Lunker sind Löcher und treten gelegentlich beim Gießen von Stahl auf. Das zumindest hat bei der Führung durch das Kendrion Werk in Markdorf jeder rasch begriffen, denn auf sehr anschauliche Weise erklärten Bernd Friedrich und Marco Weimer den knapp 20 interessierten SÜDKURIER-Lesern den „Workflow“ in den Produktionshallen des Marktführers für elektromagnetische Kompressor- und Lüfterkupplungen. Und warum zum Beispiel ein Winkelgetriebe im „One piece flow“ hergestellt wird, auch darauf gab es eine Antwort. Aber zunächst waren, zumindest bei der Damenwelt, viele Fragen offen.

Wo gehobelt oder vielmehr zerspant wird, fallen Späne. „Das Wenigste an Stahl bleibt am Bauteil“, sagt Marco Weimer (rechts). Der größte Teil sind Stahlspäne, die wieder verkauft werden.
Wo gehobelt oder vielmehr zerspant wird, fallen Späne. „Das Wenigste an Stahl bleibt am Bauteil“, sagt Marco Weimer (rechts). Der größte Teil sind Stahlspäne, die wieder verkauft werden. | Bild: Helga Stützenberger

Diese Fragen wurden einmal mehr beantwortet durch die Aktion „Der SÜDKURIER öffnet Türen“. Und so gewährte am Mittwochnachmittag das Markdorfer Unternehmen Kendrion im Rahmen einer exklusiven Führung den ausgelosten Gewinnern der Aktion Einblick in ihre Hallen.

Schon seine Ausbildung hat Marco Weimer (vorne) bei Kendrion absolviert und ist nun seit 15 Jahren im Unternehmen tätig. Den SÜDKURIER-Lesern erklärt er die Produktionsabläufe und Fertigungstechniken.
Schon seine Ausbildung hat Marco Weimer (vorne) bei Kendrion absolviert und ist nun seit 15 Jahren im Unternehmen tätig. Den SÜDKURIER-Lesern erklärt er die Produktionsabläufe und Fertigungstechniken. | Bild: Helga Stützenberger

Wer weiß schon, wo man täglich – ohne es zu ahnen – mit Produkten von Kendrion in Berührung kommt. „Man sieht uns halt selten, weil unsere Produkte immer versteckt sind“, sagt Werksleiter Bernd Friedrich. In Fahrzeugen sowieso, aber auch in Flugzeugen, Landmaschinen und Nutzfahrzeugen, in Bussen, bei der Bahn und auch bei Brandschutztüren – nichts funktioniere ohne Bauteile von Kendrion.

Martina Weimer, Markdorf: „Unser Sohn arbeitet seit 15 Jahren hier. Deshalb bin ich heute mit meinem Mann hergekommen, um einmal einen Einblick in die Produktion bekommen. Von der Materie selbst habe ich keine Ahnung und auch nix damit am Hut. Ich könnte daheim auch nicht genau erzählen, was hier gemacht wird.“
Martina Weimer, Markdorf: „Unser Sohn arbeitet seit 15 Jahren hier. Deshalb bin ich heute mit meinem Mann hergekommen, um einmal einen Einblick in die Produktion bekommen. Von der Materie selbst habe ich keine Ahnung und auch nix damit am Hut. Ich könnte daheim auch nicht genau erzählen, was hier gemacht wird.“

„Wir setzen aber nicht nur auf die Automobilindustrie“, erklärt Friedrich nebenbei. In heutiger Zeit sei es wichtig, mehrere Standbeine zu haben, denn die Automobilindustrie erlebe zur Zeit den weltweit größten Wandel ihrer Geschichte. „Es muss uns gelingen, den Spagat zu schaffen zwischen Verbrennungsmotoren und E-Mobilität“, sagt Werksleiter Bernd Friedrich. Wo Handelskriege die Welt umtreiben, sei es umso wichtiger, heterogen aufgestellt zu sein. „Wir versuchen, uns gut darauf vorzubereiten“, betont er. „Desto besser kommt man durch manche Krise hindurch, weil‘s nicht überall gleichzeitig kracht.“

Gabi Gauß, Markdorf: „Ich habe mich für die Besichtigung beworben, weil ich wissen möchte, was hier in Markdorf alles hergestellt wird. Das bekommt man ja sonst gar nie zu sehen. Schön, dass der Südkurier so etwas immer wieder ermöglicht. Dadurch hatte ich bereits die Gelegenheit, auch bei anderen Firmen reinzuschauen.“
Gabi Gauß, Markdorf: „Ich habe mich für die Besichtigung beworben, weil ich wissen möchte, was hier in Markdorf alles hergestellt wird. Das bekommt man ja sonst gar nie zu sehen. Schön, dass der Südkurier so etwas immer wieder ermöglicht. Dadurch hatte ich bereits die Gelegenheit, auch bei anderen Firmen reinzuschauen.“ | Bild: Helga Stützenberger

Richtig und allerorts kracht es dafür dann in den Produktionshallen. Da wird gehobelt und gefräst, gebürstet und zerspant. Neben den Lunker-Löchern, noch so ein Begriff, der den männlichen Teilnehmern zwar vertraut ist, bei den Damen aber nicht unmittelbar auf Verständnis stößt. „Ich könnte heute Abend zuhause auf keinen Fall erklären, wie so ein Winkelgetriebe entsteht und wozu es gut sein soll“, lacht Martina Weimer, die zusammen mit ihrem Mann gebannt bei der Führung zuhört. Denn neben Bernd Friedrich führt ihr Sohn Marco Weimer parallel eine zweite SÜDKURIER-Gruppe durchs Werk.

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Viele der Besucher sind „vom Fach“, fragen mit fundierten Vorkenntnissen nach Beschaffenheit der Materialien, erkennen schadhafte Stellen, wo es etwa um Qualitätssicherung geht und wissen ganz genau, welche Teile wo verbaut werden und Anwendung finden. So etwa Josef Fischer, der bei Friedrichshafener MTU in der Fertigung tätig war. „Da, wo ein Lunker ist, macht man einfach ein Loch rein“, erklärt er. Dann sei die Sache geritzt und der Lunker sowieso weg.

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Am Ende hat man viel gelernt an diesem kurzweiligen Nachmittag. Frau übrigens auch: Dass ein „One-Piece-flow-System“ Konzentrationsstörungen der Mitarbeiter verhindern soll, dass beim Zerspanen jede Menge überschüssiges Material in Form von Spänen anfällt und dass Bauteile von Kendrion in jedem vierten Fahrzeug stecken – wie Lunker im Stahl eben.

Marco Weimer (rechts) erklärt vor den Besuchern das Prinzip eines Winkelgetriebes.
Marco Weimer (rechts) erklärt vor den Besuchern das Prinzip eines Winkelgetriebes. | Bild: Helga Stützenberger