Der Kollege hustet im Büro, die Freundin sagt das Treffen wegen grippalem Infekt ab, das Kind hat wieder eine Dauer-Rotznase: Es scheint, als wäre aktuell fast jeder erkältet. Und das, obwohl dieser Oktober mit spätsommerlichen Temperaturen endet. Doch so ganz falsch scheint dieser Eindruck nicht zu sein, denn eine Erkältungswelle rollt über den Bodenseekreis. Husten, Schnupfen, Bronchitis – ausgelöst durch verschiedene Erreger. Hinzu kommen Corona-Infektionen, die bei den meisten erkältungsähnliche Symptome hervorrufen.

Wie schlimm wird die Herbstwelle?

Allerdings scheint die Corona-Welle weniger stark zuzunehmen als vom Gesundheitsamt Bodenseekreis zunächst befürchtet. „Da es schon im Sommer recht hohe Fallzahlen gab, besteht Grund zur Annahme, dass die Herbstwelle dennoch nicht so heftig spürbar ist, weil das Virus auf vergleichsweise viele natürlich immunisierte Personen trifft“, erläutert Landkreissprecher Robert Schwarz. Allerdings würden vermehrt eben auch klassische Atemwegsinfekte grassieren. „Deren Erreger treffen jetzt auf empfindlichere Träger, denn die Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre hatten auch deren Verbreitung gehemmt. Die Folge sind in der Summe viele Personalausfälle, die auch die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems betreffen“, so Schwarz. Schwere Corona-Verläufe hingegen gebe es nur noch selten.

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Schaut man in die Kliniken des Medizin Campus Bodensee (MCB), sieht man, dass auch hier die Zahl der Sars-CoV-2-positiven Patienten deutlich ansteigt. Am Dienstag, 25. Oktober, wurden laut MCB 26 positiv getestete Patienten in Friedrichshafen betreut, sieben in Tettnang. Ein Patient musste intensivmedizinisch betreut werden. Zum Vergleich: 2021 waren es Anfang November ähnlich viele, kurze Zeit später explodierten die Zahlen und das Klinikum musste die Kapazitäten deutlich zurückfahren und geplante Operationen absagen. Droht eine solche Situation erneut?

Bild 1: Atemwegsinfekte treffen auf Corona. Ist das Grund zur Sorge?
Bild: Benjamin Schmidt
„Wir fahren nach wie vor auf Sicht.“
Susann Ganzert, Medizin Campus Bodensee

„Auch bei uns kann der Stationsbetrieb nicht komplett aufrechterhalten werden. Nach wie vor haben wir seit Anfang August unsere Kapazitäten reduziert und fahren so lange auf Sicht, bis sich die Situation in die eine oder andere Richtung verändert“, erläutert Kliniksprecherin Susann Ganzert. Die meisten Corona-Patienten seien im Moment wegen einer anderen Erkrankung in der Klinik und manche Patienten könnten bald entlassen werden. „Andere bleiben sehr lange stationär bei uns und können weder in ihr persönliches heimisches Umfeld oder in ein Pflegeheim entlassen werden, da ihre Virenlast dies nicht zulässt“, so Ganzert. Das wiederum stelle für die Klinik einen enormen Aufwand da, denn die Ärzte müssten in vielen Fällen sogar für eine Entlassung oder Verlegung kämpfen, da diese Patienten therapiert seien und nur wegen ihrer Covid-Infektion, die aber nicht behandlungsbedürftig ist, noch im Krankenhaus bleiben müssten. „Das Klinikum Friedrichshafen ist voll belegt, wir brauchen für die Versorgung akuter Fälle jedes Bett“, erklärt die Kliniksprecherin.

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Krankenstand in den Kliniken ist hoch

Hinzu kommt: Auch die Mitarbeiter in den Kliniken kämpfen mit Erkältungskrankheiten und Corona-Infektionen, es kommt zu vielen Personalausfällen. Dass ein hoher Krankenstand in Zeiten fehlenden Fachpersonals im Gesundheitswesen kaum kompensiert werden kann, liegt auf der Hand. Im Fall von symptomatischen Corona-Infektionen seien die Mitarbeiter häufig 14 Tage lang nicht fit. Allerdings gebe es auch symptomlose Mitarbeiter, die in Isolation müssen. Würde eine Aufhebung der Isolationspflicht die Situation etwas entspannen? Kliniksprecherin Ganzert verneint: „Würde die Isolationspflicht generell aufgehoben, müssten wir mit noch mehr Fällen rechnen.“

Die Besucherregelung im Klinikum Friedrichshafen sind deutlich weniger streng als noch vor einem Jahr. Es herrscht allerdings weiterhin ...
Die Besucherregelung im Klinikum Friedrichshafen sind deutlich weniger streng als noch vor einem Jahr. Es herrscht allerdings weiterhin eine Test- und Ffp2-Maskenpflicht. | Bild: Benjamin Schmidt

Nach wie vor gilt in den Kliniken eine vergleichsweise strenge Test- und FFP2-Masken-Pflicht, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Schließt sich der MCB den Forderungen verschiedener Ärzteverbänden, wie beispielsweise dem Marburger Bund an, die Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen erneut einzuführen, an? „Die Masken schützen nachweislich jeden und alle vor Infektionen“, erklärt Susann Ganzert, „wo man sich auch umschaut, im Supermarkt, in der Bibliothek oder bei Konzerten in Innenräumen. Es tragen immer mehr Menschen wieder Maske, meist sogar FFP2, und übernehmen damit Verantwortung für sich und andere. Das begrüßen wir.“