Juliette Heinzels Tipp: 2:1 für Frankreich 

Zwei verschiedene Länder. Zwei verschiedene Sprachen. Und zwei verschiedene Fußballnationalmannschaften. Zumindest bei der WM-Vorrunde war es für Juliette Heinzel nicht einfach zu entscheiden, für wen ihr Herz schlägt. Mit dem Ausscheiden der Deutschen ist es für 21-jährige Studentin aus Meersburg, deren Mutter Französin und Vater Deutscher ist, leichter geworden: Sie hofft auf einen Sieg Frankreichs. „Die Chancen stehen gut, aber sicher ist es eben nie. Kroatien spielt ja auch nicht schlecht.“ Ihr Tipp: 2:1 für Frankreich.

Juliette Heinzel und ihr Bruder Leon aus Meersburg sind auch Deutschland-Fans, auch wenn es bei dieser WM für Löws Elf nicht gut lief.
Juliette Heinzel und ihr Bruder Leon aus Meersburg sind auch Deutschland-Fans, auch wenn es bei dieser WM für Löws Elf nicht gut lief. | Bild: Lippisch, Mona

Enttäuscht von deutscher Elf

Von der deutschen Elf ist die die Studentin enttäuscht. Im Vergleich zur vergangenen Europameisterschaft seien die Spieler sehr langsam und das Spiel nicht spontan genug gewesen. Im Gegensatz dazu hätten die Franzosen richtig geglänzt. „Sie haben Topspieler, einen guten Trainer mit viel Erfahrung und sie geben bei jeden Spiel ihr Bestes“, findet die 21-Jährige. „Da macht es sehr viel Spaß zuzuschauen.“ Wo Juliette Heinzel das Finale verfolgt, ist noch nicht klar. Wahrscheinlich feuert sie die Franzosen daheim an – in gemütlicher Runde mit einigen Freunden. Und eins ist sicher: Wenn Frankreich gewinnt, gibt es erst einmal Champagner.

Halbfinale Frankreich -Belgien: Der französische Nationalspieler Antoine Griezmann jubelt nach dem gewonnenen Spiel.
Halbfinale Frankreich -Belgien: Der französische Nationalspieler Antoine Griezmann jubelt nach dem gewonnenen Spiel. | Bild: Pavel Golovkin/dpa

Lieblingsspieler ist Antoine Griezmann

Außer Länderspiele interessiert sich Juliette Heinzel nicht für Fußball. Trotzdem hat sie einen Lieblingsspieler: Antoine Griezmann, der als Stürmer bei Atlético Madrid unter Vertrag steht. „Er sieht gut aus und spielt auch noch echt gut.“ Der Meinung, dass Frankreich die besseren Spieler hat, ist auch ihr zehnjähriger Bruder. Deutschland oder Frankreich: Für Leon ist es ganz klar, welcher Mannschaft er die Daumen drückt: nämlich immer derjenigen, die im Turnier gerade näher vor dem Finale steht. „Wenn dann ein Spiel gegeneinander kommt, dann bin ich halt einfach für beide“, erzählt Leon – und verbessert sich: „Oder ich würde es gar nicht anschauen, weil ich dann so genervt wäre.“

Allez les bleus!: Juliette Heinzel und ihr Bruder Leon hoffen auf einen Sieg Frankreichs.
Allez les bleus!: Juliette Heinzel und ihr Bruder Leon hoffen auf einen Sieg Frankreichs. | Bild: Lippisch, Mona

Derzeit mit Bachelorarbeit befasst

Das Gefühl, mit Französisch und Deutsch als Muttersprachen aufgewachsen zu sein, beschreibt Juliette Heinzel als ausschließlich positiv: „Für mich hat es nur Vorteile. Ich kenne beide Kulturen, habe Verwandte in beiden Ländern und bin sowohl in Deutschland als auch in Frankreich daheim.“ Aus diesem Grund hat sich die 21-Jährige für ein internationales BWL-Studium entschieden, für das sie derzeit die Bachelorarbeit schreibt. Sie kann es sich durchaus vorstellen, später einmal in Frankreich zu arbeiten und zu leben. „Für mich ist das kein großer Unterschied, ob ich in Frankreich oder Deutschland lebe. Ich kann mich vollkommen mit der französischen Kultur und allem, was dazu gehört, identifizieren. Aber bis Sonntag tritt all das in den Hintergrund. Nun heißt es: „Allez les bleus!“

Das sagt sie zum Finale

Juliette Heinzel freut sich riesig über den Sieg Frankreichs bei der WM: "Deutschland hat die vergangene WM gewonnen und jetzt auch noch Frankreich. Das ist einfach super, besser kann es gar nicht sein. Das Spiel war aufregend, es sind viele Tore gefallen und es hat super viel Spaß gemacht zuzuschauen, wie bei jedem Frankreichspiel während dieser WM. Ich muss sagen: Ein bisschen habe ich es schon erwartet, dass sie gewinnen. Aber ich war mir nicht ganz sicher, ob sie es gegen Kroatien wirklich packen."

