Robert Kasch deutet auf seinen Fuhrpark im Oberteuringer Ortsteil Hefigkofen. Sechs Busse stehen hier, nur drei haben überhaupt montierte Nummernschilder. Der Rest ist gar nicht erst zugelassen – die Busse werden in Zeiten der Corona-Krise nicht benötigt. In normalen Sommern seien bis zu vier Busse parallel unterwegs. Fünf der Busse seien noch keine drei Jahre alt, nur einer der gemütlichen alten Reisebusse ist noch Teil des Fuhrparks.

17 Jahre ist der älteste Bus der Flotte alt.
17 Jahre ist der älteste Bus der Flotte alt. | Bild: Lena Reiner

Kasch dreht den Schlüssel im Zündschloss: „Der springt eben auch noch nach Wochen Stillstand an. Das machen die modernen mit all der Elektronik nicht mehr so einfach.“ Dabei ist der Bus noch deutlich jünger als das Busunternehmen, das Kasch 1991 gegründet hat. „Ich war erst Lastwagenfahrer, aber das wurde mir zu langweilig. Daher habe ich den Busführerschein gemacht und fahre jetzt seit 37 Jahren“, erzählt er. Er ist stolz auf sein kleines Unternehmen.

Die Desinfektionsmittel – eines für Hände, eines für Flächen – gehören fest zum Reisebusbetrieb dazu.
Die Desinfektionsmittel – eines für Hände, eines für Flächen – gehören fest zum Reisebusbetrieb dazu. | Bild: Lena Reiner

Der Einbruch durch die Corona-Pandemie stimmt ihn traurig: „Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Ich wollte eigentlich in ein paar Jahren das Unternehmen guten Gewissens an meinen Sohn weitergeben, der derzeit schon mitarbeitet. Aber wenn das so weitergeht, will ich das nicht. Er soll ja keine hohen Schulden übernehmen.“

Erst ein Jahr alt, noch nicht abbezahlt und steht herum: Einer der neu angeschafften Reisebusse mit Euro-6-Norm.
Erst ein Jahr alt, noch nicht abbezahlt und steht herum: Einer der neu angeschafften Reisebusse mit Euro-6-Norm. | Bild: Lena Reiner

1,3 Millionen Euro haben allein die neuen Busse gekostet. Die Raten laufen weiter, trotz der Pandemie. Die vier Mitarbeiter, die er hat, seien derzeit alle in Kurzarbeit. „Das ist schon auch schwierig für sie, weil sie deutlich weniger Geld bekommen“, erklärt er. Am schlimmsten habe es jedoch das Reinigungspersonal für die Busse getroffen, die er auf Stundenbasis beschäftige: „Die verdienen aktuell fast nichts.“

Alles modern, alles neu: Fünf der sechs Busse von Kaschs Fahrzeugflotte sind keine drei Jahre alt.
Alles modern, alles neu: Fünf der sechs Busse von Kaschs Fahrzeugflotte sind keine drei Jahre alt. | Bild: Lena Reiner

Seit 15. Juni dürfen laut der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg Busreisen wieder stattfinden. Am 16. Juni fuhr Kasch zum ersten Mal wieder Gäste aus. „Das sind meist Stammgäste, die bereits seit Jahren mitfahren“, erklärt er. Trotzdem seien die Busse nicht annähernd voll: Von den bis zu 50 Sitzplätzen seien derzeit vielleicht 15 belegt; Fahrten mit mehreren Bussen gleichzeitig undenkbar.

Robert Kasch fährt seit 37 Jahren Bus.
Robert Kasch fährt seit 37 Jahren Bus. | Bild: Lena Reiner

Für den Unternehmer, dem als Einzelunternehmer die Soforthilfe weniger zugute kam als etwa den Geschäftsführern einer GmbH, weil er nicht als Mitarbeiter einberechnet werden kann, bedeuten die zurückliegenden Monate hohe Verluste. Ohne ihn sind es 4,3 Mitarbeiter. Mit mehr als fünf Mitarbeitern hätte er 6000 Euro mehr beantragen können. „Anders als die meisten Kollegen machen wir ja ausschließlich Busreisen und nichts im Bereich ÖPNV, das heißt, ich hatte vor 15. Juni einfach gar keine Einnahmen“, erzählt er.

Einzelunternehmer haften mit ihrem Privatvermögen

Als Einzelunternehmer haftet er für das Unternehmen mit seinem Privatvermögen. Was das in letzter Konsequenz heißt? „Dann wäre auch das Haus hier weg“, sagt er, während er in seinem ans Wohnhaus angegliederte Büro sitzt. „Wenn das so weitergeht, dann halten wir noch bis nächsten März durch und dann ist es vorbei.

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130 000 Euro mussten an Kunden zurücküberwiesen werden

Robert Kasch hofft jetzt auf die bundes- und landesweiten Hilfen, die Busunternehmen zugesagt wurden: „Damit kann ich meinen Umsatzeinbruch auf 60 Prozent reduzieren.“ Kasch blättert in dem Reisekatalog, der eigentlich für 2020 vorgesehen war. Das Jahr ging gut los, die Nachfrage sei da gewesen: „Wir mussten allein 130 000 Euro für bereits gebuchte Fahrten zurücküberweisen.“ Der Start in die Hauptsaison wäre eigentlich am 15. März gewesen. Einen Tag später trat die Corona-Verordnung in Kraft und verbot Gruppenreisen bis auf Weiteres.

