Die Fähre zwischen Friedrichshafen und Romanshorn könnte bald im Halbstundentakt fahren. Das Verkehrsministerium hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation am Bodensee zu optimieren. Derzeit ist die Fähre einmal pro Stunde unterwegs. Ein Umstellen des Fahrplans soll dazu führen, dass mehr Passagiere die Schiffe nutzen. Nach Informationen von Stefan Thalmann, Leiter der Abteilung für Öffentlichen Verkehr im Kanton Thurgau, wird der Stundentakt nur sehr dürftig angenommen. Bei der Einführung des Halbstundentakts könnte laut einer Potenzialstudie mittelfristig ein Anstieg um 150 000 Passagiere und Radfahrer, 20 000 Autos und 5000 Lastwagen und Busse pro Jahr erreicht werden, rund ein Drittel mehr als zurzeit. Außerdem würden die Züge in Romanshorn ab dem kommenden Jahr jeweils um 15 oder 45 Minuten nach der vollen Stunde halten. Ein Halbstundentakt der Fähren biete sich also an. Doch was wünschen sich eigentlich die Fahrgäste, die die Überfahrt mit dem Schiff derzeit in Anspruch nehmen? Der SÜDKURIER hat sich umgehört.

Bild: Singler, Julian
  • Passt Ihnen die aktuelle Taktung der Fähre? Der überwiegende Teil der befragten Passagiere ist mit den momentanen Fahrzeiten zufrieden. Robert Molle und Albert Rebler, zwei junge Männer, sind zu Fuß unterwegs. "Einmal pro Stunde passt", sagen sie. Die derzeitige Taktung reiche ihnen aus. Auch der Schweizer David Tobler ist mit der Situation zufrieden. "Ich habe es nicht eilig, dann geht es sehr gut." Eine mögliche Wartezeit könne direkt am Bodensee zudem gut überbrückt werden, meint der Fußgänger. Ursula Kienen aus der Schweiz fährt freitags gerne zum Markt nach Friedrichshafen. Als Rentnerin sei sie mit ihrem Fahrrad zeitlich flexibel. "Für Berufspendler ist ein Halbstundentakt natürlich besser. Nach Feierabend will man schließlich auch zeitig nach Hause", sagt sie. Auch Bruno Mauch ist Schweizer und Rentner. Ihm reiche der Stundentakt ebenfalls. Der 43-jährige Aytug Hacli aus Friedrichshafen arbeitet in der Schweiz. Er ist mit dem Stundentakt zufrieden, aber: "Ist eine Umstellung auf jede halbe Stunde realisierbar, wären ich und sicher auch andere Pendler flexibler."
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  • Finden Sie, dass der Preis für die Überfahrt fair ist? Ab dem 9. Dezember gilt bei der Fährverbindung zwischen Friedrichshafen und Romanshorn ein neuer Fahrplan. Die Preise werden etwas steigen und auch die Abfahrts- und Ankunftszeiten ändern sich. Bisher legt das Schiff stündlich zur Minute 17 in Friedrichshafen an und fährt um Minute 40 ab in Richtung Romanshorn. Zukünftig erreicht die Fähre Friedrichshafen zur Minute drei und legt um Minute 27 ab. Eine Einzelfahrt für Erwachsene kostet ab 9. Dezember 9,60 Euro (bisher 9,50 Euro). Hin- und Rückfahrt kostet demnächst 17,80 Euro (2018: 17,70 Euro). Auch Wochen-, Monats- und Jahreskarten werden teurer. Autofahrer zahlen für sich und den Wagen je nach Fahrzeuglänge zwischen 20,60 Euro (20,30 Euro) und 29,20 Euro (28,60 Euro). Pkw-Tageskarten kosten bald zwischen 33,10 Euro und 46,60 Euro. Rita Hess ist mit ihrem Mann im Auto unterwegs. Sie vertritt beim Thema Preisgestaltung eine klare Meinung. "Die Überfahrt kann nicht billiger angeboten werden, wenn die Angestellten darunter leiden müssen. Schließlich müssen sie auch etwas verdienen." Andere Passagiere sehen es ähnlich. Robert Molle und Albert Rebler zahlten je 9,50 Euro für die Fahrt mit der Fähre. Sie finden die Preisgestaltung ebenfalls in Ordnung. Rita Hess teilt diese Meinung und lobt die Preisstaffelung der Fähre. Je größer das Fahrzeug, desto mehr muss der Autofahrer für die Überfahrt zahlen.
  • Wie viel Zeit sparen Sie im Vergleich zum Umfahren des Bodensees mit dem Auto? 41 Minuten dauert die Fahrt mit der Fähre von Friedrichshafen nach Romanshorn und andersherum. Rita Hess und ihr Mann bräuchten zum Umfahren des Bodensees mit dem Auto rund eineinhalb Stunden, also fast doppelt so lange. Dementsprechend erleichtert ist sie, dass es eine Fährverbindung in die Schweiz gibt. "Vor einigen Jahren wurde darüber diskutiert, ob die Verbindung nach Romanshorn eingestellt wird. Wir fahren nicht oft in die Schweiz, aber sind froh, dass es die Fähre gibt. So können wir unkompliziert Bekannte besuchen." Aytug Hacli besitzt eine Jahreskarte für die Fähre. "Den restlichen Weg zu meiner Arbeitsstelle kann ich vom Hafen in Romanshorn aus mit der Straßenbahn zurücklegen." Er habe vor einiger Zeit überlegt, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, doch entschied sich bewusst dagegen. "An Bord des Schiffes ist es entspannter. Das Fährticket ist zudem günstiger."
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  • Ab Dezember werden die Fährtickets etwas teurer. Fahren Sie trotzdem auch weiterhin mit dem Schiff oder steigen Sie auf andere Verkehrsmittel um? Kilian und Rosemarie Klünter kommen aus Zürich und waren in Friedrichshafen zu Besuch bei Bekannten. Da die beiden selbst kein Auto mehr haben, nutzen sie die Überfahrt mit der Fähre. Leichte Preiserhöhungen stören sie nicht. Ursula Kienen besitzt ebenfalls kein eigenes Auto. Für sie kommt eine alternative Route deshalb nicht in Frage. "Die Autofahrer müssen aber auch den zeitlichen Aspekt berücksichtigen, denn den Bodensee mit dem Wagen zu umfahren, dauert viel länger. Da würde ich lieber ein klein wenig mehr für das Fährticket zahlen", so die Schweizerin. "Außerdem kann bei der Überfahrt auf dem Bodensee doch eine schöne Aussicht genossen werden", fügt Albert Rebler an. Der Schweizer Bruno Mauch teilt diese Meinung. "Ich genieße die Fahrt auf dem See. Hier sitze ich im Warmen." Von der Preiserhöhung ab 9. Dezember habe der Rentner bislang nichts gewusst. Nichtsdestotrotz werde er auch zukünftig mit der Fähre fahren. "Zehn Cent mehr für ein Einzelticket tun nicht weh."

