„Lärm wird unvermeidbar sein“

Rainer Hundhausen, BIB 31: „Wie es aussieht, muss die Straße vierspurig sein, auch für die Sicherheit.“ Hundhausen spricht sich für einen Tunnel und die Verlagerung nach Norden aus, damit der Lärmschutz für die Anwohner so gut bestehe, wie er möglich sei. „Die Straße muss den Verkehrsbedürfnissen genügen, aber es darf nicht sein, dass die Anwohner derart in Mitleidenschaft gezogen werden, wie es derzeit geplant ist.“ Er betont auch, dass es nicht ganz ohne Lärm möglich sei: „Das wird unvermeidbar sein, dass wir etwas Lärm abbekommen, aber man sollte dafür sorgen, dass der begrenzt wird.“

Rainer Hundhausen
Rainer Hundhausen | Bild: Lena Reiner

Weiter erklärt er: „Zur Not muss man zwei Tunnel machen, mit einem abgeschirmten Bereich dazwischen, weil der durchgängige Tunnel sehr teuer ist, auch auf Dauer mit der Erhaltung und da kann ich verstehen, dass man da Kosten vermeiden möchte.“

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„Verschiebung nach Norden“

Lothar Stalter
Lothar Stalter | Bild: Lena Reiner

Lothar Stalter von der Interessengemeinschaft BIN erklärt: „Man kann auf der einen Seite jetzt nicht – zurecht – die Anwohner der derzeitigen B 31 entlasten und dann eine Straße vor die Tür weiterer Anwohner in Immenstaad bauen. Es wird derzeit viel darüber diskutiert, was heilbar im Sinne des Naturschutzes sein soll mit der jetzigen Trassenführung. Da wäre eigentlich nur noch zu beachten, dass man die Varianten wählt, die auch heilbar sind im Sinne der Menschen. Und deshalb haben wir in den Initiativen die Verschiebung nach Norden mit den Tunnels gefordert.“

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Diese Optimierung hätten sie als Kompromissvorschlag dem Regierungspräsidium und dem Verkehrsministerium zugeschickt: „Wir erwarten da natürlich auch eine Reaktion; das ist der Sinn eines Kompromisses. Ich hoffe nicht, dass das im Endeffekt in Sturheit ausgeht und man keinen Schritt weiterkommt.“

„Das ist ja alles so ein bisschen abstrakt“

Helmut Lukas
Helmut Lukas | Bild: Lena Reiner

Helmut Lukas: „Ich bin gestern die B 30 nach Ulm gefahren. Das ist ja alles so ein bisschen abstrakt, die Meter, die Distanzen und so weiter. Auf der Fahrt nach Ulm, wo die B 30 durch die Ortschaften und direkt an den Häusern vorbeigeht, da bekommt man einen Eindruck: ‚Mensch, und sowas wird bei uns jetzt geplant.‘ Das macht das Ganze wesentlich greifbarer, wenn man mal so eine Straße, mit der eine solche Bausünde begangen wurde, mal live erlebt.“

„Wir brauchen eine Straße, das ist mal der Grundgedanke“

Obstbauer Hubert Langenstein sagt: „Alle, die unmittelbar betroffen sind, haben alle mal gestartet mit der Problematik, dass wir etwas machen müssen. Wir müssen etwas machen mit dem Verkehr. Also, wir brauchen eine Straße, das ist mal der Grundgedanke.“ Es gebe viele Faktoren, die sie nicht beeinflussen könnten: den Transitverkehr etwa. Daher sei es wichtig, im Rahmen des Möglichen die aktuelle Streckenplanung zu optimieren. Den Planungsprozess an sich, an dem er selbst schon lange beteiligt sei, halte er für „nicht schlecht“.

Jetzt gehe es an die Abwägung der Interessen aller Betroffenen: „An einer Stelle, wo links und rechts Leute sind, muss man sich eben fragen, ob man nicht etwas mehr Geld in die Hand nimmt und einen Tunnel hinmacht.“ Damit sei das Siedlungsinteresse Lärmschutz gelöst. Obstbau sei sein Interesse. „Da nimmt man lieber am Rand was von den Obstplantagen weg, als mittendurch zu gehen“, erklärt er.

