Wie geht es dem Handwerk im Bodenseekreis? Welche Folgen hat die Corona-Krise für die Betriebe? Vom Bauunternehmen bis zum Frisör stellt sich die Situation in der Region unterschiedlich dar. Handwerksbetriebe mit Ladengeschäft seien durch den Corona-Lockdown besonders gebeutelt worden, sagte Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis, bei einem Termin, bei dem sich auch Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (CDU) einen Überblick über die Situation im Handwerk verschaffte.

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Besonders betroffen: Frisöre, Gastronomie, Kfz-Handwerk, Raumausstatter

Georg Beetz sagte über die besonders betroffenen Branchen weiter: „Dazu gehören Frisöre, die Gastronomie, das Kfz-Handwerk, aber auch Raumausstatter.“ Auftragsrückgänge hätte aber beispielsweise auch das Sanitärhandwerk zu verzeichnen. So habe Alfred Keller, Obermeister der Sanitär-Heizung-Klima-Innung, von einem Rückgang um 15 Prozent berichtet. „Im Moment sind die Baugewerke noch gut versorgt, aber wir gehen davon aus, dass die Corona-Krise noch Wirkungen zeigen wird“, vermutete Beetz. Der Wunsch an die Politik sei, die bisherige finanzielle Unterstützung auf den Prüfstand zu stellen und nachzujustieren.

Dem Bauhandwerk geht es noch gut (von links): Der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen informierte sich bei den Zimmerern Christoph Hartmann, Obermeister der Zimmerer-Innung, und Tobias Plümer.
Dem Bauhandwerk geht es noch gut (von links): Der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen informierte sich bei den Zimmerern Christoph Hartmann, Obermeister der Zimmerer-Innung, und Tobias Plümer. | Bild: Claudia Wörner

Zimmerer haben von der Krise nichts bemerkt

„Wir haben von der Corona-Krise eigentlich gar nichts gemerkt“, sagte hingegen Zimmerer Tobias Plümer aus Eriskirch beim Termin mit den Innungsmeistern aus der Region. Anfangs seien die Mitarbeiter zwar verunsichert gewesen, aber auf der Baustelle lasse es sich sicher arbeiten. „Es hat sich gezeigt, dass das Handwerk krisensicher ist“, betonte Plümer. Skeptisch sei er jedoch mit Blick in die Zukunft. Sei es doch fraglich, wie sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickle und ob die Leute künftig noch genügend Geld zum Bauen haben.

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Anders sieht es bei den Frisören im Bodenseekreis aus, die wegen der Hygiene- und Abstandsregeln 30 bis 50 Prozent weniger Kunden am Tag bedienen. „In meinem Salon gleiche ich das durch verlängerte Öffnungszeiten aus. Der Bedarf ist ja da“, berichtete Innungs-Obermeisterin Annette Beine.

Imageverbesserung fürs krisensichere Handwerk?

In Sachen Ausbildung hofft Zimmerer Tobias Plümer, dass das krisensichere Handwerk sein Image verbessern kann. „Wir brauchen auch weiterhin qualifizierte Fachkräfte.“ Markus Schmid, Obermeister der Elektro-Innung, findet es bedauerlich, dass Betriebe nur dann Lehrlingsförderung bekommen, wenn sie Kurzarbeit angemeldet oder Umsatzeinbußen haben. „Eine finanzielle Förderung wäre auf jeden Fall gut, da nicht klar ist, was im nächsten Jahr sein wird“, so Schmids Begründung.

Lothar Riebsamen machte deutlich, dass es nicht zu schaffen sei, Corona-bedingte Umsatzrückgänge auszugleichen. „Das Ziel ist, durch das Konjunkturpaket möglichst viele Insolvenzen zu verhindern“, sagt er. „Wichtig ist auch, dass Lehrlinge ihren Ausbildungsplatz nicht verlieren.“

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