Als Michaela Wähnelt Luis zum ersten Mal gesehen hat, war sie schockverliebt. Schnell war klar: Der damals acht Monate alte Golden Doodle – eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel – sollte ihr erster Familienhund werden. Schon lange hatten sich die Zwillingsmädchen Franziska und Florentine (10 Jahre) einen Hund gewünscht. Die Entscheidung trafen dann aber die Eltern. "Luis ist unser Job. Täglich zwei Stunden Gassigehen, füttern, trainieren, Tierarztbesuche – das können Kinder gar nicht leisten", sagt Michaela Wähnelt, "wir allein sind für unseren Hund verantwortlich." Seit über einem Jahr ist der Mischling jetzt Mitglied bei Familie Wähnelt in Langenargen, die in Friedrichshafen eine Goldschmiede betreibt. "Unser Leben hat sich seither stark verändert", sagt Halterin Wähnelt.

Der Hund muss zur Familie passen

Andrea Baasch, Hundetrainerin aus Oberteuringen, hat die Wähnelts im ersten Jahr mit Luis begleitet. "Wichtig ist in erster Linie, dass der Hund zur Familie passt und nicht nur nach optischen Kriterien ausgewählt wird", sagt sie, "zum Beispiel gehört ein aktiver Hund in eine aktive Familie." Zudem brauche jeder Hund viel Aufmerksamkeit, aber auch Rückzugsmöglichkeiten. Die Körpersprache des Tieres lesen – das ist es, was Halter bei Andrea Baasch lernen. "Der Halter muss die Körpersprache seines Hundes lesen und erkennen können, wie es dem Hund geht und dementsprechend handeln", erklärt Baasch, "das ist die beste Prävention." Denn: Wer einen Hund hält, der haftet auch für ihn.

Stressmomente beim Gassigehen

Der Klassiker: Ein Hund trifft beim Gassigehen auf einen anderen Hund, es kommt zum Gerangel, am Ende ist ein Tier verletzt. Ein klarer Fall für die Hundehaftpflichtversicherung – vorausgesetzt man hat eine. "In Baden-Württemberg ist sie nicht verpflichtend, aber ich rate unbedingt dazu, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung mit einer guten Deckungssumme abzuschließen", erläutert Baasch. Es ließen sich zwar nicht alle Problemsituationen vermeiden, aber viele. "Menschen zwingen Hunde beim Spazierengehen an der Leine oft dazu, frontal aufeinander zuzulaufen", erklärt die Hundetrainerin, "das ist für viele Hunde allerdings extrem unangenehm." Besser sei es, ihnen die Möglichkeit zu geben auszuweichen und einen Bogen zu laufen. Bleiben die Hunde dann stehen, beschnuppern und begrüßen sich, sollte man die Situation gut im Auge behalten. Manchmal geht das Spiel in Ärger über. "Dann ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und die Hunde zu trennen", sagt Baasch. Zum Biss komme es nur, wenn der Hund keinen anderen Ausweg mehr sehe. Zudem sollte man dem Vierbeiner das Knurren als Ausdrucksverhalten und Warnsignal auf keinen Fall verbieten. Auch Hundebegegnungen seien trainierbar, es gehe dabei einfach um ein gutes Situationsmanagement.

Das könnte Sie auch interessieren

Lass mich in Ruhe, ich fühle mich bedroht – den Hund lesen

Was genau das bedeutet, wird sich im nächsten Moment hautnah bei Luis zeigen. Auf dem Freizeitgelände Manzell nähert sich ein junger Mann mit Handicap dem Golden Doodle, will ihn streicheln. Luis legt sich hin, leckt sich die Schnauze, wendet den Kopf ab. Laut Baasch sind das typische Beschwichtigungsgesten, die bedeuten so viel wie: Lass mich in Ruhe, ich fühle mich bedroht, ich will dich aber nicht angreifen. Luis will den Konflikt vermeiden, doch der junge Mann versteht seine Sprache nicht, nähert sich weiter, will ihn anfassen, mit ihm spielen, redet auf ihn ein. Michaela Wähnelt kniet sich neben ihren Hund und erklärt dem jungen Mann ruhig und freundlich: "Er möchte jetzt nicht spielen, lass ihn bitte lieber wieder in Ruhe." Dann nimmt sie Luis aus der Situation und geht ein Stück weg. Luis entspannt sich sichtlich, beobachtet den jungen Mann weiterhin aus der Ferne. "Sie hat die schwierige Situation super gemeistert, indem sie die Verantwortung übernommen hat und ihren Hund nicht allein gelassen hat", bemerkt Baasch.

