Seesicht kostet extra, die Nähe zu Grünanlagen und dreifach verglaste Fenster auch. Kostensenkend wirken laute Umgebung, freiliegende Leitungen oder ein alter Linoleumboden. Vor allem aber ist die Lage entscheidend für die Miete. Welche Miete wo angemessen ist, können Mieter und Vermieter ab August aus den neuen Mietspiegeln für den Bodenseekreis ersehen. "Ein Mietspiegel ist für Mieter sehr wichtig, sonst weiß man gar nicht, wie hoch die Miete sein darf", sagt Rechtsanwalt Anton Schmidt, der Mieter beim Mieterverein Oberschwaben berät. Auch für Vermieter ist das Zahlenwerk interessant: Im Laufe des Mietverhältnisses dürfen sie die Miete auf die ortsübliche Vergleichsmiete anheben.

Allgemeine Preissteigerung als Grundlage

Das EMA-Institut, das für die Kommunen im Kreis den Mietspiegel erstellt, hat 2018 keine neuen Daten erhoben. Es hat die allgemeine Preissteigerung bei Privathaushalten zugrunde gelegt. Diese stieg zwischen Februar 2016 und März 2018 um 3,944 Prozent an. "Die Daten der Tabelle eins werden um 3,944 Prozentpunkte hochgesetzt weil das der allgemeinen Preissteigerung entspricht", erklärt Monika Blank, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen.

Fortschreibung günstiger als Neuerhebung

"Die Fortschreibung ist ein elegantes Mittel, weil sie günstiger ist als die Daten neu zu sammeln", sagt Regina Holzhofer, Hauptamtsleiterin in Owingen. Unterschiede der Mieten zur allgemeinen Inflation oder regionale Unterschiede bildet sie nicht ab. "Unser Niveau ist relativ niedrig, da könnten die Mietsteigerungen schon über diesem Wert liegen", sagt Markus Vollstädt, Hauptamtsleiter in Frickingen. "Das wird gegebenenfalls die neue Datenerhebung 2020 zeigen."

Zurzeit liegt der so berechnete Mietspiegel den Kommunen vor und ist bereits oder wird bis Ende des Monats von den Gemeinderäten abgesegnet. Friedrichshafen wird am 23. Juli entscheiden, Überlingen am 25. Juli. "Für Immenstaad ist der Mietspiegel schon beschlossen. Wir werden ihn zum ersten August veröffentlichen, dann stellen wir ihn im Paket mit dem Online-Rechner ins Netz", sagt Jutta Kneisel von der Finanzverwaltung.

Mieten legen im Hinterland weniger stark zu

Die Mieten am Bodensee sind vergleichsweise hoch. "Das liegt an der Knappheit des Wohnraums, die treibt die Mieten in die Höhe", sagt Rechtsanwalt Schmidt. Der Siedlungsdruck nimmt vor allem in Ballungsräumen zu. Daher sind nach Einschätzung von Maik Fodor, Fachanwalt für Miet-und Wohneigentumsrecht, Mieterhöhungen in ländlichen Regionen moderater als in Städten. "Dort sind Vermieter oft froh, einen ruhigen Mieter zu haben. In Städten gehen Vermieter bis an die Obergrenzen", sagt er.

Seit 2008 Mieten um 35 Prozent gestiegen

Bei den auf dem Portal Immowelt inserierten Angeboten ist seit 2008 eine durchschnittliche Mietsteigerung von 35 Prozent in Friedrichshafen und Überlingen festzustellen. "Generell begünstigen im Bodenseekreis wie auch überall anders attraktive Wohnungen und Wohnlagen hohe Preise. Die Attraktivität einer Stadt zeichnet sich durch eine gute Infrastruktur, eine positive wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundenen Arbeitsplätzen aus", sagt Alexander Grohmann von Immowelt.

Vermieter muss sich an Fristen halten

Allerdings darf der Vermieter Mieterhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete nicht einfach anordnen. Er muss mindestens ein Jahr nach dem Einzug oder der letzten Mieterhöhung verstreichen lassen und darf die Miete nicht auf einen Schlag zum Vergleichswert anheben. Die Mieterhöhung wird nur wirksam, wenn der Mieter zustimmt oder wenn ihn das Gericht zur Zustimmung verurteilt.

Immenstaad
führt Tabelle an

  1. -Die ortsübliche Vergleichsmiete für freifinanzierte Wohnungen liegt im Bodenseekreis am höchsten in Immenstaad bei 8,26 Euro pro Quadratmeter und in Überlingen bei 8,05 Euro. Dahinter rangieren Markdorf mit 7,83 Euro, Meckenbeuren mit 7,80, Friedrichshafen mit 7,68 Euro und Tettnang mit 7,54 Euro. Günstiger bleiben die Mieten in kleineren Orten im Hinterland: In Salem liegt der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter bei 7,26 Euro, in Frickingen bei 6,18 Euro.
  2. -In Markdorf würde ein Mieter für 82 Quadratmeter aus dem Baujahr 1974 eine durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete von 6,70 Euro pro Quadratmeter zahlen. Geht es um ein gut ausgestattetes, modernisiertes Reihen- oder Einfamilienhaus mit Seeblick und Grünflächen in der Nähe, muss er mit sieben Prozent mehr rechnen, selbst bei ungepflegter Außenfassade. Das ergibt dann 588 Euro im Monat. In Immenstaad liegt die ortsübliche Vergleichsmiete für eine solche Wohnung bei 605 Euro, in Frickingen bei 500 Euro.
  3. -Zum Vergleich: In Konstanz liegt die ortsübliche Vergleichsmiete für freifinanzierte Wohnungen bei 9,38 Euro pro Quadratmeter, in Berlin bei 6,40 Euro, in München bei 11,23 Euro.