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Auch für den Naturschutz hätten sie Optimierungsoptionen aufgezeigt: „Wir haben Verbesserungsvorschläge drin, wie man Biotopverbünde schaffen könnte von jetzt noch getrennten Biotopen. Da wäre sogar eine Menge Potenzial drin für Naturschutz, Tiere, Pflanzen.“ Zu guter Letzt richtet er sich nochmals an alle Mitstreiter: „Und bitte lasst uns nicht alles zerreden. Wir sind alle mal angetreten und haben gesagt: ‚Wir brauchen eine Straße‘. Da können wir jetzt nicht wieder zurückgehen.“

„Daher sage ich: Tunnel, einen langen Tunnel“

Ingrid Doll
Ingrid Doll | Bild: Lena Reiner

Ingrid Doll war schon vor 25 Jahren Teil einer B-31-Initiative und hat gegen den vierspurigen Ausbau der Straße gekämpft: „ Ich weiß, dass dazu aktuell kein Spielraum besteht gegen den vierspurigen Ausbau. Ich denke, die Optimierung ist die Sache, die gerade angesagt ist. Im Bereich Siedlung, Ruhbühl und so weiter kann eigentlich nur der Tunnel eine Lösung sein. Das ist ja alles auch auf Jahrzehnte ausgelegt. Daher sage ich: Tunnel, einen langen Tunnel.“ Sie deutet in Richtung Obstplantagen: „Und auch hier, wenn man die Bepflanzungen sieht, dann muss die Straße hier am Rand entlang führen und nicht mittendurch. Das ist das einzig Logische.“

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„Wir brauchen einen geschlossenen Auftritt“

Heinolf Kielkopf (gehört zu den Zeichnern des Papiers für BIB 31): „Ich bin auch bei der Initiative Pro 7.5, in der sich Initiativen aus Immenstaad, Hagnau und Stetten zusammengeschlossen haben. Das ist ja schon mehrfach angeklungen: Wir brauchen einen geschlossenen Auftritt. Und ich kann berichten, dass die Initiativen aus Stetten und die Initiativen aus Hagnau und das Bündnis Pro 7.5 diesen Vorschlag, den wir drei Initiativen hier aus Kippenhausen und Immenstaad erarbeitet haben, auch unterstützen.“

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„Für uns in Kippenhausen ist das ganz brutal“

Jürgen Eberle, Obstbauer und Mitglied einer Hagnauer Initiative: „Ich bin Obstbauer und als solcher gehöre ich zu den Betroffenen. Für uns in Kippenhausen ist das ganz brutal, weil die jetzige Planung unsere Obstanlagen von West nach Ost durchkreuzt. Das heißt, unsere Anlagen werden einfach mittendurch geschnitten. Wir werden noch prüfen, ob wir existenzgefährdet sind.“ Er sei froh, dass er die Möglichkeit gehabt habe, als Betroffener am Optimierungsvorschlag mitzuarbeiten. Letztlich, sagt er, sei die Optimierung „genauso schlimm“. Dieselbe Fläche Obstanlage gehe dabei verloren, aber: „Man kann besser mit dieser Variante umgehen.“

Jürgen Eberle
Jürgen Eberle | Bild: Lena Reiner

„Einen Versuch ist es wert und wir werden auch weiter mitsprechen, wenn es an die Planung geht. Es sind auf jeden Fall einige Existenzen, die da auf dem Spiel stehen.“ Eberle schildert, dass es früher einmal 20 Obstbauern im Haupterwerb in Kippenhausen gegeben, heute seien es nur mehr fünf, die hauptberuflich dem Obstbau nachgingen. Der Beruf sei also so oder so schon gefährdet.

