Die von Airbus in Immenstaad entwickelte und gebaute Raumsonde Bepi-Colombo tritt dieser Tage ihre letzte große Reise auf der Erde an: Die ersten Elemente der Sonde wurden am Flughafen in Amsterdam in ein russisches Antonov-Transportflugzeug verladen und über den Atlantik nach Kourou zum europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana geflogen. Insgesamt vier solcher Antonov-Flüge sind nötig, um alle Teile der Sonde zu ihrem Startort zu bringen. Bepi-Colombo ist Europas erste Mission zum sonnennächsten Planeten Merkur. In einem Startfenster-Zeitraum zwischen dem 5. Oktober und dem 29. November soll das Raumfahrzeug an Bord einer Ariane-5-Rakete ins All getragen werden.

Mit dem Flug zum Merkur schlägt Bepi-Colombo für die europäische Raumfahrt ein spannendes neues Kapitel auf: Der kleinste und unbekannteste Planet des Sonnensystems gilt noch als kaum erforscht. Für die Reise nahe an die Sonne mussten die Ingenieure und Techniker am Bodensee eine ungemein herausfordernde Entwicklungsarbeit leisten, denn die Sonde wird sowohl Eiseskälte als auch Temperaturen von mehr als 350 Grad ausgesetzt sein, wenn sie Ende 2025 den Merkur erreichen wird. In ihrer einjährigen Missionszeit, die um ein weiteres Jahr verlängert werden könnte, wird sie Daten erfassen, die der Wissenschaft wertvolle neue Erkenntnisse über den heißen Gesteinsplaneten liefern sollen.

Bepi-Colombo ist eine interdisziplinäre Mission der europäischen Weltraumagentur ESA und der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa. Die Sonde soll zwei Orbiter in die Umlaufbahn des Merkur bringen, die mit Instrumenten versehen sind, die die Oberfläche des Merkur kartografieren, ihre chemische und geologische Zusammensetzung analysieren und das Magnetfeld und das Schwerefeld des Planeten vermessen sollen. Zuletzt wurde die Sonde, die nach dem italienischen Mathematiker Giuseppe "Bepi" Colombo (1920 – 1984) benannt ist, im ESA-Technologiezentrum im holländischen Nordwijk letzten Tests unterzogen. Nun ist sie bereit für ihre Reise Richtung Sonne.