„Es wird lange dauern, bis wir wieder Veranstaltungen haben werden, wie vor der Corona-Zeit“, sagt Stefan Burgenmeister. Er ist Meister für Veranstaltungstechnik und Inhaber von B. Light Veranstaltungen in Frickingen-Altheim. „Allein die Auflagen verhindern das. Es ist mittlerweile schon richtig schwierig, freie Veranstaltungstechniker zu finden, weil diese mittlerweile in anderen Jobs arbeiten.“

Hat seinen Optimismus und seine Zuversicht nicht verloren: Stefan Burgenmeister von B. Light Veranstaltungen aus Altheim. Er illuminierte die Kleinkunstbühne Alte Fabrik in Mühlhofen.
Hat seinen Optimismus und seine Zuversicht nicht verloren: Stefan Burgenmeister von B. Light Veranstaltungen aus Altheim. Er illuminierte die Kleinkunstbühne Alte Fabrik in Mühlhofen. | Bild: Reiner Jäckle

Es ist keine einfache Zeit für Veranstaltungstechniker. Für sie und für alle Kulturschaffenden gab es am Dienstagabend zum zweiten Mal die bundesweite Aktion „Night of Light“. Dabei wurden zahlreiche Gebäude in tiefrotes Licht getaucht, bei uns in der Region waren das beispielsweise das Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen, das Bischofschloss in Markdorf und der Mantelhafen in Überlingen. Unter dem Motto „Alarmstufe rot“ leuchteten aber auch unter anderem die Siegessäule und die Max-Schmeling-Halle in Berlin, die Carl-Benz-Arena in Stuttgart und der Wasserturm auf Langeoog.

Das Markdorfer Bischofschloss wurde von See-Event aus Friedrichshafen rot beleuchtet.
Das Markdorfer Bischofschloss wurde von See-Event aus Friedrichshafen rot beleuchtet. | Bild: Reiner Jäckle

„Es hagelte Absage um Absage“

„Wir müssen dem sechstgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands und seinen über eine Million Beschäftigten eine gesicherte Perspektive verschaffen, um endlich wieder wirtschaftlich tätig sein zu können“, erklärt Jan Kalbfleisch, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft. Einer dieser eine Million Beschäftigten ist Stefan Burgenmeister. Und seine Perspektive ist alles andere als rosig.

„Meine letzte reguläre Präsenzveranstaltung war die Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten in Uhldingen-Mühlhofen“, erinnert sich der 33-Jährige. „Danach hagelte es Absage um Absage.“ Die ein oder andere Veranstaltung konnte digital per Livestream realisiert werden. Zudem gab es im vergangenen Sommer noch einige kleinere Veranstaltungen wie das Autokino in Unteruhldingen und die Open-Air-Kabarett-Serie in Mühlhofen, an denen er beteiligt war. Wirtschaftlich lohnend war das allerdings kaum. „Es ging mir vor allem darum, dass überhaupt etwas stattfindet und die Kulturbranche nicht ganz am Boden liegt“, erklärt Stefan Burgenmeister.

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Er habe zwar staatliche Hilfen erhalten, die decken ihm zufolge aber bei Weitem nicht die laufenden Kosten. Und die Gespräche mit den Banken über Kredite waren und sind extrem schwierig, weil die tatsächlich großen Werte an Material nicht zählen, weil es sogenannte bewegliche Güter sind. „Die Banken wollen in einer perspektivlosen Situation viele Sicherheiten“, so der Veranstaltungstechniker. „Sie haben mir im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen.“ Es seien aber sehr viele Stunden an Gesprächen notwendig gewesen.

Schaukasten leer, Kulturhaus in Not: Mit dem rot angestrahlten Gebäude wollte Claus-Michael Haydt, Geschäftsführer und Mitgründer der Kulturhaus Caserne gGmbH in Friedrichshafen, nicht nur auf die eigene Lage aufmerksam machen: „Für uns ist das vor allem auch ein Zeichen der Solidarität mit wirklich der gesamten Veranstaltungsbranche. „Da gibt es Bereiche, die viel stärker betroffen sind als wir. Das merken wir aktuell auch bei der Planung: Viele Tontechniker etwa machen jetzt etwas völlig Anderes beruflich, weil die Überbrückungshilfen nicht kamen oder sie in den Hilfsprogrammen nicht ausreichend inbegriffen waren. So etwas gab es bisher noch nie, eine Zeit ganz ohne Kultur: Die Kultur hat bislang während jeder Krise noch stattgefunden, selbst in Kriegen haben kulturelle Veranstaltungen die Menschen auf ihre Weise getragen.“
Schaukasten leer, Kulturhaus in Not: Mit dem rot angestrahlten Gebäude wollte Claus-Michael Haydt, Geschäftsführer und Mitgründer der Kulturhaus Caserne gGmbH in Friedrichshafen, nicht nur auf die eigene Lage aufmerksam machen: „Für uns ist das vor allem auch ein Zeichen der Solidarität mit wirklich der gesamten Veranstaltungsbranche. „Da gibt es Bereiche, die viel stärker betroffen sind als wir. Das merken wir aktuell auch bei der Planung: Viele Tontechniker etwa machen jetzt etwas völlig Anderes beruflich, weil die Überbrückungshilfen nicht kamen oder sie in den Hilfsprogrammen nicht ausreichend inbegriffen waren. So etwas gab es bisher noch nie, eine Zeit ganz ohne Kultur: Die Kultur hat bislang während jeder Krise noch stattgefunden, selbst in Kriegen haben kulturelle Veranstaltungen die Menschen auf ihre Weise getragen.“ | Bild: Lena Reiner