MatoSostaric: Jetzt ist mal ein Außenseiter dran

"Wir werden Weltmeister." Mato Sostaric meint mit "wir" Kroatien. Und falls es am Sonntag nicht klappt? Dann gibt's ein paar Tränen – "auch Freudentränen über den Vizeweltmeister – und gratulieren dann den Franzosen, wie es sich eben für gute Verlierer gehört", fügt der Kroate verschmitzt hinzu.

Der größere Fan ist seine Frau

Der Busfahrer kam 1991 aus Zagreb nach Überlingen, seine Frau Marija ist schon seit dem Ende der 60er Jahre hier. Sie ist der eigentliche Fußball-Fan und habe ihn angesteckt, erklärt er. "Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr Fußball geguckt, mein Vater hat das Interesse in mir geweckt", erzählt Marija Sostaric. Die Sostarics haben sich mit Familienangehörigen und Freunden das Eiscafé Cristallo im Herzen der Überlinger Altstadt fürs Public Viewing ausgeguckt. "Hier direkt beim Münster ist es einfach familiär mit Super-Atmosphäre."

Mato Sostaric aus Überlingen feiert am liebsten in der Gruppe Gleichgesinnter. Der Kroate aus Überlingen findet, dass die Mannschaft um Juventus-Star Mario Mandzukic den WM-Titel verdient hat.
Mato Sostaric aus Überlingen feiert am liebsten in der Gruppe Gleichgesinnter. Der Kroate aus Überlingen findet, dass die Mannschaft um Juventus-Star Mario Mandzukic den WM-Titel verdient hat. | Bild: Stef Manzini

Auftaktspiel in Schwarz-Weiß

Am 17. Juni hat das Ehepaar das erste Spiel ihrer Mannschaft in einem kleinen Hotel in Carlovaz in Kroatien angeschaut. "Das war wie eine Zeitreise in die siebziger Jahre, denn das TV-Gerät brachte nur Schwarz-Weiß-Bilder", lacht Mato Sostaric. Von Spiel zu Spiel stieg auch die Erwartung und Begeisterung der Sostarics und ihrer Freunde, die alle weiteren Spiele im "Cristallo" gesehen haben. "Als wir dann Dänemark nach dem Elfer-Schießen nach Hause geschickt haben, dachten wir alle, oh, da ist was Großes drin. Wir sind sehr begeistert von unserer Mannschaft, dem Teamgeist und dem Trainer und unser Lieblingsspieler ist natürlich Mandzukic", sagt Mato Sostaric.

Halbfinale Kroatien – England: Mario Mandzukic (Mitte) aus Kroatien bejubelt sein Tor zum 2:1 mit Josip Pivaric (links) und Ivan Perisic (rechts).
Halbfinale Kroatien – England: Mario Mandzukic (Mitte) aus Kroatien bejubelt sein Tor zum 2:1 mit Josip Pivaric (links) und Ivan Perisic (rechts). | Bild: Cao Can/dpa

Und der Auftritt der Deutschen? Beide haben zwar etwas Mitleid mit den deutschen Fans, weil die Besseres verdient hätten, aber das Spiel der deutschen Mannschaft sei nicht gut gewesen und das Ausscheiden gehe deshalb "voll in Ordnung", sagt Mato Sostaric . "Jetzt kommen mal Außenseiter wie wir zum Zuge, ihr habt doch schon so oft gewonnen", erklärt der Fußball-Fan.

Kroatische Fans schauen zusammen

Natürlich werden die kroatischen Fans in großer Runde am Sonntag wieder im Eiscafé am Münster "das Spiel unseres Lebens" anschauen, wie es Mato Sostaric nennt. Und seine Frau sagt: "Wir haben Trikots, Fahnen – alles ist bereit für den Auto-Korso." Das Spiel gegen Frankreich werde aber bestimmt sehr schwer.

Mato Sostaric gründete 2017 die Folklore-Gruppe Bumerang in Überlingen. Die Teilnehmer kommen aus allen Länder Ex-Jugoslawiens, erklärt er stolz. Dem Kroaten geht es um Verständigung und Freundschaft "nach dem schrecklichen Krieg".

Veronika und Katarina Ostojic sitzen mit in der frohen Runde der Fans. Mutter und Tochter fiebern mit den Kroaten. "Ich bin Kroatin, aber der Vater meiner Tochter ist Serbe, erklärt die in Deutschland geborene Veronika Ostojic und bezeichnet sich selbst als Gastarbeiterkind. Am Tisch sitzt auch Andrea Kaiser, geboren in Pfullendorf. So sehe doch gelungenen Integration und völkerübergreifende Fußball-Freude aus, ist sich die ganze Gruppe einig.

WM-Finale