Sein Recht zu schweigen will er nicht nutzen. Der Mann aus Friedrichshafen, der sich im Zusammenhang mit kinderpornografischen Bildern und Videos vor dem Amtsgericht Tettnang verantworten muss, gesteht und fügt hinzu: „Ich bereue es ohne Ende, das war ein extrem dummer Fehler von mir. Ich schäme mich, dass ich nicht gesagt habe: Das ist falsch, lasst den Scheiß.“

Er beschreibt, wie er über unterschiedliche Chats auch in solche geraten sei, in denen Missbrauchsdarstellungen kursierten. „Ich habe danach nicht aktiv gesucht“, sagt er auf Nachfrage von Richterin Rebecca Hutt. Er kämpft mit den Tränen. Furchtbar sei das gewesen, was auf den Bildern und Videos zu sehen war. Laut Anklageschrift zeigten diese Dateien, die der Mann angeklickt und weitergeleitet haben soll, teilweise schweren sexueller Missbrauch, darunter auch den Missbrauch von Säuglingen und Kleinkindern.

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Strafrecht inzwischen verschärft

Er habe „Glück gehabt“, sagt Richterin Hutt: Kurz nach dem fraglichen Tatzeitraum wurde das Strafrecht in genau diesem Bereich verschärft. „Sonst säßen Sie jetzt nicht hier, sondern vorm Schöffengericht.“

Ihre Frage, warum das Verbreiten und Herunterladen von Kinderpornografie nach Auffassung des Angeklagten so hart geahndet werde, beantwortet die Richterin schließlich selbst so: „Nachfrage schafft Angebot.“ Und Nachfrage sei es eben auch, wenn er Inhalte weiterleite, auch wenn er diese selbst nicht für gut gefunden habe. Und Angebot bedeute in diesem Fall: „Mehr Kinder müssen furchtbare Qualen erleiden.“

Ermittlungen nach Hinweis aus den USA

Drei Handys und ein Laptop wurden nach einer Hausdurchsuchung untersucht, erläutern zwei Zeugen von der Kriminalpolizei. Gefunden hätten sie den Mann, der zurückgezogen zur Untermiete bei seiner Mutter lebte, nach einem Hinweis aus den USA, wo beim Auswerten von Chatdaten eine Spur nach Deutschland entdeckt worden sei.

Dass die Abbildungen den Angeklagten nicht sexuell erregt haben, scheint am Ende der Verhandlung glaubwürdig zu sein. Dafür spricht auch der Umstand, dass die Dateien mehrheitlich in Form von Thumbnails, also automatisch vom System erstellten Vorschaubildern, sowie temporären Dateien auf den Geräten vorgefunden wurden und nicht etwa in eigens angelegten Ordnern.

2600 kinderpornografische Darstellungen

Die Kriminalbeamtin, die die Hausdurchsuchung geleitet hat, stuft den Anteil an kinderpornografischen Bildern als „relativ hoch“ ein. 2600 von mehr als 450.000 Bildern insgesamt seien das gewesen. „Wir haben oft Millionen Dateien auf einem Gerät und davon vielleicht 50 kinderpornografische Darstellungen“, schildert sie im Zeugenstand. Sie sei seit 18 Jahren in dem Bereich tätig, die Zahl der Dateien auf den Geräten habe sich seitdem immens vervielfacht.

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Bewährungsstrafe mit Auflagen

Letztlich werden Geständigkeit und Reue des Angeklagten positiv gewertet, der Fund von Missbrauchsdarstellungen mit Säuglingen als strafverschärfend. Das Urteil: ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Obendrein erhält der Mann die Auflage, sich regelmäßig mit einem Bewährungshelfer zu treffen, mindestens fünf Termine eines psychiatrischen Diensts in Anspruch zu nehmen und ein Jahr lang pro Monat mindestens zwei gemeinnützige Sozialstunden abzuleisten.

Richterin Hutt hofft, ihm durch die Auflagen den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern verpassen zu können. Bislang habe er sich jahrelang verkrochen, statt seine psychischen Probleme anzugehen, in den vergangenen zwölf Jahren lediglich vereinzelt Minijobs gehabt.