Mit diesem „Empfangskomitee“ in Friedrichshafen hatte die Besatzung der Wizz-Air-Maschine am Mittwochabend sicher nicht gerechnet. Begleitet von Polizisten, baten der Sozialdezernent des Bodenseekreises, Ignaz Wetzel, und seine Mitarbeiterin Miriam Macak nach Erreichen der Parkposition auf dem Rollfeld am Bodensee-Airport darum, im Flieger eine Durchsage machen zu dürfen.

Polizeibeamte des Flughafenpostens und Sozialdezernet Ignaz Wetzel erläutern der Besatzung der Wizz-Air-Maschine, dass man die Fluggäste über die Möglichkeit von Corona-Tests im Flughafen noch an Bord informieren möchte.
Polizeibeamte des Flughafenpostens und Sozialdezernet Ignaz Wetzel erläutern der Besatzung der Wizz-Air-Maschine, dass man die Fluggäste über die Möglichkeit von Corona-Tests im Flughafen noch an Bord informieren möchte. | Bild: Cuko, Katy

Die Maschine kommt aus Skopje in Nordmazedonien

Die 98 Passagiere an Bord werden darüber informiert, dass sie im Flughafen-Terminal die Gelegenheit haben, sich freiwillig und kostenlos einem Corona-Test zu unterziehen; erst in deutsch, dann – dank Miriam Macak – in serbisch und letztlich auch noch auf mazedonisch, was eine Stewardess übernimmt. „Die Crew war sehr verständnisvoll“, erklärt Wetzel später. Denn die Maschine kommt aus Skopje in Nordmazedonien, das aktuell zu den Risikoländern zählt. Auch hier sind die Infektionszahlen wieder bedenklich angestiegen.

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Passagiere, die aus Skopje in Nordmazedonien anreisen, das zum Corona-Risikogebiet zählt, verlassen am Flughafen Friedrichshafen eine Maschine der Wizz Air.
Passagiere, die aus Skopje in Nordmazedonien anreisen, das zum Corona-Risikogebiet zählt, verlassen am Flughafen Friedrichshafen eine Maschine der Wizz Air. | Bild: Cuko, Katy

Wenig später betreten die Reiserückkehrer die Flughafenhalle. Ein Teil ist mit rot-weißen Flatterbändern abgesperrt. Auch hier sprechen Wetzel und Miriam Macak die Passagiere direkt an, ob sie sich testen lassen möchten. Ein Vater mit seiner kleinen Tochter strebt direkt dem Ausgang entgegen. Das Mädchen rennt zur wartenden Mutter, beide drücken sich herzlich. Der Mann zögert. „Musst du oder nicht“, fragt seine Frau. Er schüttelt den Kopf. „Dann komm“, ruft sie. Wenig später dreht der Mann um und läuft doch zum Testcenter.

Mitarbeiter des THW bauen am Flughafen die Corona-Teststation im Terminal auf.
Mitarbeiter des THW bauen am Flughafen die Corona-Teststation im Terminal auf. | Bild: Cuko, Katy

Entscheidung für Teststation fiel am Nachmittag

Das Testcenter hatte der Landkreis gut eine Stunde vor Ankunft des Fliegers im Terminal mithilfe des Technischen Hilfswerks aufbauen lassen. Die Entscheidung fiel erst am selben Nachmittag im Corona-Leitungsstab der Kreisbehörde, bereits bei diesem Flug aus einem Risikogebiet den Test auf freiwilliger Basis anzubieten. Denn noch ist er nicht verpflichtend. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine entsprechende Verordnung angekündigt, die ab Anfang August gelten soll.

