Am Montag beginnt das neue Schuljahr – vielerorts mit gemischten Gefühlen, auch im Bodenseekreis. Die Corona-Zahlen steigen wieder, Experten sagen eine „vierte Welle“ voraus. Die Delta-Variante des Virus gilt als sehr infektiös – und Kinder unter zwölf Jahren können noch nicht geimpft werden. Dabei lernen gerade in den Grundschulen die meisten Kinder – jedes vierte Kind von 222 500 Schülern im Regierungsbezirk Tübingen geht in die erste bis vierte Klasse. Allein die Zahl der Erstklässler wächst um fast vier Prozent auf 15 500 in diesem Schuljahr. Auch im Bodenseekreis stellen die Grundschüler also die größte Gruppe.

Bild: Steller, Jessica

Trotzdem: „Wir wollen Schule in der Schule machen“, erklärte der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser am Freitag bei einem Pressegespräch zum Schulstart im Markdorfer Schulamt. Es sei erklärter Wille aller Politiker, „dass es keinen Lockdown mehr gibt“.

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Ziel sei ganz klar der Präsenzunterricht, so Tappeser. Auch mit einer vierten Welle werde man „umgehen“. Ohne Einschränkungen gehe es aber nicht. Ab Montag gilt wieder Maskenpflicht in den Klassenzimmern, unabhängig von den Infektionszahlen. Wer nicht geimpft ist, muss sich zwei Mal, bei der Verwendung von Schnelltests ab 28. September drei Mal pro Woche testen lassen – und Lehrer ohne Impfnachweis sogar täglich.

„Gewisse Routine“ im Umgang mit der Pandemie

Allerdings wird vieles wieder möglich, was im letzten Schuljahr verboten war. Klassen dürfen wieder mehrere Tage ins Schullandheim fahren, Schulfeste und Abschlüsse gefeiert werden. Sportunterricht ist nach Stundenplan möglich, nur Singen und Blasmusik soll draußen stattfinden. Schüleraustausche ins Ausland bleiben untersagt. Dass im Umgang mit der Pandemie „eine gewisse Routine“ eingekehrt sei, machte Tappeser zum Beispiel daran fest, dass nur noch ein infizierter Schüler in Quarantäne muss, nicht mal mehr seine direkten Nebensitzer, die sich dann aber fünf Tage lang täglich testen müssen.

Lernrückstände bei vielen Schülern

Nach zwei Schuljahren mit Schulschließungen und viel Fernunterricht haben sich bei vielen Schülern zum Teil erhebliche Lernrückstände aufgebaut, erklärte Susanne Pacher, Abteilungspräsidentin Schule und Bildung im Regierungspräsidium Tübingen. Deshalb starte das Schuljahr mit „einer Phase des Ankommens“, in der das soziale Miteinander gefördert und der Lernstand der Schüler erhoben werden soll, um den Förderbedarf festzustellen.

Wieviel Schule geht im neuen Schuljahr? Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen (links), Carmen Huber, Leiterin des Schulamts in Markdorf, und Klaus Tappeser, Regierungspräsident in Tübingen,  gaben Auskunft.
Wieviel Schule geht im neuen Schuljahr? Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen (links), Carmen Huber, Leiterin des Schulamts in Markdorf, und Klaus Tappeser, Regierungspräsident in Tübingen, gaben Auskunft. | Bild: Cuko, Katy

Nach den „Lernbrücken“, die in den letzten beiden Ferienwochen landesweit rund 54 000 Schüler nutzten, startet im Herbst das zweijährige Förderprogramm von Bund und Ländern, das in Baden-Württemberg „Lernen mit Rückenwind“ heißt. Davon sollen Schüler profitieren, deren Bildungserfolg in besonderem Maße gefährdet ist. Förderung gibt es nicht nur in den Hauptfächern, sondern auch für die Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen. Die Schulen seien in dieser Woche ausführlich informiert worden. Seit dem 23. August können sich Kooperationspartner auf einem Landesportal registrieren lassen; rund 1000 hätten das bereits getan, so Pacher.

Keine freien Lehrerstellen am Bodensee und trotzdem Lehrermangel

All die Bemühungen stehen und fallen jedoch mit der Lehrerausstattung. Der Schulamtsbezirk Markdorf, zu dem die Landkreise Bodensee und Ravensburg gehören, sei „mit Abstand am besten versorgt“ im Regierungsbezirk, erklärte Susanne Pacher. Die Region sei bei jungen Lehrern nach wie vor sehr beliebt. Insgesamt konnten 38 freie Lehrerstellen im RP nicht besetzt werden. Deshalb sei mit Unterrichtsausfall zu rechnen, vor allem wenn Lehrerinnen in den Mutterschutz oder in die Elternzeit gehen.

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Man sei „auf den ersten Blick“ gut versorgt, bestätigte die Markdorfer Schulamtsleiterin Carmen Huber. Im Schulamtsbezirk unterrichten rund 3400 Lehrer an 151 Schulen. Allerdings seien alle Vertretungslehrer bereits eingeteilt, womit es bei Ausfällen keinen Puffer mehr gibt. Vereinzelt wurden Klassen über dem Klassenteiler gebildet oder aus fünf Klassen vier gemacht, um ein Lehrerproblem zu lösen. Zu wenig Lehrer gebe es auch auf längere Sicht vor allem in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und in den Grundschulen.

Bei der Digitalisierung „auf dem Weg“

Und wenn doch wieder Fernunterricht verordnet wird? Die Schulen haben sich in Sachen Digitalisierung auf den Weg gemacht, sagen Susanne Pacher und Carmen Huber. „Ohne Pandemie hätten wird das nicht geschafft.“ Vieles sei noch nicht perfekt, und nicht überall sei die technische Infrastruktur so vorhanden, dass digitaler Unterricht problemlos möglich sei. Das nun wiederum sei „kein Schulproblem“, sagte Klaus Tappeser. Er sei auf dem Weg von Tübingen an den Bodensee fünf Mal aus dem Netz geflogen.