Hund Luis ist sogar bei der Arbeit dabei

Für Michaela Wähnelt sind solche Begegnungen an der Tagesordnung, schließlich ist Luis morgens im Ladengeschäft und in der Werkstatt dabei, trifft täglich auf Kunden, darunter auch Kinder. "Ich würde nie ein kleines Kind einfach alleine zu ihm lassen", sagt sie. Möchte ein Kind Luis streicheln, achtet seine Halterin auf seine Signale und bleibt bei der Begegnung präsent. Hat Luis keine Lust, nimmt sie ihn aus der Situation. "Hunde müssen nicht immer von allen angefasst werden", bekräftigt Trainerin Baasch, "und der Halter sollte vorher gefragt werden." Die große Angst vor dem Hundebiss kann sie nicht verstehen: "Ein Hund beißt per se nicht einfach und wenn es passiert, dann trägt auch oft der Mensch dazu bei." Wird allerdings trotzdem ein Mensch verletzt, interessiert es kaum mehr, warum der Hund zugebissen hat. Operationen, Therapien, Schmerzensgeld, Prozesskosten, im schlimmsten Fall Renten- und Pflegeleistungen – so kommen schnell immense Summen zusammen, die kaum ein Halter tragen kann.

Hund läuft vor ein Auto – und dann?

Doch auch im Verkehrsbereich lauern teure und heikle Schadensrisiken. Erst neulich habe eine Kundin ihr berichtet, wie sich ihr Hund von der Leine gerissen habe und auf die Straße gerannt sei. Er wurde dabei von einem Auto erfasst, aber glücklicherweise wurde niemand – auch der Hund nicht – ernsthaft verletzt. Es blieb bei einem Blechschaden, den die Versicherung übernahm. "Solche Fälle zeigen mir immer wieder, wie wichtig es ist, auf die Risiken hinzuweisen", sagt Baasch.

Auch Michaela Wähnelt rutschte neulich mal das Herz in die Hose, als Luis einfach über den Gartenzaun sprang und dem Nachbarn einen Besuch abstattete. Für Wähnelt kam das überraschend, denn der Zaun reichte bisher aus. Der kleine Ausflug ging aber glimpflich aus. "Der Nachbar ist sein Freund, Luis wollte ihn nur besuchen", berichtet sie, "aber man darf sich mit Hund wirklich nie zurücklehnen und das Tier auch nur kurz unbeaufsichtigt lassen." Denn: Hätte der Halter die Gefahren bannen können, übernimmt die Versicherung den Schaden nicht.

Wer sich für einen Hund entscheidet, der ist also verantwortlich für ihn – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. "Wir lieben unser Leben mit Luis, sind viel in der Natur, haben mehr Exklusivzeit als Familie, für uns ist das eine große Bereicherung", sagt Wähnelt. Aber eben auch eine große Verantwortung.

Wissenwertes für Hundehalter: Aktuelle Regelungen im Landkreis

Was Hunde dürfen und was nicht und wie hoch die Steuern für sie sind, bestimmen die Kommunen selbst.

