Wie eine schwedische Schärenlandschaft sieht der Bodensee derzeit aus – große Sandbänke und kleine Inseln bilden sich und wer schwimmen möchte, der muss teilweise mehr als hundert Meter weit in den See hinauslaufen. Der Pegel sinkt weiter und schon jetzt gibt es Einschränkungen bei der Bodenseeschifffahrt. Wetterprognosen nach soll es heiß bleiben und der Wasserstand, der am Montag bei 3,32 Metern am Pegel Konstanz lag, könnte bald auf den historischen Tiefstand von 3,11 Metern sinken.

Große Kurschiffe können nicht mehr alle Landestellen anfahren

Während die Kinder begeistert sind – endlich Ferien und der Bodensee hat im Durchschnitt 25 Grad –, gehen die Temperaturen weiter nach oben und der Wasserstand sinkt teilweise täglich um mehrere Zentimeter. Schon seit einigen Tagen können die großen Kursschiffe der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) nicht mehr alle Landestellen anfahren. Nach Auskunft von Christopher Pape, Pressesprecher bei den Stadtwerken Konstanz, wird die Landestelle Lindau-Bad Schachen von den Kursschiffen nicht mehr bedient.

Shuttleverkehr zu Festspielen besteht weiter

Völlig neue Aussichten auf den Lindauer Hafen – die historischen Holzpfähle, die teilweise noch aus der Römerzeit stammen und die ganze Insel umgaben, ragen wegen des extrem niedrigen Wasserstands weit aus dem See. Normalerweise liegen sie unter Wasser.
Völlig neue Aussichten auf den Lindauer Hafen – die historischen Holzpfähle, die teilweise noch aus der Römerzeit stammen und die ganze Insel umgaben, ragen wegen des extrem niedrigen Wasserstands weit aus dem See. Normalerweise liegen sie unter Wasser. | Bild: Susanne Hogl

Es wird der Shuttleverkehr von Bad Schachen zu den Bregenzer Festspielen aufrecht erhalten, jedoch können Rollstuhlfahrer und stark gehbehinderte Menschen nicht mehr an Bord kommen. Auf der Insel Mainau kann es zu Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen kommen, da die Schiffe an den Plätzen 4 und 5 anlegen und dort dauert das Procedere etwas länger.

Teilweise kommen Rollstuhlfahrer nicht mehr an Bord

Am Untersee können an den Landestellen Iznang, Reichenau und Mannenbach keine Menschen mit Rollstuhl mehr an an Bord genommen werden. In Radolfzell können Rollstuhlfahrer zwar einsteigen, aber an anderen Landestellen das Schiff nicht mehr verlassen. Die Kursschiffe haben einen Tiefgang zwischen 1,11 und 1,60 Metern.

Große Dampfer wirbeln viel Schlamm und Dreck auf

Neben der Halbinsel Wasserburg bilden sich aufgrund des niedrigen Wasserstands neue kleine Sandinseln.
Neben der Halbinsel Wasserburg bilden sich aufgrund des niedrigen Wasserstands neue kleine Sandinseln. | Bild: Susanne Hogl

Christopher Pape rechnet es an einem Beispiel vor: "Die MS Schwaben hat einen Tiefgang von 1,60 Metern. Wäre das Schiff theoretisch voll beladen, würde dies etwa zehn Zentimeter beim Tiefgang ausmachen, entsprechend ist die Beladung theoretisch vernachlässigbar. Dennoch gehen wir immer von einem voll beladenen Schiff aus, wenn wir Landestellen anfahren. Allerdings ist der Tiefgang eines Schiffs allein nicht entscheidend, ob eine Landestelle angefahren werden kann. Die Wassertiefe ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der einbezogen werden muss. Denn jede Landestelle ist individuell, der Untergrund ist entsprechende beschaffen, auch Wetterbedingungen spielen eine Rolle", erklärt Pape. Bei einem derzeitigen Pegel von etwa 3,32 Metern ist da zwar für die Kursschiffe theoretisch noch Luft in den Häfen, doch schon jetzt wirbeln die großen Dampfer viel Schlamm und Dreck auf, wenn sie beispielsweise im Lindauer Hafen ein- und ausfahren müssen.