Veranstaltungstechniker – und jetzt auch Spediteur

Und Stefan Burgenmeister hat auch in der schier aussichtslosen Situation versucht, Lösungen zu finden und unter anderem anderweitig Umsätze zu generieren. Außerdem setzte er sich dafür ein, dass kulturelle Veranstaltungen stattfinden, auch wenn er teilweise nur kostendeckend arbeitete. Ein Weg für ihn war, seinen Lastwagen zum Speditionsfahrzeug umzurüsten. Allerdings war das Ganze nicht einfach, denn dazu benötigte er auch eine Lizenz und eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Der Papierkrieg war immens“, sagt er. „Es ist deutlich schwieriger, die Lizenz zum grenzüberschreitenden gewerblichen Güterverkehr zu bekommen als einen Waffenschein.“ Und vor allem sehr viel teurer.

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Um Lebensmittel transportieren zu können, hat Burgenmeister ein Kühlaggregat in seinen Lkw eingebaut. „Zusammen mit den Prüfungen, Bewilligungen und dem Umbau hat mich das eine fünfstellige Summe gekostet.“ Und etwa fünf Monate Zeit. Nun kann er aber seit Ende März fünf bis sechs Tage die Woche als Ein-Mann-Spedition arbeiten. „Man muss einfach nach vorne schauen“, sagt der 33-Jährige zu seiner Motivation. „Jetzt habe ich wenigstens ein zweites Standbein.“

Der Überlinger Mantelhafen und vor allem die MS Bodensee und die MS Föhn wurden von der Party-Bodensee Eventagentur aus Owingen in rot getaucht.
Der Überlinger Mantelhafen und vor allem die MS Bodensee und die MS Föhn wurden von der Party-Bodensee Eventagentur aus Owingen in rot getaucht. | Bild: Reiner Jäckle

Allerdings hat dieses Engagement, um finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen zu können, auch eine Kehrseite: Es führt dazu, dass seine staatliche Hilfe gekürzt wird, obwohl er selbst investieren musste. „Meine Umsätze sind durch den Güterverkehr wieder etwas gestiegen“, erklärt Burgenmeister. „Dadurch wird mir aber die Überbrückungshilfe gekürzt.“

Eines steht für Stefan Burgenmeister fest: „Ich bin und bleibe Veranstaltungstechniker.“ Mittlerweile bekommt er täglich neue Anfragen. Da allerdings schon jetzt von einer vierten Welle im Herbst geredet wird, herrscht auch eine gewisse Unsicherheit. Und: „Es ist unheimlich schwierig, freie Techniker für solche Aufträge zu bekommen“, sagt Burgenmeister. „Sehr viele haben sich sichere Jobs gesucht und sind nun nicht mehr ohne weiteres buchbar.“

Die Seeseite des Graf-Zeppelin-Hauses in Friedrichshafen wurde am Aktionstag ebenfalls rot angestrahlt.
Die Seeseite des Graf-Zeppelin-Hauses in Friedrichshafen wurde am Aktionstag ebenfalls rot angestrahlt. | Bild: Lena Reiner

Dennoch schaut der 33-Jährige aus Altheim positiv und zuversichtlich in die Zukunft: „Für mich ist wichtig, Lösungen zu finden und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.“ Dennoch geht er davon aus, dass es größere Veranstaltungen erst einmal nicht gibt. So lange versucht Stefan Burgenmeister zweigleisig zu fahren – mit seiner Veranstaltungsfirma und als Ein-Mann-Spedition.

Deshalb hat auch er sich an der Aktion „Night of Light“ am Dienstagabend beteiligt und die Kleinkunstbühne Alte Fabrik in Mühlhofen illuminiert. „Das haben wir im vergangenen Jahr auch schon gemacht“, erklärt er. „Auch dieses Jahr möchten wir damit ein Zeichen setzen, dass für die Kultur- und Veranstaltungsbranche Alarmstufe rot ist.“