„Wir merken derzeit, dass die Anfragen von Urlaubsgästen sehr verhalten sind“, schildert Franziska Buckreus von der Tourist-Information Immenstaad. Wie etliche andere Touristiker ist sie sich aber sicher: Sobald es seitens der Politik Öffnungsperspektiven für Hotels und Restaurants gibt, wird sich die Situation schlagartig ändern. „Dann wird es bei uns richtig losgehen mit den Buchungen“, so Buckreus.

Insbesondere Ferienwohnungen sind gefragt

Ein Trend dürfte nach Einschätzung vieler Tourismusexperten dabei anhalten: Ferienwohnungen sind auch für den kommenden Sommer sehr gefragt. Viele, die gerne an den Bodensee kommen möchten, hoffen darauf, dass das bereits an Ostern wieder möglich ist.

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Das bestätigt Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH: „Insgesamt sind die aktuellen Anfragen und Buchungen im Vergleich zu den Vorjahren eher verhalten. Durch die Schönwetter-Phase in den letzten Tagen ist die Anzahl aber deutlich gestiegen und wir merken, dass die Interessenten vermehrt positiv nach vorne schauen und sich mit der Urlaubsplanung für 2021 beschäftigen. Insbesondere Aufenthalte in Verbindung mit der Landesgartenschau werden verstärkt nachgefragt.“

„Auch wenn die Politik in der Pandemie-Situation noch keinen Ausblick für den Tourismus gibt, nehmen wir Buchungen ab Mai an“, sagt Lina Flohr von der Lindau Tourismus und Kongress GmbH. „Insgesamt ist die Buchungslage für die Sommermonate Juli und August sehr gut.“

Auch hier sind insbesondere Ferienwohnungen gefragt. „Diesen Trend haben wir bereits 2020 gespürt und das scheint für die Gäste ein erhöhter Sicherheitsfaktor zu sein“, betont Flohr und ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass ein Aufenthalt in Hotels mit entsprechenden Hygienekonzepten mindestens genauso gut umsetzbar und zu genießen ist.“ Für März und April seien aktuell keine Buchungen vorhanden, was sicherlich mit dem bestehenden Lockdown zusammenhänge. „Wir gehen davon aus, dass Lockerungen im touristischen Bereich auch gleichzusetzen sind mit Buchungsanfragen.“

Buchungslage in den Hotels: „lau“ und „mit viel Luft nach oben

Verzweifelt sind dagegen viele Restaurantbesitzer. Ludwig Gehring ist Hotel- und Gaststätteninhaber und außerdem im Vorstand des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Lindau aktiv. Er kündigt an, dass Gastwirte am Montag bayernweit einen gedeckten Tisch vor ihre Gaststätten stellen – ein stiller Protest gegen die Schließung.

Die Buchungslage für die kommenden Monate beschreiben die Hoteliers am bayerischen Bodensee im Moment als „lau“ und „mit viel Luft nach oben“ – auch wenn in Lindau ab Mai die sogenannte „kleine Gartenschau“ stattfindet.

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Jeder weitere Tag der Schließung bedeutet nach Angaben von Gehring für etliche seiner Kollegen teilweise existenzielle Probleme. „Planungen sind noch schwierig zu handhaben. Es hat sich auch letztes Jahr gezeigt, dass zwar das À-la-carte-Geschäft wieder sehr gut geworden ist, aber Familienfeiern und Omnibusse fast bei Null lagen“, sagt Gehring. „Unter Umständen muss der Gast warten oder die Terrassen werden nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen Personalmangel ausgedünnt sein.“

„Mit Gastronomie läuft es aus dem Ruder“

In fünffacher Hinsicht vom Lockdown betroffen ist der Lindauer Gastronom Klaus Winter. Neben dem „Restaurant Strandhaus“ , betreibt er noch einen kleinen Laden auf dem Campingplatz, eine Grillschule, eine Ferienwohnung und ein Restaurantschiff. „Wirtschaftlich wäre es natürlich eine große Belastung, wenn über Ostern geschlossen bliebe“, sagt er. „Aber ich halte die Schließung über Ostern sogar für sinnvoll – denn sonst verpuffen die bisherigen Maßnahmen und wir müssen alle noch viel länger mit großen Einschränkungen rechnen, da bin ich mir sicher.“

Zu Ostern zu öffnen löse hier am Bodensee eine Lawine an Besuchern aus. „Das haben wir im vergangenen Jahr nach Ende des Lockdowns bereits alle erlebt“, so Winter. „Es sind schon ohne Gastronomie wieder sehr viele Menschen auf der Insel – mit Gastronomie läuft es aus dem Ruder. Und lieber halten wir jetzt noch ein bisschen länger durch, um dann einen vernünftigen Frühsommer und Sommer mit unseren Gästen zu haben“, hofft Winter.

Saisonstart der Weißen Flotte wird vorbereitet

Ebenfalls größtenteils vom Tourismus abhängig sind die Bodensee-Schiffsbetriebe mit Sitz in Konstanz (BSB). Schon der vergangenen Saison konnten die Schiffe der Weißen Flotte erst spät in See stechen. Wann es in diesem Jahr losgeht, ist offen. „Wir planen einen ‚normalen‘ Saisonstart, gleich wie in jedem Jahr“, sagt BSB-Sprecher Josef Siebler. „Sollte es doch zu einer Verschiebung des Saisonstarts kommen, kann eben kein Personaleinsatz erfolgen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben weiter in Kurzarbeit.“ Siebler äußert sich optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass es Ostern wieder losgehen kann.“

Startklar für die Saison liegen die Schiffe der BSB in den Häfen, wie hier in Friedrichshafen.
Startklar für die Saison liegen die Schiffe der BSB in den Häfen, wie hier in Friedrichshafen. | Bild: Susanne Hogl

Und die Buchungslage in Friedrichshafen? „Es werden von Woche zu Woche ein paar Anfragen mehr. Die Unsicherheit ist aber noch zu groß“, sagt Monika Blank, Sprecherin der Stadtverwaltung. Es seien daher weniger Anfragen als in den Vorjahren. Aktuell seien es eher Familien, die nach Ferienwohnungen fragen. Die Buchungslage sei schon ordentlich, „es sind aber auch noch Lücken vorhanden“, so Blank.

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Tourismusbüros sind noch geschlossen, die Mitarbeiter vor Ort aber telefonisch erreichbar. Außerdem sind natürlich Onlinebuchungen möglich. Ob allerdings alle Betriebe, in erster Linie kleinere Pensionen, Gaststätten, Cafés und Restaurants, nach dem zweiten Lockdown überhaupt wieder öffnen, dazu gibt es noch keine Erkenntnisse.