Wo steht die Echt-Bodensee-Card (EBC) und wie geht es weiter mit der Gästekarte? Viele Touristiker, Gastgeber und Gemeindevertreter waren am Dienstag der Einladung des Landratsamts gefolgt, um sich zu informieren und zu diskutieren. Der Bodenseekreis ist als Mehrheitsgesellschafter an der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT) quasi Hauptauftraggeber für die EBC. Letztlich reichten die Stühle im Foyer nicht aus, um allen Gästen Platz zu bieten.

Auch wenn Landrat Lothar Wölfle anfangs dafür warb, die „Emotionen in Relation zu bringen“, geriet die am Ende dreistündige Veranstaltung zumindest teilweise zu einem Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern der Gästekarte. Diese wurde vor einem Jahr als Chipkartenmodell eingeführt und ist in dieser elektronischen Variante schon wieder abgeschafft. Seit dem Saisonstart an Ostern kommt die EBC auf Papier mit dem Meldeschein der Gäste aus dem Drucker der Gastgeber. Was bleibt, ist die Möglichkeit für den Gast, kostenlos Bus und Bahn zu fahren und Vorteile bei rund 120 Ausflugszielen zu nutzen. „Wir haben kein zentrales Gästekartensystem mehr“, erklärte DBT-Geschäftsführer Enrico Heß den größten Unterschied im Vergleich zum ersten Betriebsjahr der EBC. Jede Gemeinde managt Meldescheine und Kurtaxe-Abrechnung mit einem eigenen Dienstleister. Die Geios AG, die das 2017 für die DBT getan hat, ist bekanntlich pleite. Wieviel die DBT durch die Insolvenz des erst 2015 gegründeten Unternehmens draufgezahlt hat, war am Dienstagabend kein Thema. Der Landkreis habe sich an der Auffanggesellschaft nicht beteiligt, erklärte der Landrat.

Enrico Heß zog für das erste Betriebsjahr der neuen Gästekarte ein gemischtes Fazit. Er sprach von einer „hohen Zufriedenheit beim Gast und einer zu geringen Akzeptanz der Chipkarte beim Gastgeber“. Deshalb steige man jetzt gezwungenermaßen auf die Papierkarte um. Doch die Ziele, die mit der Chipkarte erreicht werden sollten, seien nicht obsolet, das Papiermodell „Steinzeit“. Angebote wie digitale Gästeplattform oder Gästemappe, Vorab-Check-in oder Analysen zur ÖPNV-Nutzung etwa blieben wichtige Ziele aus touristischer Sicht. „Wir werden Möglichkeiten erarbeiten, die eine höhere Akzeptanz bei den Gastgebern mit sich bringt“, erläuterte Heß. Er ist überzeugt, dass digitale Destinationslösungen die Zukunft seien.

Beim Preis der Karte von 1 Euro je Gast und Nacht allerdings bleibt es. Der Solidarbeitrag sei ermittelt worden, bevor feststand, dass eine Chipkarte eingeführt wird, argumentierte Heß. Dem Gast sei der zusätzliche Euro letztlich egal, sagte Marktforscher Thomas Dobbelstein. Er hatte im Auftrag der DBT schon vor Einführung der Gästekarte ein Gutachten erstellt, wie viel Gäste bereit sind pauschal zu zahlen, wenn sie dafür den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gratis nutzen können. Im vergangenen Jahr befragte sein Institut rund 500 Urlauber. „Und 89 Prozent der Befragten kannten die Karte schon“, sagte er. Bei den meisten dieser Gäste komme die Karte gut an; ein gutes Drittel hatte die EBC zum Zeitpunkt der Befragung schon genutzt.

Dass die EBC nicht zur Disposition steht, machte Lothar Wölfle klar. Der Kreistag habe den Auftrag erteilt, eine gemeinsame Gästekarte quasi als Gratis-Ticket für den ÖPNV im Gebiet des Verkehrsverbunds Bodo auf den Weg zu bringen. Man habe die DBT mit dieser Aufgabe betraut, daran halte er fest. Darüber herrsche nach wie bei „meinem Chef, dem Kreistag“ auch Einigkeit, nur das „Wie“ sei strittig. „Ich bin auch persönlich überzeugt, dass es wichtig ist, dieses Angebot zu machen“, sagte Wölfle. Mit der EBC auf Papier möchte man nun auch den Gegnern „die Chance geben mitzugehen“.

Die Skeptiker allerdings waren auch am Dienstag nicht zu überzeugen. Herbert Maerz vom Uhldinger Gastgeberverein GUM kritisierte erneut die „erzwungene Partnerschaft“ der Gastgeber. Er sprach von bereits über 300 Gastgebern im Bodenseekreis, die eine kreisübergreifende Alternative zur EBC in Richtung Konstanz und damit ein Gratisticket in zwei Verkehrsverbünden fordern. Eine Gastgeberin aus Salem-Beuren berichtete, dass 98 Prozent ihrer Gäste auf das Auto nicht verzichten wollen, weil die Busanbindung im Hinterland zu schlecht sei. Ein Argument, das Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler mehrfach versuchte zu entkräften. Allerdings habe der Verkehrsverbund mit Einführung der EBC nicht den Auftrag erhalten, ein flächendeckendes Busnetz zu schaffen. Landrat Wölfle sprach von „Verbesserungsbedarf“. Ein großes Problem mit dem Gästekarten-Handling und dem Preis, der die Platzgebühren überproportional hochtreibe, haben nach wie vor die Campingplatzbetreiber, von denen Manfred Maier aus Seefelden und Helmut Müller aus Hagnau zu Wort kamen. Tenor: Es sollte jedem Gast und Gastgeber freigestellt bleiben, ob er die EBC anbieten oder nutzen wolle. Antwort des Landrats: So funktioniere das in einem solidarisch begründeten Modell eben nicht.

 

Die Gästekarte

Die Echt-Bodensee-Card wurde im April 2017 in vier Gemeinden eingeführt: Eriskirch, Langenargen, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen. In diesem Jahr kommen Nonnenhorn und Wasserburg im Landkreis Lindau sowie Heiligenberg dazu. Frickingen will zum 1. Januar 2019 beitreten. Wie die Gemeinden den Solidarbeitrag von 1 Euro pro Gast und Übernachtung finanzieren, ist ihnen selbst überlassen. Die Kurtaxe kommt nur begrenzt in Frage, da der DBT-Anteil von 25 Cent nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim nicht über die Gästeabgabe finanziert werden darf. (kck)