„Ich vermisse hier die Nachfolgegeneration“

Martin Kurreck (IG BIN): „Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir nur in der Gruppe mit einem Kompromiss denkend erfolgreich sind. Und da bin ich jetzt ganz stolz, dass wir gemeinsam dieses Argumentationspapier zusammengestellt haben.“ Nun gehe es darum, diesen Schulterschluss weiter zu festigen und weitere Initiativen einzubinden: „Ansonsten werden wir nicht wirksam.“ Was er allerdings vermisse, das sei die Nachfolgegeneration. Er schaut zu seiner Tochter und ihrem Freund herüber und sucht nach weiteren jungen Gesichtern: „Das sind diejenigen, die nachher wirklich betroffen sind, die nachfolgende Generation. Wir reden hier über eine Veränderung, die die nächsten 100 Jahre reicht. Ich würde mir wünschen, dass in der Zeitung auch ein Aufruf drinsteht, dass hier mehr junge Menschen kommen. Wir müssen stärker dafür kämpfen.“

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„Da hingen ganz andere Pläne, die wir vorher gar nicht gekannt hatten“

Bärbel Proksch, BIB 31 und Ruhbühl-Anwohnerin: „Grundsätzlich habe ich mich total gefreut, dass wir alle zusammengekommen sind und uns auf eine Resolution verständigt haben. So ein Kampf gegeneinander, der führt ja sowieso zu nichts.“ Sie erinnert sich zurück an die Informationsveranstaltung im Oktober in der Linzgauhalle: „Ich dachte, ich bin in der falschen Veranstaltung. Da hingen ganz andere Pläne, die wir vorher gar nicht gekannt hatten.“

Bärbel Proksch
Bärbel Proksch | Bild: Lena Reiner

„Das hat uns ganz unerwartet auf dem Ruhbühl getroffen, dass viele aus der Haustür rausgehen und quasi in die Autobahn reinsteigen. Das war der größte Schock überhaupt.“ Generell müsse sie aber sagen, sie sei inzwischen für die Tunnel, egal, was diese kosten würden: Eine solche Landschaft mit einer vierspurigen Straße zu versehen, das tut mir in der Seele weh.“

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„Wir kommen hier vom Regen in die Traufe“

Michael Henneke, Mitglied BIB 31: „Ich berichte aus der Erfahrung, unmittelbarer Anreiner mit meiner Familie der B 31 zu sein. Wir freuen uns, ganz egoistisch gedacht, über die Verlegung der Bundesstraße. Aber ich muss auch meiner Vorrednerin zustimmen: Wir kommen hier vom Regen in die Traufe; hier wird eine herrliche von Menschen bearbeitete Naturlandschaft teilweise unwiederbringlich zerstört.

Michael Henneke
Michael Henneke | Bild: Lena Reiner

Hier müsse etwas geschehen. Vor allem empfinde er es als Skandal, dass immer nur die Rede von „freie Fahrt für den Verkehr“ sei: „Wir haben einen Schwerlastverkehr, der dem auf der Autobahn Lindau Bregenz entspricht. Da muss ein hochfrequenter verbesserter ÖPNV her und eine Demotivierung des Auto-, speziell des Fernverkehrs.“

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„Ich kann diese Initiative nur begrüßen“

Ortsvorsteher Martin Frank wollte sich eigentlich nicht zu Wort melden, da es sich um eine Plattform für Betroffene handeln solle, kam dann aber der wiederholten Aufforderung nach: „Ich möchte bloß als Ortsvorsteher sagen: Ich kann diese Initiative nur begrüßen.“ Er fasst kurz den Sachstand zusammen: „Wo stehen wir jetzt? Der Korridor wurde festgelegt. Wir sind jetzt in einer Situation, um diesen Korridor zu optimieren. Das lässt dieser Korridor laut dem Regierungspräsidium Tübingen auch zu. Wenn dann ein Landwirt sagt: Wir können das noch verlagern. Das trifft uns dann immer noch, aber es verbessert die Wirtschaftlichkeit, wenn die Obstplantage nicht zerschnitten wird. Oder wenn ein Anwohner sagt: Die Straße vor der Haustür, das lasse ich nicht zu. Da finde ich das ein sehr starkes Signal.“

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Erst einmal passiere gar nichts, habe er vom Regierungspräsidium Tübingen erfahren. Doch Ende nächsten Jahres, wenn es an die Entwurfsplanung gehe, würden solche Papiere einbezogen: „Je mehr Unterstützung dieses Papier hat, desto stärker wird das dann gewichtet.“ Abschließend betont er nochmals, dass es wichtig sei, demokratische Prozesse auch zu akzeptieren und an Stelle einer Blockade den bestehenden Spielraum zu nutzen: „Sinnvoll sind solche Initiativen wie diese hier, in denen man versucht, aus dem Übel das Beste rauszuholen.“