Die Weite der Wüste, Dünen, Sand und Kamele in freier Wildbahn. Es knattern Motoren. Steven Niemeyer aus Friedrichshafen und Bastian Staude aus Überlingen sind seit dem 7. Mai mit Motorrädern in Nordafrika unterwegs. Sie nehmen an einer Rallye teil – und haben seither einiges erlebt. „Wir sind gerade pünktlich in Zagora angekommen“, berichtet Steven Niemeyer am 18. Mai gegen 19 Uhr am Telefon. Die Hälfte der Tour ist in etwa geschafft. Sie schlafen das erste Mal seit Längerem wieder in einem Hotel – „zum Glück mit Klimaanlage“, sagt Niemeyer angesichts der 40 Grad Hitze erleichtert.

„Die Tour war bisher sehr aufregend“, berichtet er. Sie seien zwar schon oft im Urlaub gewesen. Aber, so der Häfler, „das ist etwas ganz anderes, wir sind viel individueller unterwegs“. Auf sich alleine gestellt sind die beiden aber nicht. Insgesamt nehmen rund 100 weitere Abenteurer an der Rallye teil. „Wenn einer Probleme hat, hilft immer ein anderer“, erzählt Niemeyer. Und es gab bereits eine ganze Menge Probleme.

Steven Niemeyer fährt mit seiner knapp 40 Jahre alten BMW R 80 durch Nordafrika. Auch an seinem Motorrad gab es bereits einen Defekt.
Steven Niemeyer fährt mit seiner knapp 40 Jahre alten BMW R 80 durch Nordafrika. Auch an seinem Motorrad gab es bereits einen Defekt. | Bild: Bastian Staude

Nach Unfall: Motor mit der Zahnbürste gereinigt

Bei einem Mitfahrer habe eine Schraube geleckt – Öl trat aus. „Wir sind zwar keine Schrauber-Profis, aber wir hatten Klebeband dabei und haben daraus einen Dichtungsring improvisiert. Man kann immer helfen“, erzählt Staude. Und auch sie selbst hat es schon erwischt mit ihren 30 und 40 Jahre alten Motorrädern.

Steven Niemeyer erzählt von seinem Unfall: „Ich habe nach hinten zu Bastian geschaut. Als ich mich wieder nach vorne gedreht habe, lag ich schon im Graben.“ Danach sei Öl aus dem Motor gelaufen – und stattdessen Sand eingedrungen. „Viele denken, das wäre ein Totalschaden“, so Niemeyer. Doch sie hätten den Motor mir einer Zahnbürste gereinigt und danach mit einer Mischung aus Ölresten von Mitfahrern aufgefüllt.

Bastian Staude bei einer Pause auf einer Offroad-Strecke nahe Agadir.
Bastian Staude bei einer Pause auf einer Offroad-Strecke nahe Agadir. | Bild: Bastian Staude

Bisherige Route: Von der Westküste ins Landesinnere

Ihre bisherige Route hat sie von Tanger im Norden Marokkos an der Westküste entlang nach Süden geführt – bis in die West-Sahara. Hier sei die Hitze noch auszuhalten gewesen, es ging eine leichte Brise. Dann schwenkten sie nach Osten ins Landesinnere, seither ging es durch die Wüste. „Den härtesten Teil der Rallye haben wir jetzt hinter uns“, sagt Niemeyer. Damit meint er vor allem: Hitze und Hygiene. „Es hat über 40 Grad. Beim Fahren fühlt es sich an, als würde einem ein heißer Föhn ins Gesicht blasen“, beschreibt Staude die Strapazen.

Was sie zu dabei zu schätzen gelernt haben? „Den Wert anständiger Toiletten und Hygiene“, lacht Niemeyer. In der West-Sahara habe es kein fließendes Wasser gegeben, als Toiletten würden Löcher im Boden ohne Waschbecken dienen. Das Problem: „Man isst hier mit Brot statt Besteck. Deshalb will man sich eigentlich ständig die Hände waschen“, berichtet Niemeyer. Staude: „Man vermisst die europäischen Standards doch recht schnell.“

Nicht alle Unterkünfte seien hygienisch und gemütlich gewesen, berichten die Rallye-Teilnehmer vom Bodensee. Im Bild: der Campingplatz ...
Nicht alle Unterkünfte seien hygienisch und gemütlich gewesen, berichten die Rallye-Teilnehmer vom Bodensee. Im Bild: der Campingplatz Sidi-Wassay. | Bild: Steven Niemeyer

Das erste Mal in der Wüste

Doch die beiden haben auch einige Menge positiver Eindrücke gesammelt. „Das erste Mal in der Wüste war krass – wie im Film: die Sanddünen, die Weite, der feine Sand und freilaufenden Kamele“, beschreibt Niemeyer. Und Staude ergänzt: „Die Weite ist extrem. Man fährt 100 Kilometer, aber die Landschaft sieht noch genauso aus. Man sieht kaum Menschen, das war etwas ganz Neues für uns.“

Eine Gebirgsstraße nahe Timkti.
Eine Gebirgsstraße nahe Timkti. | Bild: Bastian Staude

Und wenn sie doch Menschen treffen, fällt ihnen so einiges auf. Niemeyer berichtet: „Der Verkehr hier ist deutlich improvisierter. Wir haben in den zwei Wochen hier noch keine einzige Ampel gesehen.“ Die Vorfahrt an Kreuzungen werde über Blicke geregelt. Und, ergänzt Bastian Staude, „die Fahrzeuge sind teils in abenteuerlichem Zustand.“ Rollerfahrer würden zwar keine Helme tragen, dafür aber Flipflops. „Und sie machen Wheeleys, wenn sie uns sehen“, erzählt er. Zudem seien die Menschen hilfsbereit gegenüber den Rallye-Teilnehmern. „Auch wenn man jemandem ansieht, dass er sehr selbst wenig hat, wollen sie immer etwas geben“, erzählt Steven Niemeyer.

Zwischenstopp an einer Tankstelle bei Tamri.
Zwischenstopp an einer Tankstelle bei Tamri. | Bild: Steven Niemeyer

„Es ist anstrengender als gedacht“

Das Zwischenfazit der beiden Abenteurer fällt daher gemischt aus. Die Rallye-Tage seien teilweise sehr lang. Sie fahren 300 bis 350 Kilometer am Tag – meist bei Tempo 50. „Wir sind deshalb sechs bis sieben Stunden am Tag im Sattel. Das ist man abends geschlaucht“, sagt Staude. Niemeyer stimmt zu: „Es ist anstrengender als gedacht. In manchen Momenten war es sogar etwas zu viel und ich wollte zurück zum deutschen Komfort.“ Er sei froh, dennoch weiter dabei zu sein. „Wir sehen jeden Tag etwas anderes, lernen viele Menschen kennen. Diese Reise ist die Strapazen auf jeden Fall wert“, sagt er.

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Die restliche Tour führt die beiden nun wieder nach Norden, durch das Atlasgebirge zurück nach Tanger, wo eine Fähre sie am 25. Mai zurück nach Europa bringt. Darauf freuen sich die beiden bereits. Denn, erklärt Niemeyer: „Wir hatten bisher kaum Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Das machen wir dann in Ruhe zuhause.“

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