Generelles Entnahmeverbot von Wasser aus Bächen und Flüssen

Auch in anderen Bereichen hat der niedrige Wasserstand inzwischen Folgen. Wie das Landratsamt Bodenseekreis am Montag mitteilte, sind die Wasserstände von Bächen und Flüssen aufgrund der hohen Temperaturen und des fehlenden Niederschlags jetzt in einem kritischen Bereich angekommen. Ab 31. Juli gilt im gesamten Bodenseekreis ein generelles Wasserentnahmeverbot für alle Oberflächengewässer – ausgenommen ist nur der Bodensee selbst.

Wetterprognose: Noch mindestens zwei Wochen Hitze und Trockenheit

Der Pegel des Bodensees sinkt täglich. Nach Ansicht von Experten soll die Hitzewelle noch zwei Wochen anhalten.
Der Pegel des Bodensees sinkt täglich. Nach Ansicht von Experten soll die Hitzewelle noch zwei Wochen anhalten. | Bild: Hans-Robert Nitsche

Da die Wetterprognose auch für mindestens weitere zwei Wochen hohe Temperaturen und weiterhin keinen nennenswerten Niederschlag erwarten lässt, untersagte das Landratsamt per Allgemeinverfügung jegliche Wasserentnahme aus Oberflächengewässern. Das Verbot gilt zunächst für zwei Wochen und ist mit dem Landkreis Ravensburg abgestimmt, da auch dort ein generelles Wasserentnahmeverbot ausgesprochen werden soll. „Durch die anhaltende Trockenheit und die weiterhin hochsommerlichen Temperaturen sind die Wasserstände von Bächen und Flüssen so zurückgegangen, dass ein generelles Wasserentnahmeverbot unausweichlich war“, erklärt Irmtraud Schuster, Dezernentin für Umwelt und Technik beim Landratsamt Bodenseekreis. Landwirten wird geraten, bei der Versorgung von Jungpflanzen auf die öffentliche Wasserversorgung zurückzugreifen. Werden größere Wassermengen benötigt, sollten sich die Landwirte direkt mit dem örtlichen Wasserversorgungsunternehmen in Verbindung setzen.

Noch keine Gefahr für Fische im Bodensee

So wie hier im Harder Becken bei Bregenz sieht es derzeit an vielen Orten im Bodensee aus. Durch den sinkenden Wasserpegel bilden sich riesige Sandbänke.
So wie hier im Harder Becken bei Bregenz sieht es derzeit an vielen Orten im Bodensee aus. Durch den sinkenden Wasserpegel bilden sich riesige Sandbänke. | Bild: Susanne Hogl

Entwarnung für die Fische im Bodensee kann derzeit noch Harald Hetzenauer geben, Leiter des Institutes für Seenforschung in Langenargen: "Wir beobachten die Entwicklung natürlich täglich und besonders im Untersee, wo am Montag ein historischer Tiefststand für den 30. Juli gemessen worden ist. In den extrem heißen Sommern in den Jahren 2003 und 2006 waren zuerst die Aale betroffen und es sind etliche verendet", erklärt Hetzenauer.

"Tiere kommen mit Situation ganz gut zurecht"

Er sagt aber auch, dass es solche niedrigen Pegelstände im See immer schon gegeben habe und gerade die Tiere damit ganz gut zu Recht kämen. Der niedrige Pegel in diesem Jahr liegt nach Auskunft des Forschers an den geringen Niederschlägen, den hohen Temperaturen im Frühjahr und der jetzigen langen Trockenperiode. "Im Obersee ist der Pegel seit Freitag stetig gesunken, im Untersee eher nicht. Da reicht es auch, wenn irgendwo Regen gefallen ist, das merkt man dann auch im See nach ein paar Tagen", erklärt Hetzenauer weiter. Regen ist derzeit allerdings nicht in Sicht, da sind sich alle Wetterberichte einig. Darum heißt es weiter schwitzen und ab in den Bodensee, der immerhin noch etwas kühler ist als die Luft.