Das Ganze ist paradox: Das Geschäft der Sparkasse Bodensee boomt, und trotzdem verdient das regionale Bankhaus von Jahr zu Jahr weniger. Obwohl die Kunden erneut mehr Kredite aufgenommen und noch mehr Geld bei der Sparkasse auf die „hohe Kante“ gelegt haben als im Vorjahr, sinken die Erträge. „Die sind mächtig am Abschmelzen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Lothar Mayer am Dienstag in einer Presse-Videokonferenz. Ein gefährlicher Trend: „Wir brauchen Speck auf den Rippen, um Kreditausfälle zu kompensieren“, sagte er. Denn die werde es in Folge der Corona-Pandemie durch Insolvenzen geben.

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Unterm Strich liest sich das so: Die Bilanzsumme stieg 2020 auf knapp 5 Milliarden Euro (plus 5,6 Prozent), das Kundengeschäftsvolumen sogar auf mehr als 8,5 Milliarden Euro (plus 8,3 Prozent). Doch am Ende bleibt nur ein Bilanzgewinn von 3 Millionen Euro übrig – exakt genau so viel wie 2019. Das sogenannte Ergebnis vor Bewertung, also der operative Gewinn, war hingegen deutlich schlechter als im Vorjahr und sank um 5,3 auf 25,5 Millionen Euro.

Woran liegt‘s? Die niedrigen Zinsen verhageln allen Banken und auch der Sparkasse Bodensee seit Jahren das Geschäft. Die Rechnung ist einfach. Wer vor zehn Jahren beim Hauskauf das geliehene Geld im Schnitt noch mit einem Zins von 3 bis 4 Prozent zurückzahlen musste, bekommt die Anschlussfinanzierung heute für weniger als ein Prozent. Mit den neu ausgegebenen Krediten verdient die Sparkasse also auch in den nächsten Jahren deutlich weniger Geld.

Mehr Kreditvergaben stopfen Einnahmeloch nicht

Dieses Einnahmeloch lässt sich auch nicht dadurch füllen, dass deutlich mehr Kredite bewilligt werden, was bei den niedrigen Zinsen viele private Kunden verlockt. Zum vierten Mal hintereinander, führte der Sparkassen-Chef aus, lag die Summe der neu ausgegeben Darlehen über dem Durchschnitt; 2020 wurden 715 Millionen Euro verliehen, 80 Millionen Euro oder 12,5 Prozent mehr als 2019. Damit verzeichnete die Sparkasse zum Jahresende einen Kreditbestand von 3,6 Milliarden Euro (plus 3,3 Prozent). Trotzdem reduzierte sich der Zinsüberschuss um 6 Millionen Euro und belief sich in Summe noch auf 90 Millionen Euro. Und das, obwohl die Sparkasse mehr Provisionen eingenommen und weniger für Personal und Material ausgegeben hat. Aktuell hat die Sparkasse Bodensee 700 Mitarbeiter.

Dazu kommt der Corona-Effekt mit einem „anderen Sparverhalten“, so der Sparkassen-Chef. Das Geld, das sonst für Urlaub, Freizeit und Shopping ausgegeben wird, parkten die Kunden im vergangenen Jahr quasi notgedrungen auf der Bank – 280 Millionen Euro mehr als 2019, was einer Steigerung von über 8 Prozent entspricht. Auf der anderen Seite können 1500 überwiegend Privatkunden ihre Kredite nicht wie vereinbart bedienen und setzten die Tilgung aus.

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Welche Auswirkungen die Pandemie auf die regionalen Betriebe habe, sei noch nicht abschätzbar, so Mayer. Im vergangenen Jahr habe die Sparkasse Bodensee 172 Anträge auf Corona-Hilfen begleitet, die einen Umfang von rund 41 Millionen Euro hatten. Aber auch für Gewerbekunden wurden knapp 12 Prozent mehr an Krediten ausgegeben als 2019, in Summe rund 300 Millionen Euro. Damit wuchs der Kreditbestand im gewerblichen Bereich auf 1,6 Milliarden Euro.