Sehnlichst haben die Landwirte auf den Regen gewartet. Nun ist er da, für viele jedoch zu spät. Die vergangenen Wochen, in denen Trockenheit und Hitze dominierten, haben den Bauern zugesetzt. So zählt etwa Gemüsegärtner Philip Mayer zwei Drittel weniger Kartoffeln als in den Vorjahren und nur halb so viel Ertrag bei Kulturen wie Auberginen.

10.000 Kubikliter Wasser verbraucht

Trotzdem blickt der Landwirt aus Meckenbeuren positiv in die Zukunft. „Vergangenes Jahr hat es uns mit dem Frost deutlich schlimmer erwischt. Durch die Bewässerung eines Großteils der Felder konnten wir viel retten“, sagt Mayer. 10 000 Kubikliter Wasser hat er in den Wochen der Trockenheit verbraucht. Das entspricht 20 000 Euro. „Es ist schon eine Menge“, gibt Mayer ehrlich zu.

"Am meisten leiden die Tiere"

Auf dem Rengoldshauserhof in Überlingen ist es weniger die Obst- und Gemüseernte, die dem Geschäftsführer Hanno Willasch Sorgen macht. „Am meisten leiden unsere Tiere“, sagt Willasch. Die rund 50 Milchkühe und ihre Kälber leben von dem Heu, das auf etwa 70 Hektar Grünland und 35 Hektar Luzerne, Klee und Gras wächst. „Normalerweise können wir die Wiese vier Mal schneiden. Das ist diesen Sommer nicht möglich“, sagt Willasch. Nur zwei Schnitte wurden gefahren – damit gibt es deutlich weniger Nahrungsgrundlage für die Rinder. „Wir sind ein reiner Heubetrieb, können also nichts zukaufen“, erklärt Willasch. Ihm ist klar: Alle Kühe werden es nicht über den Winter schaffen.

Gedanken über die Zukunft

Wie es in den kommenden Jahren weitergehen soll, weiß Hanno Willasch noch nicht. Ihm ist aber klar, dass sich etwas ändern muss. „Wir müssen versuchen, unseren Boden zu verbessern. Der Humusgehalt muss möglichst hoch sein, damit das Wasser effektiv aufgenommen werden kann“, sagt der Chef des Rengoldshauserhofs. Das könne etwa durch vermehrten Kuhmist und Kompost sowie eine schonende Bodenbearbeitung umgesetzt werden. Auch der Gedanke an den Bau eines Brunnens schwebt in der Luft. „Es wäre eine Möglichkeit, um unsere Existenz zu sichern. Aber natürlich ist das auch eine finanzielle Sache, die man nicht einfach aus dem Ärmel schüttelt“, weiß Willasch.

Beim Mais fallen die Folgen der Hitze weniger drastisch aus.
Beim Mais fallen die Folgen der Hitze weniger drastisch aus. | Bild: Fabiane Wieland

Philip Mayer hat sich bereits am Brunnenbau versucht – jedoch ohne Erfolg. Der lehmige Boden habe seinem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Es kam einfach kein Wasser zum Vorschein. Wir haben 130 Meter tief gebohrt“, sagt der Gemüsegärtner. Mayer setzt auf ein zweites Gewächshaus, das er schnellstmöglich bauen will, um einen Teil seines Gemüses vom Wetter unabhängig zu pflanzen. „Ich warte gerade auf die Baugenehmigung vom Landratsamt.“ Außerdem denkt der junge Landwirt darüber nach, einen Teich anzulegen. Da will er allerdings abwarten, was die kommenden Jahre bringen. „Es muss sich ja auch lohnen. Wenn dann soll es ja kein kleiner Teich werden, sondern einer, der wirklich etwas bringt und über den Winter Regenwasser sammeln kann“, sagt Mayer.

Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen

Um sich ein Bild von der Lage in Überlingen zu machen, haben sich Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen, und Hubert Rauch, Ortsvorsitzender des Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLVH), mit Landwirten auf dem Hinyhof von Martin Längle getroffen. "Wir haben keinen exakten Überblick, aber nur wenige Betriebe im Kreis werden Hilfe benötigen. Da sind wir froh drüber", sagt Rauch.

Die vertrocknete Wiese auf dem Hinyhof. Martin und Michael Längle (von links) zeigen Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen, und Hubert Rauch, BLHV-Ortsverbandsvorsitzender, wie die Dürre ihre Flächen getroffen hat.
Die vertrocknete Wiese auf dem Hinyhof. Martin und Michael Längle (von links) zeigen Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen, und Hubert Rauch, BLHV-Ortsverbandsvorsitzender, wie die Dürre ihre Flächen getroffen hat. | Bild: Mona Lippisch

Längle sagt über seine Situation: "Besonders schlimm hat es unsere Grünflächen erwischt. Wir können von Glück reden, dass wir noch Mais anbauen. Der rettet unsere Kühe über den Winter." Mehr als 30 Prozent Verlust seines jährlichen Ertrages kann Längle nicht nachweisen. Deswegen kann er die Hilfen des Bundes nicht in Anspruch nehmen. Längle wünscht sich, dass den Landwirten Hilfe zur Selbsthilfe erlaubt wird. Wie Hahn erklärt, seien hierfür zwei Schritte nötig: die Möglichkeit zu steuerlichen Rücklage für landwirtschaftliche Betriebe und eine Mehrgefahrensicherung. "Wir brauchen hier eine gewisse Finanzierung des Bundes. Betriebe allein können sich eine Versicherung nicht leisten", sagt Hahn.