Nach der Würdigung der Architektenkammer Bodenseekreis als „beispielhaften Bau“ erntete die neue evangelische Auferstehungskirche nun in München weitere Meriten. Bei der Verleihung des Deutschen Ziegelpreises durften Dekanin Regine Klusmann und die verantwortlichen Planer im Haus der Architektur einen von sechs Sonderpreisen („Bauen im Bestand“) entgegennehmen, die nicht nur bundesweit vergeben wurden, sondern bis nach Afrika ausstrahlten.

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Auf diese weitere Würdigung ist nicht nur die Evangelische Landeskirche Baden als Bauherr stolz, sondern auch das Architekturbüro Wandel Lorch (Saarbrücken/Frankfurt), das insbesondere mit seinem Konzept der markanten Ziegelfassade einen städtebaulichen Akzent setzte. Für viele Kollegen in der Region war die Gestaltung gewöhnungsbedürftig, doch die Jury des Ziegel-Zentrums Süd, das den Preis in Partnerschaft mit dem Bundesinnenministerium vergibt, zeigte sich begeistert.

Das neue Gesicht des eingezwängten Gotteshauses, das mit dem Sonderpreis für "Bauen im Bestand" ausgezeichnet wurde.
Das neue Gesicht des eingezwängten Gotteshauses, das mit dem Sonderpreis für "Bauen im Bestand" ausgezeichnet wurde. | Bild: Hanspeter Walter

„Das bemerkenswerte hochwertige Portal, das den Kirchenbau zum Vorplatz im Süden hin um wenige Meter verlängert und leicht trichterförmig zum Eingang lenkt, erhielt eine kunstvoll ausgeführte Hülle aus weiß geschlämmtem, geschuppt wirkendem Klinker“, schreiben die Juroren in ihrer Beurteilung. „Die helle Freitreppe, von einer Mauer gefasst, komplettiert diese Hinführung zum tief in der Wand liegenden Eingangsportal.“ Das hohe Spitzbogenfenster im Südgiebel lasse Licht in den Innenraum dringen und mache die Klinkerhülle „allgegenwärtig“.

Auch der neue Innenraum kommt bei der Jury gut an

Der Reiz des Reliefs hatte es Architekt Wolfgang Lorch ganz besonders angetan. Damit wollte der Planer auch die Außenwirkung des Gotteshauses aufwerten und dessen privilegierter Lage im Stadtzentrum und in Seenähe gerecht werden. Zumal es nicht nur für die Kirchenfreunde unter den Touristen immer wieder ein Anziehungspunkt ist. Auch der neue Innenraum hatte es der Jury des Deutschen Ziegelpreises sehr angetan. „Man ahnt hier bereits, dass auch der umstrukturierte Kirchenraum selbst sich in neuem Glanz – ebenfalls strahlend weiß, geradezu mystisch und mit neuem Lichtkonzept – präsentiert.“

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Derlei Bewertungen hört Dekanin Regine Klusman natürlich sehr gerne. „Wir sind schon etwas stolz darauf und freuen uns sehr darüber“, sagt sie. Zumal eine solche Auszeichnung für eine Kirche schon etwas Besonderes sei. Zudem trage der Preis dazu bei, interessierte Architekten, aber auch interessierte Bürger darauf aufmerksam und neugierig zu machen.

Großes Interesse für Gotteshaus spürbar

Das gelinge einem Gotteshaus heutzutage nicht mehr so oft. Ja, dieses Interesse sei sogar schon spürbar geworden, noch bevor die verschiedenen Preise öffentlich publik geworden seien. Diesem Interesse entgegen kommt die neue öffentliche Zugänglichkeit der Kirche, derzeit zwischen 9 und 16 Uhr.

Der Blick nach oben zeigt, wie filigran die Fassade gearbeitet ist.
Der Blick nach oben zeigt, wie filigran die Fassade gearbeitet ist. | Bild: Hanspeter Walter

Kann die Atmosphäre von Räumen denn den Glauben beflügeln? Regine Klusmann nimmt die Frage wörtlich. „Beflügeln soll er den Glauben gar nicht“, erklärt die Pfarrerin. Das habe einst die Barockzeit versucht, indem sie quasi den Himmel für die Menschen optisch auf die Erde geholt habe. Das protestantische Gotteshaus solle mit seinen Räumen mit seiner Klarheit eher umgekehrt dazu beitragen, „den Glauben zu erden beziehungsweise die Gedanken zu konzentrieren und auf die Worte zu fokussieren, um zu sich selbst zu kommen“.