Auf dem Gelände der Fußacher Werft wurde ein Stück österreichische Geschichte wiederbelebt. Als Art-déco-Schiff wird die MS Oesterreich am 18. April nach vielen Jahren erstmals wieder in See stechen. Der Luxusliner war 1927 von der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft in Wien in Auftrag gegeben worden und sollte als erstes größeres Dieselmotorschiff den Bodensee befahren.

Von der Kriegsmarine beschlagnahmt

Die Bestandteile dieses damals noch revolutionären Fahrgastschiffs fertigte eine Werft in Niederösterreich vor und baute sie im Trockendock von Bregenz zusammen. Von zwei 300 PS starken Dieselmotoren wurde das Salonschiff auf mehr als 25 Stundenkilometer beschleunigt, bis ihm im Zweiten Weltkrieg der Treibstoff ausging. Dann beschlagnahmte die deutsche Kriegsmarine das inzwischen mit einem Tarnanstrich versehene Schiff und missbrauchte es zu Übungszwecken als Abschussrampe der Torpedoversuchsanlage „Seewerk“ vor Immenstaad.

Erstaunlicherweise behielt es, auch nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich, ihren Namen. Nach dem Krieg wurde das Schiff von der der französischen Marine konfisziert. Vom ehemaligen „Luxus-Liner“ war nicht viel übrig, als sich die Österreichische Bundesbahn 1952 gegen die Verschrottung und für die Restaurierung des armseligen Wracks entschieden hatte.

Nach einer zweijährigen Umbauzeit wurde die jetzt dreistöckige "Oesterreich" wieder als Fahrgastschiff in Betrieb genommen. Trotz des mangelhaften Materials, das nach dem Krieg zur Verfügung stand, war ein Kunstwerk entstanden, dessen geschmackvolle Inneneinrichtung späteren, weniger gelungenen Neugestaltungsversuchen zum Opfer fiel. Im Jahr 2009 lief sie zu ihrer vorerst letzten Fahrt aus dem Bregenzer Hafen aus und lag erneut restaurierungsbedürftig im Hafen der Fußacher Werft. 2015 gelang es einem Förderverein, von ein paar Enthusiasten gegründet, das Schiff für einen Euro zu kaufen.

22. März 1928: Die MS Oesterreich wird im Trockendock von Bregenz zusammengebaut. Dieses war durch einen Kanal mit dem Hafen verbunden.
22. März 1928: Die MS Oesterreich wird im Trockendock von Bregenz zusammengebaut. Dieses war durch einen Kanal mit dem Hafen verbunden. | Bild: Förderverein MS Oesterreich

Schiffsaufbau auf sechs Tiefladern

Nachdem die Oesterreich mühsam in drei Teile zerlegt aus dem Wasser gehoben war, musste Stück für Stück verrostete Substanz entfernt werden, bis alle Beteiligten der Rettungsaktion zu der Einsicht kamen, dass das Schiff so nicht erhalten werden konnte. Bald stand der Entschluss fest, die "Oesterreich" deshalb in ihren Originalzustand von 1928 zurückzubauen.

Im Original erhalten sind deshalb heute nur noch der Rumpf, das Hauptdeck, die Ruderanlage und die Propeller. In einer riesigen, aus Baugerüst und Folie gebauten provisorischen Halle auf dem Gelände der Fußacher Werft wurde aus dem hässlichen Entlein nach und nach ein stolzer Schwan. Der 32 Meter lange Aufbau wurde von der ÖSWAG-Werft angefertigt, auf sechs Tieflader verteilt und unter großem Aufwand – selbst der Pfändertunnel musste für den Verkehr gesperrt werden – im August 2017 von Linz nach Fußach transportiert. Dort wurde er mit dem 54 Meter langen Rumpf verschweißt.

1952 gab die ÖBB der MS Oesterreich nach zweijähriger Umbauzeit ein zweites Leben.
1952 gab die ÖBB der MS Oesterreich nach zweijähriger Umbauzeit ein zweites Leben. | Bild: Förderverein MS Oesterreich

Heute liegt sie neben der "Hohentwiel"

Später wurde die „Einhausung“ abgebaut und das Schiff mithilfe zweier gigantischer mobiler Kräne auf die Slipanlage gesetzt. Erst dann konnte das originalgetreue Steuerhaus aufgesetzt, Generatoren und Motoren eingebaut werden.

Zwei Scania-Dieselmotoren werden zukünftig über zwei Schrauben den Hauptantrieb stemmen. Vorne übernimmt ein elektrisch betriebenes Bugstrahlruder, das sich um 360 Grad schwenken lässt den Dienst. Am 27. Juli 2018 konnte die MS Oesterreich an ihren endgültigen Liegeplatz neben der Hohentwiel in Hard verlegt werden. Dort feierte sie einen Tag später im „Rohbau“ ihren 90. Geburtstag.

20. Februar 2018: Hier entsteht wieder der Damensalon. Er soll wie 1928 mit Rattansesseln möbliert werden.
20. Februar 2018: Hier entsteht wieder der Damensalon. Er soll wie 1928 mit Rattansesseln möbliert werden. | Bild: Anette Bengelsdorf