Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus steigt nun auch in Baden-Württemberg von Tag zu Tag an. Bereits am Donnerstag rief der Leiter des Robert Koch-Instituts in Berlin, Lothar Wieler, die Krankenhäuser in Deutschland dazu auf, sich auf eine größere Zahl von schwererkrankten Patienten vorzubereiten. Das Land stehe erst am Anfang des Ausbruchs. Tags zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation die Ausbreitung des Virus als Pandemie eingestuft.

Reichen die Intensivbetten aus?

In der Politik ist die Sorge nun groß, dass eine Vielzahl von Menschen womöglich am Coronavirus sterben könnte, weil sie aus Kapazitätsgründen in den Krankenhäusern nicht ausreichend versorgt werden können. Ist das überzogen? In einem Punkt sicher nicht: Den Pflegenotstand in den Kliniken gab‘s schon vor der Pandemie, gerade auf Intensivstationen. Wie sich die Lage direkt vor Ort darstellt, haben wir bei den Krankenhäusern in der Region abgefragt.

Zahlen, Daten, Fakten

Medizin Campus Bodensee (MCB)

Im Medizin Campus Bodensee werden nach Aussage von Pressesprecherin Susann Ganzert aktuell keine Patienten stationär versorgt, die mit dem CoVid-19-Virus infiziert sind. Im Bedarfsfall würden sie im Klinikum Friedrichshafen und der Klinik Tettnang aufgenommen. „Aktuell haben wir in der Klinik Tettnang drei Zimmer vorbereitet. Im Klinikum Friedrichshafen werden Isolierzimmer und mehrere Zimmer beziehungsweise Betten auf der Intensivstation für Erwachsene freigehalten.“ 35 Intensivbetten gibt es insgesamt in Friedrichshafen, vier in Tettnang. Die Pläne für eine schnelle Ausweitung der Kapazitäten stehen und werden laut Ganzert bei Bedarf kurzfristig umgesetzt.

Im Klinikum Friedrichshafen gibt es aktuell noch keinen Corona-Patienten auf Station.
Im Klinikum Friedrichshafen gibt es aktuell noch keinen Corona-Patienten auf Station. | Bild: Cuko, Katy

In beiden Kliniken werden außerdem ab Montag keine neuen Patienten mit geplanten Operationen und Eingriffen aufgenommen. Diese OP‘s werden auf unbestimmte Zeit verschoben – soweit sie medizinisch vertretbar sind. Diese Regelung entspreche den Anforderungen der Länderkonferenz und der Bundesregierung. Ausnahmen gebe es beispielsweise für Krebspatienten. „Darüber wird im Einzelfall entschieden“, erklärt die MCB-Sprecherin.

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Um für steigende Fallzahlen an Corona-Patienten gewappnet zu sein, brauche der Klinikverbund in erster Linie „arbeitsfähige und gut ausgebildete Mitarbeiter“, so Ganzert, aber auch ausreichend Schutzkleidung und -masken sowie Medizin-Technik für die Patientenversorgung. „Darum kümmern wir uns mit vereinten Kräften.“

Helios-Spital Überlingen

In der Überlinger Klinik stehen aktuell auf der Intensivstation sechs Betten mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung. „Bei Bedarf könnten wir die Kapazität noch erweitern“, erklärt Pressesprecherin Claudia Prahtel. Außerdem könnten Corona-Patienten auch in Isolationszimmern intensivmedizinisch versorgen werden. Dafür stünde „momentan ausreichend Personal mit der entsprechenden intensivmedizinischen Erfahrung“ bereit.

Das Helios Spital in Überlingen hat aktuell sechs Intensivbetten zur Verfügung, kann aber weitere Überwachungsplätze bei Bedarf schaffen.
Das Helios Spital in Überlingen hat aktuell sechs Intensivbetten zur Verfügung, kann aber weitere Überwachungsplätze bei Bedarf schaffen. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Auch die Helios Kliniken folgen dem Beschluss der Bundesregierung und verschieben ab Montag alle planbaren OP‘s. Dabei würden Eingriffe vorerst nur dann abgesagt, wenn medizinisch abgeklärt sei, dass die Erkrankten in den kommenden zwei Monaten ohne diese Versorgung auskommen. „Alle übrigen Maßnahmen und Eingriffe werden wir zügig vornehmen, um die Kapazitäten, die wir momentan noch haben, zu nutzen“, so Prahtel.

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Im Helios Spital habe man zumindest alles getan, um sich auf die Corona-Epidemie vorzubereiten – sowohl, was die Beschaffung von Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln betrifft als auch die Schulung und Vorbereitung des Personals. „Wir gehen nicht davon aus, dass jeder Corona-Patient stationär behandelt oder auf der Intensivstation versorgt werden muss“, so Prahtel. „Wie gut wir die Patienten letztlich versorgen können, hängt nicht zuletzt davon ab, in welcher Geschwindigkeit sich das Virus weiter verbreitet.“ Ein zweiter Faktor sei die Unterstützung der niedergelassenen Ärzte.

Oberschwabenklinik Ravensburg (OSK)

In den drei Akutkliniken (Ravensburg, Wangen, Bad Waldsee) gibt es derzeit 60 Intensivbetten für Erwachsene und Kinder, davon rund zwei Drittel am Elisabethenkrankenhaus. Im Bedarfsfall könnten auch in den Aufwachräumen weitere Überwachungsplätze geschaffen werden. „Wir sind ständig darauf eingerichtet, auch ungeplant zum Beispiel nach schweren Unfällen Intensivpatienten zu versorgen“, erklärt OSK-Sprecher Winfried Leiprecht auf Nachfrage.

Das Elisabethenkrankenhaus der OSK in Ravensburg ist auf schwer erkrankte Corona-Patienten vorbereitet.
Das Elisabethenkrankenhaus der OSK in Ravensburg ist auf schwer erkrankte Corona-Patienten vorbereitet. | Bild: Cuko, Katy

Auch die OSK haben in der Intensivmedizin mit dem Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege zu kämpfen. Über einen überschaubaren Zeitraum hinweg wäre die Klinik aber in der Lage, durch entsprechende Dienstpläne diese Kapazitäten auch voll einzusetzen. Im Falle des Falles werden sich die Kliniken zudem über Landkreisgrenzen hinaus abstimmen, so Leiprecht.

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Für leichtere Fälle sei am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg eine komplette Station mit 20 Betten vorbereitet, um die Patienten zu isolieren. Sollte diese Anzahl an Infektionsschutzzimmern nicht reichen, wären die Klinik in der Lage, weitere Bereiche auszuweisen. Auch der Umgang mit hoch ansteckenden Erkrankungen sei geübt und „regelmäßige Praxis“, beispielsweise bei Grippe-Patienten.

Geplante Operationen verschieben zu müssen, war schon immer wieder mal der Fall, auch in der laufenden Grippewille. „Auch damit können wir umgehen“, so der OSK-Sprecher. Es gelte im Einzelfall abzuwägen, wie lange eine Verschiebung für den Patienten zumutbar sei.

Früh mit den Vorbereitungen begonnen

Für steigende Fallzahlen an Corona-Patienten fühlt sich das OSK gewappnet. „Wir haben mit den Vorarbeiten begonnen, als das ganze Ausmaß der Epidemie in China erkennbar und ein Übergreifen nach Europa nicht mehr auszuschließen war“, sagt Winfried Leiprecht. Die OSK-Häuser arbeiten mit dem Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg zusammen und sei im täglichen Austausch. „Die Experten blicken kritisch auf unsere Vorkehrungen und geben, wenn nötig, die Hinweise für die Praxis direkt vor Ort.“