Ein 32-Jähriger, der sich wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht Tettnang verantworten musste, ist am Dienstag nur knapp einer Gefängnisstrafe herumgekommen. Es handelte sich nicht um das einzige Verfahren um einen Streit in der Türsteher-Szene. Was war geschehen?

Am Morgen des 13. September 2020 seien mehrere Männer bei ihm zuhause aufgetaucht und hätten ihm von hinten einen Teleskop-Schlagstock über den Kopf gezogen, schilderte der Angeklagte. Statt die Polizei zu rufen, suchte sich der Mann, der zu wissen glaubte, wer ihn angegriffen hatte, Verstärkung im Freundeskreis.

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Nach Selbstjustiz abgetaucht

Gemeinsam sei man zum Parkplatz am Berufsschulzentrum in Friedrichshafen gefahren. Dort habe er sich einen Stock geschnappt, der dem 32-Jährigen zufolge im Auto lag, und sei der Gruppe vorausgestürmt, um den vermeintlichen Angreifer in Selbstjustiz zu bestrafen.

Er habe ihn zweimal auf das linke Bein geschlagen und ihm die Autoschlüssel abgenommen, gab der Angeklagte zu. Nach der Tat war er zunächst abgetaucht. Zwei Monate später hatte sich der Mann gestellt und geständig gezeigt.

Bewährungszeit von drei Jahren

Die folgenden vier Monate Untersuchungshaft zeigten offensichtlich Wirkung. Er wolle auf keinen Fall ins Gefängnis, sagte der Angeklagte. Und weil er sich in den zwölf Monaten seit der Haftentlassung an alle Auflagen gehalten hat, die Türsteher-Szene meidet, Vater geworden ist und einer geregelten Arbeit nachgeht, setzten Richter und Schöffen die verhängte Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf drei Jahre zur Bewährung aus.

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Das ist deshalb ungewöhnlich, weil der 32-Jährige einschlägige Vorstrafen hat und die Tat während einer Bewährungszeit begangen wurde. Er konnte das Gericht aber davon überzeugen, dass er die Tat bereue, der Szene den Rücken zugewandt habe und auch in der Lage sei, eine Geldauflage in Höhe von 4500 Euro abzustottern und die Kosten des Verfahrens zu tragen.

„Das Geständnis spricht für Sie“

Der Geschädigte, dessen Verletzungen laut Richter Märkle „überschaubar“ waren, wollte zum Tathergang vor Gericht keine Angaben machen. Er sagte aber, dass der Angeklagte sich bei ihm entschuldigt und er die Entschuldigung angenommen habe. „Das Geständnis und vor allem der Aufklärungsgehalt des Geständnisses spricht für Sie. Sie hätten das Verfahren sehr eklig machen können, indem sie nichts gesagt hätten“, sagte Märkle bei der Urteilsbegründung. In einem langen Hauptverfahren zum gleichen Sachverhalt sei weit weniger ans Licht gekommen und im Detail werde die Justiz diesen Fall wohl nie ganz aufklären können.