In keinem einzigen Stadtteil hat sich beim Bürgerentscheid am Sonntag eine Mehrheit für die geplante Bebauung der Hinteren Insel gefunden. Insgesamt 5569 Lindauer und damit 74,5 Prozent der Wähler sprachen sich dagegen aus, lediglich 25,5 Prozent dafür. Damit ist der Bürgerentscheid für ein Jahr bindend. Lindaus parteilose Oberbürgermeisterin Claudia Alfons freute sich über das eindeutige Ergebnis, gehörte doch die Verhinderung der Bebauung der Hinteren Insel zu ihren Wahlversprechen. „Jetzt müssen wir Kompromisse finden, da im Stadtrat 25 Räte für und fünf gegen die Bebauung sind“, sagte sie am Sonntagabend.

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Wäre das Quorum von 4023 Nein- oder Ja-Stimmen nicht erreicht worden, wäre die Bebauung aufgrund eines vom Stadtrat beschlossenen Rahmenplans wohl umgesetzt worden. Zur Abstimmung stand allerdings nicht der gesamte beschlossene Rahmenplan, sondern nur das sogenannte „Entwicklungsgebiet Nord“, da diese Flächen im Besitz der Stadt Lindau sind. Derzeit ist dort ein Parkplatz.

„Jetzt müssen wir Kompromisse finden“, sagte Oberbürgermeisterin Claudia Alfons (parteilos), die sich am Sonntagabend über ...
„Jetzt müssen wir Kompromisse finden“, sagte Oberbürgermeisterin Claudia Alfons (parteilos), die sich am Sonntagabend über das Ergebnis des Bürgerentscheids freute. | Bild: Susanne Hogl

Initiiert hatte den Bürgerentscheid federführend Ulrich Schöffel, bis vor Kurzem medizinischer Leiter des Lindauer Krankenhauses und Mitglied im Stadtrat (Bürgerunion). Laut Rahmenplan sollten auf der Hinteren Insel rund 450 Wohneinheiten und eine Tiefgarage entstehen. Die Bürgerinitiative „Hintere Insel“ um Schöffel hatte sich gegen die geplante Bebauung auf dem Gelände der Gartenschau 2021 ausgesprochen und mehr Grün- und Erholungsflächen gefordert. „Das ist das bislang eindeutigste Ergebnis bei einem Bürgerentscheid“, so Schöffel nach dem Bürgerentscheid.

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Lange Gesichter bei den Befürwortern der Pläne

Lange Gesichter gab es hingegen bei den Vertretern von Bunter Liste, CSU, Freien Bürgern, Freien Wählern, Junger Alternative, ÖDP und SPD. In seltener Einigkeit hatten sie sich in teilweise sehr emotional geführten Diskussionen und bei Stadtratssitzungen für die Bebauung ausgesprochen. Die Befürworter der Bebauung fürchten jetzt, dass noch weniger Familien auf die Insel ziehen können und die Finanzierung des erweiterten Bürgerparks schwierig werden dürfte. Nach Aussagen von Daniel Obermayr von der Bunten Liste dürfte es „jetzt schwer werden, mit dem Ergebnis etwas Konstruktives anzufangen“. Es sei überall viel Wut zu spüren gewesen.

Ulrich Schöffel (links) freut sich als Mitinitiator der Bürgerinitiative „Hintere Insel“, dass die Mehrheit der Lindauer ...
Ulrich Schöffel (links) freut sich als Mitinitiator der Bürgerinitiative „Hintere Insel“, dass die Mehrheit der Lindauer gegen eine Bebauung gestimmt hat. Die Ergebnisse hat zuvor Thomas Nuber von der Stadt Lindau verkündet. | Bild: Susanne Hogl

Im Lindauer Finanzplan für die Jahre 2023 bis 2025 sind Verkaufserlöse für Grundstücke auf der Hinteren Insel in Höhe von insgesamt 19,3 Millionen Euro enthalten. Jetzt werden in den kommenden Wochen und Monaten viele Gespräche im Stadtrat stattfinden, um dann zu einer neuen Entscheidung zu kommen.