Kurios klingt das schon: Mit Wasser aus einem Brunnen bewässert das Hofgut Rengoldshausen, ein der Ökologie verpflichteter Demeter-Betrieb, seine Gemüseanbauflächen. Wasser aus einem nahen Teich darf der Bauernhof nicht mehr entnehmen. Das klingt widersinnig, denn durch das Brunnenbohren könnte schließlich der Grundwasserspiegel bedenklich sinken.

Landwirte im hiesigen Raum sehen sich durch den vom Amt erteilten Stopp der Wasserentnahmen aus Bächen und Weihern zunehmend mit Wassermangel für ihre Anbauflächen konfrontiert. Das Bio-Hofgut fährt nun zweigleisig und setzt auf Wasserspeicher und Brunnen – mit behördlicher Genehmigung.

Mit insgesamt sechs Brunnen wird eine Leistung von 32 Kubikmetern Wasser, das sind zehn Liter pro Sekunde gefördert. Die Investition für diese sechs Brunnen betrug in etwa 100.000 Euro.
Mit insgesamt sechs Brunnen wird eine Leistung von 32 Kubikmetern Wasser, das sind zehn Liter pro Sekunde gefördert. Die Investition für diese sechs Brunnen betrug in etwa 100.000 Euro. | Bild: Stef Manzini

„Was für ein Glück, das wir genug Wasser im Boden haben“, freut sich Walter Sorms, der Alt-Bauer vom Überlinger Hofgut Rengoldshausen. Die Versorgung mit Wasser für die Gemüse- Anbauflächen rund um den zum Hofgut gehörenden Ralzhof sind ein weiterer Baustein, den landwirtschaftlichen Demeter-Betrieb auch unter den Herausforderungen des Klimawandels leistungsfähig zu halten, betont Sorms.

Video: Walter Sorms

Nachdem das Landratsamt Friedrichshafen dem Hofgut eine Wasserentnahme wie bisher aus dem Engeweiher zwischen Deisendorf und dem Salemer Affenberg untersagte, bohrte das Hofgut nun nach Wasser auf eigenem Grund im Gewann Bruckwiesen. Mit insgesamt sechs Brunnen fördert man so erfolgreich das für die Pflanzenproduktion benötigte Nass. Auf circa 100 Hektar baut das „Hofgut-Rengo“, wie der Großbetrieb in der Bevölkerung genannt wird, auf den Ackerflächen rund um Deisendorf Gemüse in allen Variationen zum Beispiel Salat und Kürbis oder Möhren an.

Klimawandel: Landratsamt verweist auf Schutz des Fischlaichs

Der fortschreitende Klimawandel ist nach Aussage des Leiters des Amts für Wasser- und Bodenschutz, Klaus Ruff, der Grund dafür, die Wasserentnahmen der Landwirte aus Bächen und Weihern nicht mehr zu gestatten. Mit dieser Maßnahme soll vor allem den Fischen während ihrer Laichzeit von März bis Mai geholfen werden. Bei Niedrigwasser und gleichzeitiger Wasserentnahme durch die Landwirte liege der Fischlaich trocken, so das Landratsamt.

Behörde hegt keine Bedenken gegen das Brunnenbohren

Eine entsprechende Infoveranstaltung, der rund 20 Landwirte aus der Region gefolgt waren, hatte dazu im Februar im Landratsamt stattgefunden. Den Landwirten und Obstbauern rund um die Aach wurden in dieser Runde von den Experten Wasserspeicher als Problemlösung empfohlen.

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Einige der anwesenden Bauern waren skeptisch betreffend der Genehmigungsverfahren und den dazu notwendigen finanziellen Mitteln. Das Hofgut Rengoldshausen fährt zweigleisig und setzt auf Speicher und Brunnen. Zur Einrichtung der sechs Brunnen liegt die wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamts vor. Die Brunnen dürfen bis in eine maximale Tiefe von zehn Metern gebohrt werden. Eine Gefährdung des Grundwasserspiegels erwartet das Amt nicht, sonst hätte man der Bohrung nicht zugestimmt.

Gute Geologie ermöglicht den Brunnenbau nahe Deisendorf

Von einer „sehr guten Geologie“ für die Brunnen spricht Landwirt Walter Sorms, da sich bereits ein Meter unter dem Erdboden eine „hochwertige Kiesschicht“ befinde, und das Wasser dadurch bei der Entnahme sehr schnell nachlaufe. Auf rund 100 000 Euro beläuft sich die Investition für die Brunnen, erklärt Sorms. Die Leistung der Brunnen liege voraussichtlich bei 36 Kubikmetern Wasser pro Stunde, das sind etwa 10 Liter pro Sekunde. „Es sprudelt“, freut sich der Bauer, der auch im Überlinger Gemeinderat für die Fraktion der LBU/Die Grünen sitzt. Mithilfe von Elektropumpen wird das Wasser gefördert, und durch Hydranten an einer Ringleitung dann zur Gemüseberegnung für die Gärtnerei und Landwirtschaft eingesetzt.

