 Euro Kaltmiete plus 125 Euro Nebenkosten und 15 Euro Stellplatzgebühren.“ Auf dieses Inserat einer Wohnung in der Werastraße 44/3 in Friedrichshafen wurde die Seniorin Traudel Günther vergangene Woche aufmerksam. Die Bilder in der Anzeige zeigten eine Küchenzeile, einen Ausschnitt des Badezimmers sowie eine Wohnzimmerecke mit Sofa.

„Über die Plattform Immoscout nahm ich Kontakt zum Vermieter auf“, erzählt die alte Dame. „Doch kurze Zeit später bekam ich die Nachricht, dass das Inserat gelöscht wurde.“ In diesem Moment sei sie das erste Mal misstrauisch geworden. Doch weil die Seniorin seit langer Zeit auf Wohnungssuche ist, habe sie nicht aufgegeben. Sie schickte dem angeblichen Vermieter ihre Daten: Adresse, Tätigkeit, Alter. „Soweit, so gut“, dachte Günther.

Präventionsprojekt „Vorsicht Abzocke“

Dann aber forderte der Anonyme eine Ausweiskopie der Frau und forderte sie auf, im Voraus zwei Monatsmieten Kaution plus eine weitere Monatsmiete zu überweisen. „Insgesamt wären das knapp 1650 Euro gewesen“, erzählt die Seniorin. Auf die Bitte der Frau, die Wohnung im Vorfeld zu besichtigen, gab es keine Antwort. „Der Mann schrieb, dass er mit seiner Familie nach Italien gezogen sei und ich den Vertrag sowie die Schlüssel bekomme, sobald ich das Geld überwiesen habe.“

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Nun zog Günther ihre Familie und Freunde ins Vertrauen. Alle seien misstrauisch gewesen und rieten ihr zur Vorsicht. Bei einem Vorort-Termin mit der Seniorin in der Werastraße folgte schließlich die Gewissheit: Eine freie Wohnung gibt es in dem besagten Haus momentan nicht, so berichteten es die Anwohner dem SÜDKURIER. „Ich hab es gewusst. Doch bestimmt gibt es manch andere, die auf den Trick hereingefallen wären“, vermutet Günther.

Angebliches Inkassounternehmen fordert Geld von Seniorin

Auch Timo Keirath aus Salem hat Erfahrungen mit einer „Abzock-Masche“ gemacht: Ein angebliches Inkassounternehmen forderte in einem Brief eine Geldzahlung. Eigentlich hatten es die Betrüger auf Keiraths ältere Mutter abgesehen, erzählt der Salemer. „Wir bekamen seit einiger Zeit die Post meiner Mutter, weil diese krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage war, sich um das Postfach zu kümmern.“

Eines Tages sei Keirath stutzig geworden. Denn seine Mutter bekam eine Mahnung von einem angeblichen Inkassounternehmen. „In einem frechen Brief forderte die Firma meine Mutter dazu auf, 700 Euro zu zahlen. Das Unternehmen drohte mit rechtlichen Konsequenzen, wenn der Betrag nicht beglichen würde.“ Weiter hieß es: Wenn die Seniorin die Rechnung sofort zahle, könne man sich auf 280 Euro einigen.

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Nachdem Keirath den kuriosen Brief gelesen hatte, recherchierte er im Internet. „Ich habe viele verschiedene Unternehmen gefunden, die mit solchen Maschen Menschen betrügen“, sagt er. Auf den Brief habe Keirath deswegen nicht geantwortet.

„Er bedrohte meine Frau richtig bösartig“

Ein paar Wochen später bekam die Familie einen kuriosen Anruf. Der Anrufer sagte, er sei von dem besagten Inkassounternehmen und wolle noch einmal nachfragen, wann das Geld überwiesen wird. „Meine Frau war am Telefon und antwortete, dass sie kein Geld überweisen würde.“ Daraufhin wurde der Anrufer aggressiv. „Er bedrohte meine Frau richtig bösartig. Sie legte dann einfach auf“, erzählt Keirath. Die Familie hörte nie wieder etwas von dem Unternehmen.

Timo Keirath ist froh, dass der Betrüger sich nicht direkt an seine Mutter wenden konnte. „Ich denke, ältere Menschen fallen gerne auf solche Maschen herein, weil sie nicht richtig darüber nachdenken“, sagt er. Umso wichtiger findet der Salemer, dass das Thema in der Öffentlichkeit bekannt wird und Senioren aufgeklärt werden.

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