Die Tat liegt rund eineinhalb Jahre zurück: Am Abend des 10. August 2019 wurde ein heute 35-jähriger Vater zweier kleiner Kinder in eine Wohnung im Bodenseekreis eingeladen. Dort erwartete ihn die Kindsmutter (36) mit ihrem neuen Ehemann (35). Im Verlauf eines schwelenden Sorgerechtsstreits um die Kinder wurde der Gast im Kinderzimmer mit einem Baseballschläger attackiert, konnte aber trotz seiner Verletzungen einen Notruf absetzen und fliehen. Jetzt steht das Ehepaar vor dem fünfköpfigen Schwurgericht des Landgerichts Ravensburg. Dort versichert die 36-Jährige gestern: „Es war eine Abreibung und kein Mordversuch!“

Angeklagte befinden sich in Untersuchungshaft

Dass es sich um einen schwierigen Fall handelt, zeigt sich an der juristischen Vorgeschichte: Im Dezember vergangenen Jahres sollte vor dem Tettnanger Schöffengericht gegen das Ehepaar verhandelt werden. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung. Der zuständige Richter aber hielt versuchten Mord für möglich und verwies den Fall zur rechtlichen Klärung weiter ans Landgericht. Mit gravierenden Folgen: Das Ehepaar wurde umgehend verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Um die beiden Kinder kümmern sich seither eine Oma und das Jugendamt.

Im Saal eins des Ravensburger Landgerichts sitzen die Eheleute getrennt und wie alle anderen Prozessbeteiligten hinter Plexiglasscheiben wegen der Corona-Ansteckungsgefahr. Alle 20 Minuten wird gelüftet. Der Frau werden in Verhandlungspausen Handschellen angelegt. Im Saal ist es kalt und um das Verhandlungsklima steht es streckenweise ähnlich.

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Angeklagte bestreitet Tötungsabsichten, ihr Mann schweigt

Oberstaatsanwalt Peter Vobiller erinnert an die versperrte Eingangstür der Wohnung am Tatabend, an die Baseballschläge auf den Kopf des Opfers und das mögliche Ziel, den Mann „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“ zu töten. Die Angeklagte bestreitet solche Absichten und erzählt von eher atmosphärischen Störungen in der Beziehung zum Kindsvater. Da habe es Vorwürfe gegeben, dass sie keine gute Mutter sei. Von blauen Flecken an den Armen ist die Rede und dass sie froh war, dass der Mann weit weg war und nur sporadisch an den See kam.

Der angeklagte Ehemann schweigt zu allem. Die Frau hat er über eine Dating-Plattform kennengelernt. Den früheren Partner seiner Frau habe er kaum gekannt.

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Notruf-Mitschnitt: Hilferufe und weinende Kinderstimmen

Der kommt dann als gesprächiger Zeuge in den Saal. Auch er hat die spätere Kindsmutter übers Internet kennengelernt. Die Platzwunde vom Angriff am Sommerabend 2019 musste genäht werden. Die Flucht gelang nur durch ein Fenster. Wie dramatisch und wild es aber vorher in der Wohnung zugegangen war, ist auf dem Mitschnitt der Polizei vom Notruf zu hören. Schreien und Stöhnen, minutenlange Hilferufe und weinende Kinderstimmen und eine Frauenstimme zetert, dass „er die Bullen gerufen“ hat.

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt. Beobachter halten es jedoch für möglich, dass noch in dieser Woche ein Urteil ergeht. Der Strafrahmen für versuchten Mord liegt zwischen drei und 15 Jahren, der für gefährliche Körperverletzung von sechs Monaten bis zehn Jahre Gefängnis.