Jahrzehntelang hat die Region auf die Elektrifizierung der Südbahnstrecke hingearbeitet. Jetzt nehmen die Arbeiten langsam Fahrt auf. Aktuell haben nach Angaben der Deutschen Bahn die vorbereitenden Arbeiten im Bereich Ulm–Laupheim begonnen. Die Baumaßnahmen sollen in diesem Abschnitt im zweiten Halbjahr beginnen. „Die Realisierung der Südbahn liegt nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen im Terminplan“, so ein Bahnsprecher auf Anfrage des SÜDKURIER. Auch Wilfried Franke, Verbandsdirektor und Geschäftsführer des Interessenverbands Südbahn, ist optimistisch. „Unser Zeitplan ist nun schon seit über zwei Jahren sehr stabil, sodass ich davon ausgehe, dass er hält“, betont Franke. Der Spatenstich Ende März in Niederbiegen sei fest eingeplant. Er gehe nach wie vor von einer Inbetriebnahme im Dezember 2021 aus.

Für die Fahrgäste wird es während der Bauarbeiten zu Beeinträchtigungen kommen. Vollsperrungen sind laut Deutscher Bahn zunächst 2018 und 2019 erforderlich. „Es beginnt von Norden nach Süden“, macht auch Wilfried Franke deutlich. Zunächst sei von 10. September bis 21. Dezember der Abschnitt Ulm–Laupheim dran. Laut einer Stellungnahme des Ministeriums für Verkehr auf den Antrag eines Abgeordneten wird hierzu ein Schienenersatzverkehr für einen Zeitraum von 14 bis 15 Wochen eingerichtet. Weitere Vollsperrungen auf der Strecke der Südbahn folgen im Jahr 2019.

„Die Baumaßnahmen sind sehr massiv, da über 200 Millionen Euro investiert werden, sodass abschnittsweise über nahezu drei Jahre immer wieder gesperrt werden muss“, sagt Franke. Dabei könnten sich erfahrungsgemäß auch Verschiebungen ergeben. „Im zweiten Halbjahr 2019 haben wir zwischen Friedrichshafen und Lindau unter anderem den Baubeginn für die neue Argenbrücke geplant“, erläutert ein Sprecher der Bahn. Ende 2019 sind zudem Rodungsarbeiten als vorbereitende Maßnahmen auf dem Abschnitt zwischen Aulendorf und Friedrichshafen vorgesehen.

Die Bodo-Mobilitätsgarantie greift nicht bei Schüler- und Studi-Tickets.
Die Bodo-Mobilitätsgarantie greift nicht bei Schüler- und Studi-Tickets. | Bild: Fabiane Wieland

Nach Angaben des baden-württembergischen Verkehrsministeriums sind die Streckenabschnitte im Bodenseekreis vor allem in den Jahren 2020 und 2021 von Sperrungen betroffen. Die Streckensperrungen in den einzelnen Abschnitten wurden laut Deutscher Bahn auf ein Mindestmaß festgelegt und mit den Eisenbahnunternehmen und der Nahverkehrsgesellschaft abgestimmt. Mit einem Schienenersatzverkehr würde man den Fahrgästen Alternativen anbieten. Derzeit laufen die Abstimmungen dafür.

Laut Wilfried Franke vom Interessenverband Südbahn wurden die ersten Entwürfe für einen angemessenen Schienenersatzverkehr bereits in der Sitzung des Interessenverbands im Dezember vorgestellt. Darin müssten schnelle Verbindungen mit dem Interregio-Express (IRE) – und einem IC – sowie langsamere mit der Regionalbahn (RB) adäquat berücksichtigt werden. „Das Ministerium hat uns zugesagt, in die weiteren Planungen voll eingebunden zu werden“, so Franke.

In Friedrichshafen rechnet man damit, dass es während den Baumaßnahmen auf der Südbahnstrecke zu „erheblichem Mehrverkehr im Straßennetz“ kommen wird. Laut Sitzungsvorlage für den Technischen Ausschuss am Dienstag findet fast parallel zu den Arbeiten an der Südbahnstrecke der Ausbau zur Elektrifizierung der Bahnstrecke Lindau–Memmingen–München statt. Während den Baumaßnahmen werde es für längere Zeit einen Schienenersatzverkehr geben. Neben teils erheblichen Reisezeitverzögerungen oder -verlängerungen wird es „innerhalb des Stadtgebiets und insbesondere im Umfeld des Stadtbahnhofs zu erheblichem Mehrverkehr im Straßennetz kommen“, heißt es in der Sitzungsvorlage weiter.

Dies falle zeitlich zusammen mit der Tunnelbaustelle der B 31, mit dem Aus- und Umbau des Stadtbahnhofs und der Umgestaltung des Uferparks ab 2020 sowie der Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Daher sei davon auszugehen, dass „es ab dem Jahr 2019 bis Ende 2021, also über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren, zu leichteren bis temporär erheblichen Beeinträchtigungen in der Erreichbarkeit“ der Stadt kommen wird.

 

Bahnstrecke, Baukosten und Schienenersatzverkehr

  • Die Südbahn führt von Ulm über Biberach, Aulendorf und Ravensburg nach Friedrichshafen. Die Strecke ist 105 Kilometer lang. Weitere 21 Kilometer sind es bis Lindau-Aeschach.
  • Die Baumaßnahmen zur Elektrifizierung der Südbahn finden in mehreren Teilabschnitten statt.Der erste Bauabschnitt (BA) betrifft die Strecke zwischen Ulm und Laupheim, es folgen Abschnitt zwei (Laupheim–Aulendorf), BA 3 von Aulendorf nach Friedrichshafen und BA 4 (Friedrichshafen–Lindau-Aeschach).
  • Die Bauzeit ist von 2018 bis 2021 geplant. Die Kosten für die Elektrifizierung der Südbahn gibt die Deutsche Bahn mit rund 250 Millionen Euro an.
  • Sperrungen: Während der gesamten Bauzeit wird es auf der Strecke zwischen Ulm und Lindau abschnittsweise immer wieder zu Sperrungen kommen. Für Fahrgäste wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Derzeit laufen die Abstimmungen.

Informationen im Internet: bauprojekte.deutschebahn.com/p/suedbahn