Bernd Caesar ist wütend. Nachdem der Häfler im SÜDKURIER den Artikel über Ampelmasten auf dem Radweg entlang der B 31-neu zwischen Fischbach und Immenstaad gelesen hat, schrieb er der Redaktion eine E-Mail: Die mittig auf dem Radweg stehenden Ampelmasten bei der Kreuzung mit der künftigen Bundesstraße stellen für den Radfahrer „eine große Unfallgefahr“ dar.

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Zudem hätten ihm fahrradfahrende Airbus-Mitarbeiter und Fischbacher die Situation auf dem noch bestehenden Radweg, der südlich der B 31-alt verläuft, als „sehr gefährlich und im Dauerzustand als unzumutbar“ beschrieben.

Kurzum vereinbart der SÜDKURIER ein Treffen mit Caesar am Radweg, der für die Diskussion sorgt. Beim Termin dabei sind neben Caesar auch Bernhard Glatthaar vom Kreisverband Bodenseekreis des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und Frieder Staerke von der Kreisgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

Während Caesar vor allem kritisiert, dass die neuen Ampelmasten eine Gefahr für Radfahrer seien, erheben Glatthaar und Staerke Vorwürfe gegen das Regierungspräsidium Tübingen und das für die B 31-neu zuständige Bauunternehmen, die Deges GmbH. Es ist sogar von der Missachtung geltender Bauvorschriften die Rede.

Vorwurf Nummer 1: Die Breite des neuen Radwegs

Laut Glatthaar wurde beim Radweg an der B 31-neu gegen die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung“ verstoßen: „Für Radwege ist eine Mindestbreite von 2,5 Metern vorgeschrieben. Und das bei geringer Verkehrsbelastung.“ Wie eine Messung vor Ort zeigt, ist der Radweg an vielen Stellen etwa 2,25 Meter breit, einzig vor der Kreuzung mit der Bundesstraße ist der Weg breiter.

Messung vor Ort: Der neue Radweg ist an vielen Stellen nur 2,25 Meter breit.
Messung vor Ort: Der neue Radweg ist an vielen Stellen nur 2,25 Meter breit. | Bild: Jud, Marcel

Für den ADFC-Keisvorsitzenden ist klar: Der Radweg ist nicht breit genug, denn von einer geringen Verkehrsbelastung könne dort keine Rede sein. „Und auch die Sicherheitstrennstreifen sind zu eng“, fügt VCD-Kreisgruppensprecher Staerke an. Laut den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) müsse dieser Bereich zwischen Fahrbahn und Radweg mindestens 1,75 Meter breit sein.

Der mit Steinen bedeckte Sicherheitstrennstreifen zwischen dem neuen Radweg und der Straße.
Der mit Steinen bedeckte Sicherheitstrennstreifen zwischen dem neuen Radweg und der Straße. | Bild: Marcel Jud

Staerke misst vor Ort nach: Der Trennstreifen des neuen Radwegs hat eine Breite von rund 1,6 Metern.

Das sagt das Regierungspräsidium zur Breite des Radwegs

„Die gesetzlichen Vorgaben werden eingehalten“, sagt Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, auf Nachfrage des SÜDKURIER. Die ERA würden zwar eine Regelbreite von 2,5 Metern für gemeinsame Geh- und Radwege außerorts empfehlen, die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung“ sehe aber außerorts eine Breite von mindestens zwei Metern vor. „Eine nachträgliche Verbreiterung des Radweges war nicht möglich, da diese zu Eingriffen in angrenzende Privatflächen geführt hätten“, erklärt Abel.

Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen.
Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen. | Bild: Regierungspräsidium Tübingen

Der Sicherheitstrennstreifen sei mit einer Breite von 1,75 Metern geplant. „Es stellt sich die Frage, wo die Abstände gemessen wurden“, schreibt Abel. Um die Breite korrekt zu erfassen, müsse der Abstand zwischen den jeweiligen Randmarkierungen gemessen werden. Abel sagt aber auch: „Geringfügige Abweichungen können im Straßenbau nie ganz ausgeschlossen werden.“

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Vorwurf Nummer 2: Die Ampelmasten auf dem Radweg

In den ERA ist auch festgehalten, dass Hindernisse auf Radwegen wie Sperrpfosten nur dann aufgestellt werden sollen, wenn ihr Nutzen für die Sicherheit der Radfahrer überwiegt. „Es gibt für den VCD jedoch keinerlei Begründung für die durch die Ampelmasten entstehende Engstelle“, betont VCD-Kreisgruppensprecher Staerke.

Die Ampelmasten hätten auch am Rand des Radwegs platziert werden können, ist Staerke überzeugt. Zudem müssten Hindernisse wie Ampelmasten mit entsprechenden Schutzmarkierungen auf dem Boden angekündigt werden.

Das sagt das Regierungspräsidium zu den Ampelmasten

„Die Anordnung der Ampelmasten entspricht den ‚Richtlinien für Lichtsignalanlagen‘“, sagt Pressesprecher Abel. Die ERA-Einträge zu Hindernissen treffen bei Ampeln nicht zu, da bei ihnen kein Sicherheitsrisiko durch schlechte Sichtbarkeit bestehe. „Würden die Masten am Rand des Aufstellbereichs stehen, könnte der Grün-Anforderungstaster nur von einer Seite bedient werden.“

Abel betont zudem, dass der Radwegs bei den Ampeln auf vier Meter verbreitert wurde und das der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern zugute kommt. „Weitere Optimierungen der Befahrbarkeit werden derzeit geprüft“, sagt Abel. Bereits vorgesehen sei eine Markierung im Bereich der Ampeln, um „das Konfliktpotential zwischen Fußgängern und Radfahrern zu reduzieren.“

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Vorwurf Nummer 3: Die Breite des Bodenseeradwegs

Bernhard Glatthaar glaubt nicht, dass der Radweg an der B 31-neu noch verbessert werden kann. Deshalb müsse jetzt „die volle Energie“ in den südlich der alten B 31 verlaufenden Radweg fließen. „Dieser ist als Teil des Bodenseeradwegs auch aus touristischer Sicht wichtig.“ Derzeit besteht nur noch der in Richtung Fischbach verlaufende Radweg entlang der alten Bundesstraße, der Weg auf der Nordseite in Richtung Immenstaad wurde zurückgebaut.

Aus Sicht des ADFC ist er zu schmal: Der Radweg, der südlich entlang der alten B 31 verläuft.
Aus Sicht des ADFC ist er zu schmal: Der Radweg, der südlich entlang der alten B 31 verläuft. | Bild: Marcel Jud

„Der südliche Weg ist mit etwa 2,5 Metern zu schmal für einen Radverkehr in beide Richtungen. Der Bodenseeradweg sollte mindestens vier Meter breit sein“, findet Glatthaar. Schließlich würden auf dem Bodenseeradweg im Sommer nicht nur Pendler verkehren, sondern auch Rennradfahrer, Familien und Reisegruppen. Die Bauarbeiten an der B 31-neu wären für den ADFC-Kreisvorsitzenden die Chance gewesen, den Weg entsprechend zu verbreitern: „Doch man hat nicht daran gedacht, dass der Bodenseeradweg hier auf die südliche Seite muss, man hat es einfach vergessen.“

Das sagt das Regierungspräsidium zum Bodenseeradweg

Der Bodensee-Radweg soll laut Pressesprecher Abel breiter werden: „Der Radwege-Abschnitt zwischen der Lipbachbrücke und Fischbach-West, auf dem der Bodenseeradweg geführt wird, wird auf der alten B 31 mit einer Breite von vier Metern hergestellt.“ Der Radweg soll östlich der Zufahrt zum Grenzhof auf den bestehenden, südlich der alten Bundesstraße gelegenen Radweg zurückgeführt werden.