Nach neun Stunden Verhandlung mit einem Dutzend Zeugen und Sachverständigen am dritten Prozesstag das Urteil: Wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung verhängte das Ravensburger Schwurgericht gegen einen 63-jährigen Handwerker aus dem östlichen Bodenseekreis eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten.

Mit 15 Hammerschlägen lebensgefährlich verletzt

In einer Nacht Anfang Mai dieses Jahres hatte der Mann seine langjährige Ehefrau mit 15 Hammerschlägen lebensgefährlich verletzt und anschließend drei Versuche unternommen, sich das Leben zu nehmen. Beide konnten gerettet werden. Veiko Böhm, Vorsitzender Richter der fünfköpfigen Schwurgerichtskammer, sagte in seiner Urteilsbegründung: „Das ist ein Fall, der unter die Haut geht.“ Er sprach jedoch auch von einem „Bild mit vielen Fragezeichen“. Der Mann hatte die Tat uneingeschränkt gestanden.

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Bemerkenswert: Hatte Oberstaatsanwalt Peter Vobiller am ersten Prozesstag noch von versuchtem Mord gesprochen, plädierte er zum Schluss für versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und forderte exakt die Strafe, die das Schwurgericht später aussprach. Ganz unerwartet kam Vobillers Abrücken vom Vorwurf des versuchten Mordes allerdings nicht. Auf der mühsamen Suche nach dem Auslöser zu der Gewalttat fragt Vobiller den Mann auf der Anklagebank: „Waren Sie wütend?“ Kopfschütteln und die Antwort: „Nein.“ Dann: „Waren Sie verzweifelt?“ Kopfnicken und ein dumpfes „ja“ hinter der Mund- Nasen- Maske, die der Angeklagte stets trug, obwohl er sie hätte ablegen können, wie Richter Böhm immer wieder sagte.

Verteidiger Gerd Pokrop sieht eine Art von Affekt

Von Verzweiflung war auch im Urteil die Rede und dass die Ehefrau „keine Einfache“ sei, aber mit dem Nachsatz „da ist einer, der macht, und einer, der mit sich machen lässt“. Auch im Gutachten vom psychiatrischen Sachverständigen Hermann Assfalg war von der „Hilflosigkeit des Mannes der Abwertung durch seine Frau gegenüber“ die Rede. Verteidiger Gerd Pokrop sah eine Art von Affekt.

Familienangehörige charakterisierten die 58-Jährige vor Gericht. „Er konnte ihr nichts recht machen.“ Die Frau haben den gutmütigen Mann oft mit schlimmen Schimpfwörtern gedemütigt. Nach fast 30 Ehejahren hatten sich beide offenkundig auseinandergelebt. Nach schweren Erkrankungen konnte der Handwerker zuletzt nicht mehr arbeiten, während seine Frau mit zwei Jobs voll ausgelastet schien und sich in einen anderen Mann verliebt hatte. Tage vor der Gewalttat einigten sich beide im Rahmen eines Familienrats mit den Kindern, dass er ausziehen würde, damit seine Frau „eine Auszeit“ nehmen könne.

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Vier Tage später die nächtliche Attacke mit dem Hammer, der in eine Plastikhülle verpackt mehrfach Zeugen gezeigt wurde. „Aber wir wissen nicht genau, was in der Nacht vorausgegangen ist“, räumte der Richter ein. Dennoch „lässt sich die Tat nicht ausradieren“.

Verstörende Fotos von den Kopfverletzungen der Frau

In der Beweisaufnahme zeigte der Ulmer Gerichtsmediziner Sebastian Kunz auf dem großen Bildschirm im Gerichtssaal verstörende Farbfotos vom kahlgeschorenen Kopf der Frau und den schweren Schädelverletzungen mit Frakturen und vielen Hautverletzungen, die, wie ein behandelnder Chirurg sagte, absolut lebensgefährlich waren. Da wollte der Angeklagte nicht hinschauen und bedeckte die Augen. Durch die Hammerattacke gingen Geruchs- und Geschmackssinn verloren und zurück blieb ein Loch im Schädel, das mit einer Transplantation geschlossen werden sollte.

Die Frau bekommt 40 000 Euro Schmerzensgeld. Zum Verurteilten sagte Richter Böhm: „Sie müssen lange Jahre unter Kriminellen zubringen.“