Wie leicht kann man einen Corona-Test fälschen? Hacker hatten bei coronatest-rv.de nicht nur eine Datenpanne aufgedeckt, sondern es war ihnen auch gelungen, aus den Links von Ergebnissen neue Testergebnisse zu generieren. Die Datenpanne ist laut Betreiber mittlerweile behoben und es seien auch keine Daten vom Server abgerufen worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Möglichkeit, sich selbst ein Testergebnis zu generieren, bestand am Montagnachmittag allerdings noch und der SÜDKURIER konnte dem durch Veränderungen in den URLs die grüne Testergebnisseite mit jedem beliebigen Namen generieren. „Wir haben davon erst durch den SÜDKURIER erfahren und uns das sofort angeschaut“, sagt Florian Burk, der über „Gemeinsam neue Wege“ Testzentren in Ravensburg, Weingarten und auch Markdorf betreibt. Von den Hackern habe er überhaupt nichts gehört, auf die Datenpanne hatte ihn der Datenschutzbeauftragte des Landes hingewiesen. Allerdings wohl nicht darauf, dass man sich auch selbst Testergebnisse generieren könne.

„Name: beliebiger Name“: Für solche Fake-Ergebnisse braucht es Basis-Programmierkenntnisse. Unsere Datenjournalisten konnten durch Veränderungen in den URLs die grüne Testergebnisseite mit jedem beliebigen Namen generieren. Nutzen würden wir das natürlich nicht.
„Name: beliebiger Name“: Für solche Fake-Ergebnisse braucht es Basis-Programmierkenntnisse. Unsere Datenjournalisten konnten durch Veränderungen in den URLs die grüne Testergebnisseite mit jedem beliebigen Namen generieren. Nutzen würden wir das natürlich nicht. | Bild: Selina Rudolph

„Wir nehmen solche Hinweise auf und optimieren gerne“, sagt Burk. Fälschungssicher könne man die Testergebnisse allerdings nicht machen und es gebe auch leichtere Wege, als sich etwas selbst zu programmieren. Man könnte sich genauso gut in Word selbst einen Befund basteln oder einen alten Befund immer wieder aktualisieren. Doch es gibt ein Aber: „Das ist dann Urkundenfälschung und strafbar“, erklärt Burk.

„Nun werden wir an den Pranger gestellt und eigentlich wollten wir doch nur helfen.“
Florian Burk, Testzentren-Betreiber

Für Burk ist wichtig, dass durch die Sicherheitslücke keine Daten abgegriffen wurden. Und in erster Linie ginge es beim Testen ja auch darum, die Infizierten herauszufiltern, dass Corona sich nicht weiter ausbreiten konnte. Das sei sein Ziel gewesen, als er sich entschied, zahlreiche Testzentren aufzubauen. „Nun werden wir an den Pranger gestellt und eigentlich wollten wir doch nur helfen.“

Auch wenn weiter an der Optimierung gearbeitet werde, die Zeit der Testzentren sei sowieso bald zu Ende. „Wir merken einen deutlichen Rückgang. Noch zwei, drei Wochen, dann werden kaum noch Testzentren benötigt“, sagt Burk, der sich dann wieder auf sein Kerngeschäft fokussieren möchte, denn er führt eine Firmengruppe für Gebäudetechnik und Gebäudehülle in Ravensburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Was passiert, wenn man einen Corona-Test fälscht?

„Das Gesetz bietet verschieden Optionen an und das Fälschen eines Corona-Testes ist keine gängige Straftat“, sagt Wolfgang Allgaier, der in der Kanzlei Dr. Brotzer – Van Bruggen – Allgaier in Friedrichshafen für Strafrecht zuständig ist. Zum einen könnte man es als Ausstellen eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses werten. Als Strafmaß wäre dann von einer Geldstrafe bis zu einem Jahr Haft alles drin. Das Strafmaß hänge von diversen Faktoren ab: Beispielsweise, ob der Angeklagte schon einmal ein Strafverfahren hatte oder in welchem Zusammenhang er das unrichtige Gesundheitszeugnis verwendet hat.

Ein falscher Test als Urkundenfälschung

Es gebe allerdings auch noch die Alternative: dass ein Corona-Test als Urkunde eingeordnet wird und es sich damit um Urkundenfälschung handelt. „Ein Impfpass wird definitiv als Urkunde angesehen“, erklärt Allgaier. Als maximale Strafe können hier fünf Jahre Haft drohen. „Wer aber zum ersten Mal auffällt, der kann mit einer Geldstrafe rechnen“, sagt Allgaier. Die Höhe hänge vom Richter ab – 20 bis 30 Tagessätze (ein Tagessatz ist das Nettoeinkommen geteilt durch 30) wären denkbar. Prinzipiell sei auch die kriminelle Energie, die jemand in das Fälschen eines Testergebnisses stecke, zu berücksichtigen. Wenn jemand extra ein Programm bastle oder eine Seite hacke, habe er sich schon „sehr viel Mühe“ gemacht und müsse mit einem härteren Strafmaß rechnen.

Das könnte Sie auch interessieren