Im Katastrophenfall sind die Amateurfunker sofort zur Stelle und bauen ein Kommunikationsnetz auf: Zur Amateurfunkmesse Ham Radio am Wochenende in Friedrichshafen startet der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) ein bundesweites Notfall-Netz – mit dem Notfunk Bodensee als Pilotprojekt.

Das Ahrtal hat es gezeigt: Katastrophen können blitzschnell und überall kommen. Wenn dann noch Strom und Kommunikationsnetze ausfallen, wird es vor allem für die Einsatzkräfte dunkel. Künftig sollen die Amateurfunker sofort mit Know-how und Technik vor Ort sein und per Satellitenkontakt ein flächendeckendes WLAN aufbauen. Internet, Handys und Telefone funktionieren dann wieder.

Pilotprojekt startet am Bodensee

Der Deutsche Amateur-Radio-Club baut mit seinen rund 33.000 Mitgliedern nun ein bundesweites Netzwerk an Notfall-Stützpunkten auf. Das Pilotprojekt startet am Bodensee: Mit einem Stützpunkt in Markdorf und komplett ausgestatteten Notfall-Fahrzeugen. „Dazu hatten wir eigens den kleinen Verein Notfunk Bodensee gegründet“, sagt Robert Traussnig, Vorsitzender der DARC-Ortsgruppe Friedrichshafen mit rund 80 Mitgliedern. „Zusammen mit den DARC-Freunden aus den Landkreisen Ravensburg und Lindau werden wir diese Initiative jetzt ausbauen, damit wir eine richtige Region und die notwendige Mannschaftsstärke beieinanderhaben.“

Für die Notfunk-Zentrale stellt die Firma Intimus in der Bergheimer Straße die Räume zur Verfügung. Diese teilt sich der Notfunk Bodensee jetzt bereits mit der Toolbox, einem Maker- und Computerverein. „Das ist jetzt schon ein wundervoller Austausch mit den findigen jungen Menschen“, freut sich Traussnig. „Wir haben hier dann einen Besprechungsraum für rund 20 Personen, einen Funkraum, eine Küche und die Genehmigung, große Antennen aufs Dach zu montieren.“

Die Amateurfunker treffen sich am Wochenende auf der Messe Ham Radio in Friedrichshafen. Dort wird auch das neue Projekt vorgestellt.
Die Amateurfunker treffen sich am Wochenende auf der Messe Ham Radio in Friedrichshafen. Dort wird auch das neue Projekt vorgestellt. | Bild: Silke Magino

Massiver Pick-Up ist der ganz Stolz der Amateurfunker

Vor dem künftigen Stützpunkt im Markdorfer Industriegebiet steht der neue Stolz der Amateurfunker vom See: Ein Ford F550 Super Duty, ein massiver Pick-Up mit V8-Dieselmotor, Platz für sechs Personen und einem perfekt ausgestatteten Funk-Shelter hintendrauf. Gestiftet wurde das Einsatzfahrzeug von der Firma Airbus Defence & Space in Immenstaad. Robert Traussnig leitet dort die Qualitätssicherung für Erdbeobachtungs-Satelliten – und eine weitere Gruppe begeisterter Funker. „Wir sind eine Gruppe bei Airbus, die sich hauptberuflich mit Satellitenkommunikation beschäftigt und sich als Hobby dem Amateurfunk widmet.“

Da kommt eine Menge Know-how zusammen – und die großzügige Unterstützung der Firma. Der Ausbau erfolgte in Eigenregie: „Wir haben da viele tausend Arbeitsstunden und eigenes Geld reingesteckt. Ich bin auch viel mit dem Hut herumgegangen; die Satellitenschüssel hat uns der Hersteller ND SatCom in Immenstaad spendiert.“ Einiges vom Innenleben der Funkkabine mit zwei Arbeitsplätzen stammt aus aufgelösten Airbus-Laboren, wo sie sich bedienen durften, anderes aus eigenen Beständen oder Zukauf.

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Fahrzeuge in Markdorf sind jederzeit einsatzbereit

Mit dem geländegängigen Fahrzeug ist die Crew von Notfunk Bodensee in der Lage, in kürzester Zeit vor Ort zu sein, über Satellit eine flächendeckende Kommunikations-Infrastruktur mit WLAN aufzubauen und eine Notfall-Stromversorgung mit 12, 24 und 230 Volt, gespeist aus Akkus und im Notfall über Motor und eine zweite Lichtmaschine. „Der Ford hat einen 140-Liter-Tank – das dürfte für eine Weile reichen“, sagt Robert Traussnig.

Dass sie ihr Allrad-Monster mit 7,5 Tonnen und 340 PS Krümel getauft haben, zeigt die gute Laune, mit der die Funkamateure an ihr Projekt herangehen. Ein zweites Fahrzeug auf der Basis eines Mercedes G, ähnlich ausgestattet wie Krümel, steht ebenfalls für die Notfunkzentrale bereit. Es ist im Eigentum von Airbus, da die Amateurfunker eng mit der dortigen Werksfeuerwehr zusammenarbeiten. Beide Fahrzeuge hängen vor der Markdorfer Zentrale ständig am Ladestrom: „Wie die Feuerwehr können wir also jederzeit sofort ausrücken“; sagt Robert Traussnig.

Nutzung der Funkanlage auf dem Gehrenbergturm

Was noch ansteht, ist die weitere Nutzung der Funkanlage auf dem Gehrenbergturm. Dort sind die Funkamateure derzeit bei Netze BW eingemietet, die den Standort aber aufgeben will. Der Notfunk Bodensee führt bereits Gespräche mit der Stadt Markdorf und wäre bereit, die Relaisstation weiterzuführen. Der Standort Gehrenberg ist für die Funker ideal, um ein stabiles Netz von Bregenz bis Überlingen und bis hinüber in die Schweiz aufzubauen.

Der Standort Gehrenberg ist für die Funker ideal, um ein stabiles Netz aufzubauen.
Der Standort Gehrenberg ist für die Funker ideal, um ein stabiles Netz aufzubauen. | Bild: Jörg Büsche