Herr Beetz, Sie waren mehr als zehn Jahre Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

In dieser Zeit ist mir das Handwerk im Bodenseekreis zu einem Stück Heimat geworden und der Abschied fällt mir nicht leicht. Das Zusammenwirken mit Vorstand, Innungen und Mitgliedsbetrieben habe ich ein Stück weit wie in einer Familie erlebt. Sie alle sind mir ans Herz gewachsen. Deshalb blicke ich auch sehr dankbar auf diese zehn Jahre zurück. Aber natürlich geht alles einmal zu Ende.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Gern denke ich an die großen gemeinsamen Lehrabschlussfeiern oder die Verleihung des Nachwuchsförderpreises. Seit ein paar Jahren haben wir mit dem Metzgerkulinarium mit vielen Kostproben beim Winzerverein in Hagnau Erfolg. Ein interessanter Moment war auch der Besuch des Präsidenten des Zentralverbandes des deutschen Handwerks Hans Peter Wollseifer bei uns in Friedrichshafen. Das sehe ich als besondere Wertschätzung. Gern erinnere ich mich außerdem daran, wie Zimmerermeister Sebastian Schmäh aus Überlingen die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen wurde.

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Was waren Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Besonders wichtig war mir, unsere Mitgliedsbetriebe zu begleiten und zu beraten, den Kreishandwerksmeister und die Obermeister zu unterstützen und um Nachwuchs für das Handwerk zu werden. Schwerpunkte waren aber auch die Öffentlichkeitsarbeit und der Dialog mit Gesellschaft und Politik.

Können Sie für Ihre Zeit als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft so genannte Meilensteine setzen?

Das ist für mich natürlich schwierig zu beantworten. Es ist uns gemeinsam gelungen, die Kreishandwerkerschaft trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen in die Zukunft zu führen, die Verschuldung abzubauen und dabei gleichzeitig in die Geschäftsstelle zu investieren und interessante Impulse zu setzen.

Worauf sollte sich ihr Nachfolger Wolfgang Künze Ihrer Meinung nach besonders konzentrieren?

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen unsere Mitgliedsbetriebe. Ihnen gilt die erste Aufmerksamkeit. In enger Kooperation mit dem Kreishandwerksmeister und den Obermeistern und mit einem guten Netzwerk ausgestattet, wird Wolfgang Künze die vielfältigen Aufgaben sicher gut bewältigen. Im Übrigen halte ich es für wichtig, dass er seine eigene Sichtweise und Impulse einbringt.

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Im Gegensatz zur Handwerkskammer ist für die Betriebe die Mitgliedschaft in der Kreishandwerkerschaft freiwillig. Sie dürfen die Werbetrommel rühren.

Wir dürfen das nicht nur, wir müssen das. Bei uns kümmern sich Ehrenamtliche wie der Kreishandwerksmeister zusammen mit Hauptamtlichen um die Belange des Handwerks. Damit kennen wir die Sorgen und Bedürfnisse der Handwerker aus erster Hand. Wir pflegen Kontakte zu den Abgeordneten der Region, dem Landkreis, zu Verantwortlichen in Städten und Gemeinden und zu Fachverbänden. Wir betreiben Öffentlichkeitsarbeit fürs Handwerk. Auch die Nachwuchswerbung sowie die Aus- und Weiterbildung sind uns wichtig. Dasselbe gilt auch für die Integration von Menschen mit Fluchthintergrund in die Arbeitswelt. Von all dem profitieren unsere Mitglieder. Den Handwerksbetrieben der Region kann ich deshalb eine Mitgliedschaft in der Innung nur wärmstens ans Herz legen.

Zur Übergabe der Gesellenbriefe gehört normalerweise ein richtiges Fest. Im vergangenen Jahr musste es wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2019.
Zur Übergabe der Gesellenbriefe gehört normalerweise ein richtiges Fest. Im vergangenen Jahr musste es wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2019. | Bild: Lorna Komm (lko)

Die Corona-Pandemie setzt auch dem Handwerk zu. Welche Gewerke sind besonders betroffen?

Da fallen mir zuallererst die Frisöre ein. Ihnen geht es in der aktuellen Krise richtig schlecht und einige müssen um die Existenz ihrer Betriebe fürchten. Derzeit müssen sie ja bereits die zweite Schließung verkraften und die aktuellen Hilfsmaßnahmen sind kaum auf sie zugeschnitten.

Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Da warten zuerst einmal meine Frau, unsere Kinder, Enkel und unser Haus auf mich. Besonders freue ich mich darauf, meiner langjährige Leidenschaft, dem Kochen, mehr Zeit zu widmen. Als Ausgleich zum Genießen muss natürlich auch ein wenig Sport sein. Wir hoffen, dass Reisen bald wieder möglich sein wird. Im einen oder anderen Fall werde ich mich noch ehrenamtlich oder im Rahmen eines Minijobs engagieren – und das alles bei freier Zeiteinteilung. Ich glaube, es wird nicht langweilig.