Landrat Lothar Wölfle bespricht mit einem Polizisten des Polizeipostens Flughafen den Ablauf der ersten Corona-Testung.
Landrat Lothar Wölfle bespricht mit einem Polizisten des Polizeipostens Flughafen den Ablauf der ersten Corona-Testung. | Bild: Cuko, Katy

Landrat Wölfle will nicht auf Verordnungen warten

„Wir warten nicht, wir handeln“, hatte Landrat Lothar Wölfle kurz vor der Ankunft des Fliegers aus Skopje erklärt. Wie so oft während der Pandemie habe auch an diesem Nachmittag ein Anruf genügt, um die nötigen Mitstreiter schnell an Bord zu haben. „Sensationell“, lobt Wölfle das Engagement von THW, Feuerwehr und auch der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie trägt die Testkosten, solange das nicht politisch geregelt ist.

Dr. Uwe Metzinger macht im Corona-Testzentrum am Flughafen Friedrichshafen einen Abstrich, für den sich sein Kollege Karl-Josef Rosenstock zu Demonstrationszwecken zur Verfügung gestellt hat.
Dr. Uwe Metzinger macht im Corona-Testzentrum am Flughafen Friedrichshafen einen Abstrich, für den sich sein Kollege Karl-Josef Rosenstock zu Demonstrationszwecken zur Verfügung gestellt hat. | Bild: Cuko, Katy

Auch ein Hausarzt ist spontan bereit zu diesem abendlichen Einsatz. Uwe Metzinger von der Gemeinschaftspraxis in Ailingen hat viel Erfahrung mit Corona-Tests. Neben einigen Diensten in der Fieberambulanz des Kreises auf der Messe gehört seine Praxis zu den derzeit sechs Schwerpunktpraxen im Bodenseekreis, die Corona-Tests anbieten. Wenig später zeigt er am Beispiel seines Kollegen Karl-Josef Rosenstock, wie die Flugpassagiere durch die Testschleuse – ein knallrotes Zelt mitten im Ankunftterminal – gelotst werden.

Die ersten Passagiere der Maschine aus Skopje/Nordmazedonien lassen im spontan aufgebauten Testzentrums am Flughafen Friedrichshafen einen Abstrich machen.
Die ersten Passagiere der Maschine aus Skopje/Nordmazedonien lassen im spontan aufgebauten Testzentrums am Flughafen Friedrichshafen einen Abstrich machen. | Bild: Cuko, Katy

Wie schätzt Uwe Metzinger die Lage ein? Als vor zwei Wochen die Infektionszahlen in Friedrichshafen – verursacht durch einen Reiserückkehrer aus Serbien und zwei Parties – wieder hochschnellten und die Nachricht die Runde machte, „war die Aufregung groß“, sagt der Hausarzt. Etwa 60 Leute ließen sich da jeweils an zwei Tagen testen. Derzeit werden in seiner Praxis etwa 10 bis 15 Abstriche pro Tag gemacht.

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Ankunft der Passagiere am Flughafen Friedrichshafen
Ankunft der Passagiere am Flughafen Friedrichshafen | Bild: Cuko, Katy

Viele sind nur auf der Durchreise

Am Flughafen nutzen nach Auskunft der Kreisbehörde 29 Passagiere aus Skopje den Corona-Test. Das Ergebnis sollte heute vorliegen, erklärt Uwe Metzinger. Dass nur ein Drittel der Fluggäste vom Test Gebrauch machte, erklärt sich damit, dass viele in Friedrichshafen nur zur Durchreise gelandet sind. So erklärte ein Schweizer, dass seiner Frau der Test nichts nütze. Selbst ein negatives Ergebnis schütze bei den Eidgenossen nicht vor der dort zehntägigen Quarantäne. In Deutschland müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten 14 Tage verpflichtend in Quarantäne, sofern sie keinen Negativtest vorweisen können. Die Frau lässt den Abstrich trotzdem machen. Aber auch Fluggäste, die in Österreich und Liechtenstein wohnen, sind unter den Passagieren, die sich testen lassen.

Am Freitag landet der nächste Flieger aus Tuzla in Friedrichshafen; auch Bosnien-Herzegowina gehört zu den Risikogebieten. Ab jetzt wird am Flughafen getestet.

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