Insgesamt 250 Hektar Fläche bewirtschaftetet das Öko-Hofgut, davon entfallen 75 Hektar auf den Gemüseanbau. Seit fast einem Jahrhundert, bereits ab 1932, wirtschaftet das „Hofgut-Rengo“ als Biobetrieb und feiert mit seinen aktuell 56 Mitarbeitern in zwei Jahren sein 90-jähriges Bestehen.

Wie das Hofgut auf die Folgen des Klimawandels reagiert

Schon lange habe man sich auf den Klimawandel eingestellt, berichtet Walter Sorms, der im Stiftungsrat der Columban-Stiftung sitzt, die der Eigentümer des Hofguts ist, und den Betrieb dann weiter an einen gemeinnützigen Verein verpachtet. Weitreichende Maßnahmen habe man bereits seit Jahren getroffen, um den Herausforderungen des veränderten Klimas und dem damit verbundenen Wassermangel in der Landwirtschaft zu begegnen. Neben dem Gewächshaus mit einer Fläche von circa 7000 Quadratmetern, in dem überwiegend Tomaten und Paprika wachsen, befindet sich beispielsweise ein Wassersammler, also ein Becken, mit einer Speicherkapazität von 5000 Kubikmetern Wasser. Damit wird eine Tröpfchen-Berieselung des Gemüses ermöglicht.

Im Hintergrund der Brunnen zu sehen ist das Gebäude der Deisendorfer Wasserversorgung. Das Amt für Wasserwirtschaft hatte in diesem Fall keine Bedenken, mit der Wasserentnahme durch die Brunnen den Grundwasserspiegel zu gefährden.
Im Hintergrund der Brunnen zu sehen ist das Gebäude der Deisendorfer Wasserversorgung. Das Amt für Wasserwirtschaft hatte in diesem Fall keine Bedenken, mit der Wasserentnahme durch die Brunnen den Grundwasserspiegel zu gefährden. | Bild: Stef Manzini

„Wir haben unseren Rengo längst klima-fit gemacht, sind aber immer offen für Innovationen. Wir sind praktisch ständig an der Weiterentwicklung nachhaltiger Konzepte“, sagt Walter Sorms. „Das ist zwar herausfordernd, aber macht auch großen Spaß, wenn man diese Entwicklung dann mit bloßem Auge erkennen kann.“ Beispielsweise sei das beim Thema Wasser der Fall. „Wir gewinnen aus der Kraft unserer eigenen Brunnen eine Ergiebigkeit von in etwa 36 Kubikmetern pro Stunde“, erklärt Sorms, der über 30 Jahre lang das Hofgut leitete. Die Solarzellen auf den Dächern der Gebäude produzierten in etwa 1000 Kilowatt pro Stunde. Die Umstellung auf Hitze- und Trockenbeständige Getreidesorten, wie zum Beispiel beim Dinkel, und bei Futterpflanzen wie die Luzerne seien weitere Bausteine auf diesem Weg, erklärt der Landwirtschaftsmeister.

Pflanzen gegen den Futtermangel in Dürrejahren

Mit der Luzerne zusätzlich zum Heu werden die 140 Rinder des Demeter Hofguts gefüttert. Großen Futtermangel für die Rindviecher gab es daher auch in Dürrejahren nicht, erklärt Sorms. Diese Pflanzen kommen mit wenig Wasser zurecht, wie ebenfalls auch die Möhren, von denen das Hofgut annähernd 1000 Tonnen jährlich erntet. Ein Großteil des Ertrags aus dem Gemüseanbau fließt in die „Grüne Kiste“, die seit über 25 Jahren rund 1200 Kunden wöchentlich in und um Überlingen findet.

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Es ist Walter Sorms, dem „Alt-Bauern“, wie er sich gerne selber nennt, noch ein großes Anliegen zu betonen, dass sich das Demeter-Hofgut selbstverständlich ausschließlich an nachhaltigen Lösungen für die Herausforderungen einer veränderten klimatischen Situation orientiere. Vom erworbenen Knowhow lasse man möglichst viele Landwirte, und zwar nicht ausschließlich Öko-Betriebe, auf Wunsch gerne mit profitieren. Wie beispielhaft auf dem Hoftag „Milchvieh“ im vergangenen Jahr, zu dem Milchbauern aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisten. „Meine Kollegen und ich sind sehr gerne Ansprechpartner, sowohl für die Wasserbohrungen als auch für die anderen genannten Bereiche.“