Der erste Runde Tisch im Prozess der Pflegekonferenz Bodenseekreis war offensichtlich fruchtbar: In knapp zwei Stunden entwickelte sich im Sitzungssaal des Frickinger Rathauses ein Dialog über Vorhandenes im Bereich Pflege und Betreuung hin zu notwendigen Bedingungen für ein gut gelingendes alt werden in der Gemeinde.

Gemeinsam überlegen sie, was fehlt in der Pflege- und Betreuungs-Infrastruktur (von links): Birgit Bergmüller, Bürgermeister Jürgen ...
Gemeinsam überlegen sie, was fehlt in der Pflege- und Betreuungs-Infrastruktur (von links): Birgit Bergmüller, Bürgermeister Jürgen Stukle, sowie hinten von links Kerstin Six, Elvira Fruh, Astrid Hermann, Susanne Zerwes und Wolfgang Jauch. | Bild: Martina Wolters

Rege Diskussion führte auch zu Ergebnissen

Moderiert wurde der runde Tisch von Bürgermeister Jürgen Stukle, Koordinatorin Birgit Bergmüller und Wiltrud Bolien von der Kreis-Altenpflegehilfeplanung. Dass das Dreierteam den richtigen Riecher hatte in Bezug auf die Auswahl der Beteiligten an der ersten Zusammenkunft, machten die rege Diskussion am Tisch im Sitzungssaal sowie die aussagekräftigen Ergebnisse am Ende deutlich.

80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen sind nicht im Heim

Unter den Stichworten „Prävention, soziales Miteinander, Mobilität, Wohnen, Hilfe und Pflege und bestehende Angebote“ wurde kräftig gesammelt. Der Diskussionsschwerpunkt lag zumeist auf dem, was für den Pflege- und Betreuungssektor notwendig wäre. Für Bolien war das keine Überraschung. 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause gepflegt. Die Hälfte der Pflegebedürftigen würden allein durch ihre Verwandten pflegerisch versorgt.

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Angebot für pflegende Angehörige muss ausgebaut werden

Astrid Hermann saß am Ratstisch als selbst aktiv Pflegende. Sie legte großen Wert auf das Installieren von Angeboten wie Tagesbetreuung, ambulante Pflege, aber auch Kurzzeitpflege als stationäres Angebot. Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation, gab ihr recht: „Wir müssen die Angehörigen unterstützen“, unterstrich er.

Astrid Hermann wünscht sich als pflegende Angehörige insbesondere eine breiteres Angebot an Tagesbetreuung und ambulanter Pflege. Ferner ...
Astrid Hermann wünscht sich als pflegende Angehörige insbesondere eine breiteres Angebot an Tagesbetreuung und ambulanter Pflege. Ferner möchte sie die Öffentlichkeit noch mehr in den Pflegekonferenz-Prozess einbinden. | Bild: Martina Wolters

Unterstützung soll an sieben Wochentagen möglich sein

Bärbel Meier-Wichmann, stellvertretende Koordinatorin der Hospizgruppe Salem, wünschte sich vor allem flexible Betreuungszeiten auch am Wochenende. Genauso sollte es ihrer Meinung nach an sieben Tagen die Woche die Option geben, Essen auf Rädern und/oder hauswirtschaftliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ansprechpersonen sollten mit Bild im Gemeindeblatt und auf Flyern erscheinen, damit persönlicher Kontakt leichter falle.

Bärbel Meier-Wichmann von der Hospizgruppe Salem möchte auch Menschen unter 60 ansprechen. Außerdem ist es ihr wichtig, dass ...
Bärbel Meier-Wichmann von der Hospizgruppe Salem möchte auch Menschen unter 60 ansprechen. Außerdem ist es ihr wichtig, dass Kontaktpersonen für Pflegende ein Gesicht haben und mit Foto aufgelistet werden. | Bild: Martina Wolters

Pflegende Angehörige brauchen Ansprechpartner

Erika Lanz, Ansprechpartnerin für „Miteinander-Bürgerselbsthilfe Frickingen“, hielt einen Kummerkasten für wichtig. Pflegende Verwandte bräuchten eine Anlaufstelle, ihre Nöte loszuwerden. „Es muss selbstverständlicher werden, dass ich als Betreuender sagen darf, wenn ich überfordert bin“, betonte Lanz.

Erika Lanz von der Bürgerselbsthilfe Miteinander macht sich für einen Kummerkasten für Pflegende stark. Es sei wichtig, sich bei ...
Erika Lanz von der Bürgerselbsthilfe Miteinander macht sich für einen Kummerkasten für Pflegende stark. Es sei wichtig, sich bei Außenstehenden Kummer von der Seele zu reden. | Bild: Martina Wolters

Jauch und Bolien konnten sich in dem Zusammenhang die Rolle einer Gemeindeschwester vorstellen, die präventiv danach schaue, dass es sowohl den Gepflegten als auch den Pflegenden gut gehe. Gleichzeitig könnten vorhandene Hilfsangebote aufgezeigt werden.

Ehrenamtliche Helfer als Demenzlotsen?

Charles Nestelhut, Vorstandsvorsitzender des genossenschaftlichen Seniorenzentrums am Ort, brachte ehrenamtliche Helfer als Demenzlotsen sowie pfiffige Schüler als technische Unterstützer bei Problemen mit Fernseher oder Handy ins Spiel.

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Auch Nachbarn müssen miteinander reden

Es sei dringend erforderlich, miteinander ins Gespräch zu kommen, befand Bolien. „Wenn der Nachbar wüsste, dass die Nachbarin wunderlich wegen einer Erkrankung ist, würde er sicher unterstützen“, sagte sie zur Notwendigkeit von Kommunikation im gesamten Prozess.

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Für eine eigene Pflegeeinrichtung ist Frickingen zu klein

Der interessierte Bürger Michael Beer fragte sich, ob auch eine stationäre Pflegeeinrichtung für Frickingen vorgesehen sei. Bolien antwortete, die kleinste mögliche Einheit umfasse 30 Pflegeplätze. Das sei wahrscheinlich zu groß für den Frickinger Bedarf. Es seien aber im Kreis noch bis zu sechs Pflegehäuser geplant.

Michael Beer erkundigte sich als interessierter Bürger, ob eine stationäre Pflegeeinrichtung für Frickingen angedacht sei. Er wünschte ...
Michael Beer erkundigte sich als interessierter Bürger, ob eine stationäre Pflegeeinrichtung für Frickingen angedacht sei. Er wünschte sich eine aktuell gepflegte Datenbank zum Erfassen vorhandener Hilfsangebote, um die Ressourcen sinnvoll zu nutzen. | Bild: Martina Wolters

Wie Betroffene erreicht werden könnten, wollte Astrid Hermann diskutiert wissen. Jauch meinte, es könnten die Kanäle der vorhandenen Betreuungsstrukturen genutzt werden. Gemeinde -und Pfarrgemeinderätin Susanne Zerwes (FWV) bat darum, einen entstehenden Fragebogen für die Bevölkerung unbedingt persönlich weiterzugeben.

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Eine Datenbank zu Angeboten und Kontaktpersonen

Bärbel Meier-Wichmann von der Hospizgruppe hielt es für wichtig, auch jüngere Menschen anzusprechen. Michael Beer konnte sich vorstellen, eine Datenbank anzulegen über vorhandene Angebote und Kontaktpersonen. Broschüren sollten auch virtuell verfügbar sein. Gertrud Nussbaum von Miteinander Bürgerselbsthilfe bekräftigte den Bedarf nach ehrenamtlichen Helfern.