Corona-Tests nach jeder Auslandsfahrt

Er betont: „Ich stehe voll hinter den Maßnahmen der Regierung.“ Die Maskenpflicht setzten er und seine Fahrer bei den Reisen durch, auch wenn sie manch einen Fahrgast mehrmals daran erinnern müssten. Jeden Abend bei einer mehrtägigen Fahrt werde der Bus komplett gereinigt und desinfiziert. Und wenn es ins Ausland gehe, sei für ihn nach der Rückkehr ein Corona-Test selbstverständlich: „Ich habe jetzt wieder einen gemacht, da ich gerade aus Südtirol zurückgekommen bin. Ich steige erst wieder zu Gästen ins Fahrzeug, wenn ich das negative Ergebnis vorliegen habe.“

Die aktuellen Hygienehinweise werden vor jeder Fahrt im jeweiligen Bus platziert.
Die aktuellen Hygienehinweise werden vor jeder Fahrt im jeweiligen Bus platziert. | Bild: Lena Reiner

Michael Gersch, Referent für Touristik beim Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO), erklärt: „Ich habe generell ein positives Feedback von den Unternehmen bekommen. Die Maskenpflicht lässt sich im Reisebus besser durchsetzen als im Linienverkehr, weil man feste Gruppen über einen längeren Zeitraum betreut.“ Diese könne man mehrfach erinnern und es stelle sich dadurch eine gewisse Verbindlichkeit her. Auch seien inzwischen die Regelungen für den Busverkehr bundesweit beinahe einheitlich, was die Kommunikation stark vereinfacht habe.

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Bei der Reise selbst merkten die Fahrgäste laut Rückmeldungen schnell eines: „Der Mund-Nasen-Schutz tritt bei einer solchen Reise schnell in den Hintergrund. Viele kennen das Tragen beim Einkaufen, bei dem sie sich körperlich doch etwas anstrengen. Wenn man nur dasitzt, spürt man ihn kaum.“

Hygienehinweise im hinteren Teil des Busses, damit auch diejenigen, die dort einsteigen, sie sofort sehen.
Hygienehinweise im hinteren Teil des Busses, damit auch diejenigen, die dort einsteigen, sie sofort sehen. | Bild: Lena Reiner

So trete nach einer kleinen Weile das Emotionale in den Vordergrund, die Reise an sich, die schöne Aussicht. Es gebe nun mehr Pausen als vor der Corona-Pandemie, um den Bus regelmäßig zu lüften, und damit die Reisenden aussteigen und die Mund-Nase-Bedeckung eine Weile absetzen können. „Ich denke, wir müssen auch das Reisen neu kennenlernen. Maske und Abstand wird noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Wer es einmal ausprobiert hat, merkt dann, dass die Emotionalität einer solchen Reise durch die neuen Regeln nicht verloren geht.“

Aktuell bleiben die meisten Sitzplätze dauerhaft leer: Zu wenige Menschen buchen eine Busreise.
Aktuell bleiben die meisten Sitzplätze dauerhaft leer: Zu wenige Menschen buchen eine Busreise. | Bild: Lena Reiner

Anton Funk vom gleichnamigen Reiseunternehmen mit Sitz in Tettnang kann seit der Aufhebung des Busreiseverbots keine positive Bilanz ziehen. Seither hätten vier Tagesfahrten stattfinden können. Mehrtagesfahrten seien bisher nicht zustande gekommen: „Die Resonanz ist sehr schwach.“

Aufklärungsarbeit gefordert

Funk übt auch Kritik: „Was wir nicht verstehen, ist, dass Fluggesellschaften und die Bahn mit stolzgeschwellter Brust und voller Begeisterung die Qualität ihrer Belüftungssysteme öffentlichkeitswirksam anpreisen, die Busindustrie sich jedoch diesbezüglich auffallend bedeckt hält.“ Dabei hätten die Busse hervorragende Frischluftanlagen, während es in Flugzeugen lediglich Umluftanlagen gebe. „Die Aufklärungsarbeit fehlt an dieser Stelle gänzlich. Auch von Politikern wird nur der Flieger als Paradebeispiel genannt“, bemängelt er.

Familie Funk vor ihren Bussen. Das Bild stammt aus besseren Zeiten.
Familie Funk vor ihren Bussen. Das Bild stammt aus besseren Zeiten. | Bild: privat

Auch Busunternehmen, die nur zeitweise im Reiseverkehr tätig sind, hat die Pandemie hart getroffen. Der Überlinger Busunternehmer Marc Morath, dessen gleichnamiges Unternehmen sowohl im öffentlichen Nahverkehr tätig ist als auch – zu einem kleinen Teil – Busvermietungen anbietet, schildert: „Wir haben derzeit vielleicht zehn bis 20 Prozent unserer üblichen Aufträge.“

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Der Elektrobus, den er extra für den Publikumsverkehr zur Landesgartenschau angeschafft habe, werde derzeit im regulären Stadtverkehr eingesetzt: „Es verschiebt sich somit alles um ein Jahr. Wir versuchen zu überbrücken, wo es nur möglich ist.“