Eine schier unerschöpfliche Fülle an kulturellen Einrichtungen gehört zum Verein „Museen und Schlösser Euregio Bodensee“, der in diesen Tagen 25 Jahre alt wird. Gegründet wurde das inzwischen international gewordene Netzwerk am deutschen Ufer am 15. Juni 1994. Zu den Impulsgebern zählte Hans-Jürgen Schulz, der nicht nur Baudirektor der Markgräflich-Badischen Verwaltung, sondern auch Sachwalter der kulturellen Schätze Salems war.

Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen ist bei Besuchern besonders beliebt.
Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen ist bei Besuchern besonders beliebt. | Bild: Felix Kästle

Schon mit im Boot waren damals unter anderem das Pfahlbaumuseum, das Fastnachtsmusuem in Langenstein oder das Neue Schloss in Tettnang. Am Tisch saß auch Annegret Ziegler, Leiterin der Salemer Museen, deren Nachfolgerin Birgit Rückert – als Leiterin der Schlossverwaltung – derzeit Präsidentin des Vereins ist. Ihre Stellvertreterin ist aktuell Gabriele Keck vom Historischen Museum Thurgau in Frauenfeld. Unterstützt werden sie bei der Arbeit von einem neunköpfigen Beirat.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir wachsen stetig und haben inzwischen 106 Mitglieder in vier Ländern“, freut sich Birgit Rückert und hebt die Bedeutung des Erfahrungsaustauschs unter dem Dach des Vereins besonders hervor. Neben der Mitgliederversammlung gebe es alljährlich drei bis vier fachlich orientierte Treffen, bei denen aktuelle Entwicklungen und neue Trends besprochen werden. „Das ist ungemein wichtig und alle profitieren davon“, sagt sie. Schließlich seien ganz unterschiedliche Museen vernetzt, was Größe, Zahlen und Zielgruppen angeht.

Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen zieht besonders viele Besucher an.
Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen zieht besonders viele Besucher an. | Bild: Alexander Fischer

Zu den Rennern beim Publikum gehören das Uhldinger Pfahlbaumuseum oder das Zeppelin Museum in Friedrichshafen mit mehr als 250 000 Besuchern. Schon mit dabei ist auch das neue Vineum in Meersburg. Doch auch bei den auf den ersten Blick unauffälligeren Mosaiksteinen gibt es vieles zu entdecken.

Das könnte Sie auch interessieren

„Ich muss zugeben, dass ich selbst noch gar nicht alle Museen persönlich kenne“, räumt Präsidentin Rückert offen ein und nennt zum Beispiel das Wassertormuseum in Isny, das neben dem Gefängnis und der Türmerwohnung auch die Geschichte der Feuerwehr im Ort zeigt. Doch da gibt es auch noch das Henry-Dunant-Museum in Heiden im Thurgau, das Frauenmuseum in Hittisau in Vorarlberg oder das Walsermuseum im liechtensteinischen Triesingen.

Neue Karte bietet Überblick

Mit 53 Einrichtungen sind von den aktuellen Mitgliedern exakt die Hälfte in Deutschland angesiedelt, 34 liegen in der Schweiz, 15 in Österreich und vier in Liechtenstein. Eine neue Karte mit den selbst gewählten Symbolen der Museen zeigt die enorme Dichte des Angebots rund um den Bodensee.

Unter Fischen im Inatura-Museum Dornbirn.
Unter Fischen im Inatura-Museum Dornbirn. | Bild: inatura

Angesichts dieser Fülle erstaunt es nicht, dass Rückert dieses Netzwerk quasi als Spiegelbild der internationalen Euregio sieht und des gemeinsamen Kulturraums. „Das gilt für alle Museen, auch wenn sie einen ganz unterschiedlichen Charakter hinsichtlich der Professionalität haben“, betont Birgit Rückert. Das eine oder andere werde nach wie vor völlig ehrenamtlich betrieben und am Leben erhalten. Gerade deshalb sei ein enger Erfahrungsaustausch mit möglichst vielen Einrichtungen enorm wichtig.

Etwas Besonderes für Kunstfreunde: das Museum in Liechtenstein.
Etwas Besonderes für Kunstfreunde: das Museum in Liechtenstein. | Bild: Ines Agostinelli/Kunstmuseum Liechtenstein

„Die Ansprüche und Wünsche der Besucher haben sich mit den Jahren merklich verändert“, sagt die Salemerin. „Darauf müssen wir bei der Präsentation und der Vermittlung unserer Angebote achten.“ Neben dem Bildungswert werde auch der Erlebnischarakter immer wichtiger.

Ansprüche der Besucher haben sich verändert

„Der Gast verspricht sich einen Mehrwert von seinem Museumsbesuch und will auch nicht unterfordert werden“, weiß Birgit Rückert. Gut, dass die Einrichtungen unerschöpfliche Quellen sind und der Museumspädagogik jede Menge Material bieten. „Wir sind hier in einer permanenten Diskussion, was wir anders und noch besser machen können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Ganz wichtig sei dabei auch die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter. Denn trotz moderner Hilfsmittel bei der Vermittlung wie Audioguides, Podcasts oder Apps ist Birgit Rückert nach wie vor überzeugt, dass eine gute klassische Führung das beste ist, was der Besucher erwarten kann: es sei aus ihrer Sicht noch immer der Idealfall, wenn ein Mitarbeiter flexibel auf den Gast eingehen und der seine Rückfragen unmittelbar stellen kann. „Zufriedene Besucher zu haben, ob es Touristen oder Einheimische sind, das ist unser wichtigstes Ziel“, sagt Rückert.

Die Stiftsbibliothek des Klosters St. Gallen ist ein besonderer Höhepunkt in der Museumslandschaft am Bodensee.
Die Stiftsbibliothek des Klosters St. Gallen ist ein besonderer Höhepunkt in der Museumslandschaft am Bodensee. | Bild: Stiftsbibliothek

Angesichts des großen Netzwerks an Museen kommen Annegret Ziegler die regelmäßigen mittelalterlichen Zusammenkünfte der Zisterzienser im Mutterkloster von Citeauxin Burgund in den Sinn. „Hier hat es ebenfalls immer einen regen Gedankenaustausch gegeben“, sagt Ziegler: „Deshalb waren sie stets über neueste Entwicklungen bestens informiert. So ähnlich ist das heute bei unseren Museen auch.“