Es ist Wahlkampfzeit und allerorts hängen die Plakate mit den Parolen der verschiedenen politischen Parteien. Manchmal sind an den Plakatwänden jedoch nur noch einzelne Fetzen zu erkennen, Plakate mutwillig zerstört oder bekritzelt. Ärgerlich ist das vor allem für diejenigen, die zuvor in mühevoller Arbeit die Plakate anbringen mussten. Der Landtagskandidat für die FDP, Klaus Hoher, hat sich in einer Pressemitteilung zu dem Thema geäußert, nachdem ein Großflächenplakat in Salem-Neufrach kurz nach dem Aufstellen zerstört wurde. „Es erstaunt mich schon sehr, wenn politische Gegner Angst davor haben, dass unsere Wahlbotschaften gelesen werden. Zudem ist es ärgerlich, wenn man weiß, welche Arbeit und Logistik hinter jedem dieser Werbeplakate steht, vom Fotoshooting, Design und Druck bis hin zur Genehmigung und Aufstellung.“

Auch die Kandidaten andere Parteien haben schon mit solchen Zerstörungen Bekanntschaft gemacht. Meistens werden die Plakate in den Gemeinden nach Aschermittwoch geklebt, sagt Dieter Stauber von der SPD. „Es ist immer schade, wenn sich Leute durch Zerstörung ihr Mütchen kühlen“, sagt er und ergänzt: „Ob man dahinter steht oder nicht – aber die Plakate haben auch einen Informationswert.“

Ähnlich sehen das auch Martin Hahn von den Grünen und Susanne Schwaderer von der CDU. „Im Grunde ist das Sachbeschädigung und kein Spaß. Wenn es System hat, dann ist es kein grober Unfug mehr“, sagt Hahn. Über manche Dinge könne er schon lachen, andere seien hingegen nicht in Ordnung. Die Grünen bringen im Kreis 600 kleine und 50 großflächige Plakate an.

Susanne Schwaderer hat bisher noch nichts von etwaigen beschädigten Plakaten ihrer Partei gehört: „Bei der letzten Wahl hatten wird das sehr auffällig in Überlingen. Ich frage mich dann immer, was für ein Demokratie-Verständnis diese Leute haben.“ Rund 1000 Plakate wird die CDU im Bodenseekreis anbringen. „Das ist kein Stil“, findet auch Sylvia Hiß-Petrowitz von der ÖDP. Ihr selbst sei bisher noch nichts aufgefallen, aber den Großteil der Plakate im westlichen Kreisgebiet wird sie erst ab heute anbringen, nach der Fasnet: „Ich hoffe man bekommt raus, wer so etwas macht.“ Im Bodenseekreis bringt die ÖDP 200 Plakate an.

Roberto Salerno von den Linken hat auch jetzt schon viele zerstörte Wahl-Plakate entdeckt: „Gerade zur Fasnet sind viele alkoholisiert unterwegs, da geschieht eine Zerstörung weniger aus politischer Motivation heraus.“
 

Weniger Anzeigen als zerstörte Plakate

„Das Zerstören von Wahl-Plakaten zählt als Sachbeschädigung“, erklärt Polizeisprecher Markus Sauter. Das ändert sich, wenn eine Verunglimpfung durch Volksverhetzung oder Beleidigung hinzukommt, ergänzt er. Bislang seien bei der Polizei lediglich im Landkreis Ravensburg zwei Fälle angezeigt worden, bei denen Wahl-Plakate zusätzlich beschriftet wurden. Im Bodenseekreis wurde hingegen in dieser Richtung noch nichts unternommen, sagt Sauter.

Bei vielen Fällen kommt es nie zu einer Anzeige. Liege ein entsprechender Schaden vor, könne meist ohnehin nur eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden: „Das gestaltet sich gerade zu Beginn der Ermittlungen nicht ganz einfach. Wir versuchen dann über Zeugenaufrufe in den Medien an weitere Anhaltspunkte zu kommen. Immer wieder gehen jedoch auch zunächst unscheinbare Hinweise ein, die dann im Fall weiterhelfen.“
Generell laufen Zerstörungen von Wahl-Plakaten bei der Polizei unter dem Oberbegriff Sachbeschädigung, sind demnach auch nicht differenziert in einer Statistik aufgeführt. Gerade wenn mehrere Plakate einer bestimmten Partei zerstört werden, sei es schwierig, im Nachhinein alle Taten einem Motiv zuzuordnen. „Es ist nie einfach, ohne entsprechende Zeugen etwas zu erreichen“, so Polizeisprecher Sauter.