  • Hundesteuer: In allen Gemeinden im Bodenseekreis müssen Hundehalter ihre Tiere binnen eines Monats zwingend anmelden und Steuer zahlen. Deren Höhe wird in der Hundesteuersatzung festgelegt – und fällt damit von Kommune zu Kommune unterschiedlich aus. So bezahlen Halter aus Friedrichshafen derzeit 92 Euro. In Überlingen werden 98 Euro fällig, in Markdorf 76 Euro. Pfullendorf erhebt eine jährliche Steuer von 90 Euro, Messkirch will 108 Euro. Besonders teuer wird es, wenn man einen Kampfhund anmelden will: Hier werden schnell mal bis zu 800 Euro fällig. Auch Zweithunde sind meist deutlich teurer. Halter von Blinden- und Rettungshunden sowie Jagdhunden, also beispielsweise Förster, sind in der Regel von der Hundesteuer befreit.
  • Hundehaftpflicht: In Baden-Württemberg gibt es, anders als in vielen anderen Bundesländern Deutschlands, keine für alle Hunde allgemein geltende Pflicht für den Halter, eine Haftpflichtversicherung für den Vierbeiner abzuschließen. Anders ist es allerdings für Besitzer von als gefährlich eingestuften Hunden – also Kampfhunden. Die müssen eine solche Versicherung zwingend haben.
  • Hundekot: Die Rechtslage ist eindeutig. Bei Hundekot handelt es sich um Abfall, der ordnungsgemäß entsorgt werden muss. Wer die Hinterlassenschaften des Vierbeiners trotzdem einfach liegen lässt, muss mit einer Anzeige und Bußgeld rechnen. Nahezu alle Gemeinden im Kreis haben mittlerweile an vielen Orten Hundetoiletten aufgestellt, also Tütenspender und Mülleimer, in denen der Kot entsorgt werden kann. Übrigens gehört der auf keinen Fall in den Biomüll.
  • Leinenpflicht: Ob und wo Leinenzwang herrscht, regelt die Polizeiverordnung einer Kommune. Allerdings haben die Gemeinden meist sehr ähnliche Regelungen: In Parks, Grün- und Erholungsanlagen und in Wohngebieten herrscht meistens Leinenpflicht. Das gilt auch für öffentliche Badeplätze am See. In anderen Gebieten, beispielsweise auf Feldern, an Waldrändern, auf Spazierwegen dürfen Hunde nur in Begleitung eines Menschen, auf den das Tier hört, frei laufen. Öffentliche Kinderspiel-, Bolz- und Sportplätze sind überall tabu für Hunde. Auch wenn die Regelungen meist sehr eindeutig sind und an bestimmten Stellen, wie Parks, auch dementsprechend beschildert sind, sorgen sie immer wieder für Ärger zwischen Hundehaltern und anderen Menschen – und werden deshalb auch immer wieder zum politischen Thema.
  • Maulkorb: Auch die Maulkorbpflicht wird von den einzelnen Städten selbst bestimmt. Lediglich bei Hunden, die als gefährlich eingestuft werden und älter als sechs Monate sind, gibt es eine einheitliche Regelung in Baden-Württemberg. Die Halter sind gesetzlich dazu verpflichtet ihrem Vierbeiner einen Maulkorb anzulegen, sobald sie draußen unterwegs sind. Strenger geht es in unseren Nachbarländern Österreich und der Schweiz zu. In Österreich müssen Halter immer eine Leine und einen Maulkorb mit sich führen und bei Bedarf angelegt werden. Auf Spielplätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln, beispielsweise aber auch in Bergbahnen sind Maulkörbe Pflicht. Für Besuche in der Schweiz sind ein Mikrochip oder eine Tätowierung und ein aktueller EU-Heimtierpass unabdingbar. Kampfhunde müssen beim Zoll angemeldet werden, der eine Kaution fordert.
  • Kampfhunde: In Baden-Württemberg richtet sich die Regelung für sogenannte Kampfhunde nach der Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums Ländlicher Raum. Zusätzlich können die Gemeinden einzelne Regelungen erlassen. Als gefährlich und aggressiv eingestufte Hunde gelten dabei die Rassen American-Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit-Bull-Terrier. Für neun weitere Hunderassen muss zunächst ein Verhaltenstest durchgeführt werden, um zu entscheiden, ob der Hund die Eigenschaften eines Kampfhundes besitzt. Wird ein Hunde als gefährlich eingestuft oder zeigt beim Test ein auffälliges und potentiell gefährliches Verhalten, müssen die Halter eine Erlaubnis zum Halten eines Kampfhundes beantragen – und die ist nicht ganz einfach zu bekommen. Dabei wird beispielsweise ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis gefordert.
  • Freizeittipps: Generell sind bei Hunde bei den meisten Ausflugszielen im Landkreis willkommen – allerdings meist mit Leine. Im Nahverkehr und beispielsweise auf dem Katamaran oder der Fähre muss jedoch ein Ticket gelöst werden. (sab)