Der SÜDKURIER rechnet nach

  • Fähre: Ein Auto mit einer Länge von bis zu fünf Metern kostet laut des zukünftigen Fahrplans 27 Euro (aktuell noch 26,30 Euro) pro einzelner Überfahrt – inklusive des Fahrers. Eine Pkw-Tageskarte, die am Lösungstag für eine Hin- und Rückfahrt gültig ist, kostet in diesem Längenbereich ab Dezember 42,70 Euro (momentan 42 Euro).
  • Auto: Wer auf eine Seefahrt mit der Fähre verzichtet und den Weg von Friedrichshafen nach Romanshorn mit dem Auto zurücklegt, muss für eine Strecke rund 82 Kilometer weit fahren – über Lindau und Bregenz. Dabei fallen nach Angaben des ADAC mindestens 30 Cent pro Kilometer an Kosten an, denn neben Sprit kommen beispielsweise Steuer oder Wertverlust hinzu. Je nach Fahrzeugtyp können die Kosten pro Kilometer auf bis zu 90 Cent steigen. Ergebnis: Mindestens 24,60 Euro kostet eine Fahrt von Friedrichshafen nach Romanshorn, mit Rückweg 49,20 Euro.
  • Fazit: Trotz der bald steigenden Preise für die Fähre bleibt die Hin- und Rückfahrt – in dieser Rechnung mit einer Person – weiterhin per Seeüberquerung am günstigsten. Neben Einzel- und Tagestickets haben Passagiere zudem die Möglichkeit, Monatstickets für die Fähre zu kaufen. Sitzen bei einer Autofahrt aber zum Beispiel mehrere Personen im Wagen, welche die Spritkosten untereinander aufteilen, kann sich das Bild verschieben. (jsi)